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Mutter des Kindes muss sich wegen Totschlags vor dem Landgericht verantworten

Zu Tode geschüttelt: Nach Säuglingstod in U-Haft

RADDESTORF/VERDEN. Der Tatvorwurf ist unfassbar grausam: Wie die Ermittlungsbehörden erst jetzt mitteilten, soll eine Mutter aus Raddestorf am 5. Oktober des vergangenen Jahres ihr damals gut vier Monate altes Baby derart heftig geschüttelt haben, dass der Junge wenige Stunden später an seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus gestorben ist. Staatsanwaltschaft und Landgericht Verden haben nun Details mitgeteilt.

veröffentlicht am 14.03.2019 um 16:13 Uhr

Justizia_duester_dpa

Demnach sei die Polizei seinerzeit von den Ärzten des Klinikums Minden über den Todesfall informiert worden, erklärte Martin Schanz, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft. Die 1993 geborene Mutter des Kindes muss sich wegen Totschlags ab dem 28. März vor dem Landgericht verantworten.

Was genau sich an jenem 5. Oktober in Raddestorf zwischen der Frau und ihrem kleinen Sohn abgespielt hat, wollten weder Staatsanwaltschaft noch Landgericht sagen. „Das ist Gegenstand der Beweisaufnahme in dem Verfahren“, erklärte Landgerichtssprecher Nikolai Sauer. Unklar ist damit neben den konkreten Geschehnissen im Zusammenhang mit der angeklagten Tat auch die Frage, ob die Mutter ihr Kind womöglich selbst ins Krankenhaus gebracht oder einen Notarzt verständigt hat.

Laut Anklageschrift soll die Frau ihren Sohn drei bis vier Mal so heftig geschüttelt haben, dass der Kopf des Babys vor und zurückgeschleudert sein soll. Dabei wurde der Junge so schwer verletzt, dass er wenige Stunden später gestorben ist. Die Anklage listet ein „hochgradiges Hirnödem und massive subdurale Einblutungen in beide Hirnhälften“ auf. Das Verdener Amtsgericht hat laut Martin Schanz am 9. Oktober 2018 Untersuchungshaft gegen die angeklagte Mutter angeordnet. Der Ende März beginnende Prozess mit zwölf angesetzten Verhandlungsterminen lässt auf eine langwierige Beweisaufnahme schließen. Drei Gutachter und ein weiterer Zeuge sollen vor dem Landgericht aussagen. Dazu zählt ein im vorangegangenen Ermittlungsverfahren beauftragter Sachverständiger, der zu dem Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung des Kindes angehört werden soll. Auch ein psychologisches Gutachten zur Verfassung der Mutter soll zur Sprache kommen.

Der Grundstrafrahmen für einen Totschlag liegt Landgerichtssprecher Sauer zufolge zwischen fünf und fünfzehn Jahren. Kommt das Gericht zu der Auffassung, dass bei der Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit vorliegt, sind Abweichungen vom Strafmaß möglich.

Der Prozess vor dem Verdener Landgericht startet am Donnerstag, 28. März, um 9 Uhr.

 von Jörn Graue mt / (harke) 




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