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Reinigungskraft von Leiharbeiter sexuell genötigt / Opfer bekommt 2000 Euro, Täter Bewährung

Zungenkuss wider Willen

RODENBERG/STADTHAGEN. Ein Leiharbeiter hält eine Reinigungskraft an den Armen fest und zwingt ihr einen Zungenkuss auf. Das Schöffengericht in Stadthagen entscheidet: Das Opfer bekommt 2000 Euro, der Täter Bewährung.

veröffentlicht am 18.12.2018 um 15:56 Uhr

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RODENBERG/STADTHAGEN. Er kennt sie jetzt seit Jahren, aber so hat der Depotleiter eines Unternehmens in der Samtgemeinde Rodenberg die Reinigungskraft noch nie erlebt. „Ich habe mich über ihren Zustand erschrocken. Sie kam hinter einer Maschine hervor, zitterte und war völlig aufgelöst“, erinnert er sich. Was der Mann damals noch nicht wusste: An jenem 27. Februar hatte ein Leiharbeiter die Frau an den Armen festgehalten und ihr einen Zungenkuss aufgezwungen.

In einem Prozess um sexuelle Nötigung hat das Schöffengericht in Stadthagen gegen den Täter jetzt ein Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung verhängt. Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, muss der Familienvater seinem Opfer 2000 Euro als Entschädigung zahlen. Richter Kai Oliver Stumpe und seine beiden Schöffen glauben der Frau. Das Gericht stützt den Schuldspruch außerdem auf die Aussage des Depotleiters: „Das kann die Frau nicht vorgespielt haben“, so Stumpe.

Während der Vernehmung des Opfers hatte das Gericht die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Details der Aussage wurden nicht bekannt. „Die Frau ist nicht so leicht einzuschüchtern, sie arbeitet seit fünf Jahren in einem Betrieb voller Männer“, stellte Richter Stumpe in der Urteilsbegründung fest. „Wenn sie so beeinträchtigt ist, muss es ein schwerwiegendes Ereignis gegeben haben.“

Passiert ist der Übergriff um die Mittagszeit auf dem Gang zu den Toiletten. Hinter der Flurtür liegt die Produktionshalle, in der so großer Lärm herrscht, dass vermutlich niemand etwas gehört hat. „Da wollte mich gerade einer vergewaltigen“, berichtete die Frau nach der Erinnerung des Depotleiters. „Sie hat schon von Weitem auf ihn gezeigt.“ Nach der Tat war die Raumpflegerin mehrere Wochen krank. „Sie hat einen psychischen Knacks erlitten“, glaubt der Chef. „Mittlerweile geht es.“

Nach der Tat sollen der 42-Jährige und dessen Sohn vor dem Firmengebäude gewartet haben, obwohl sie ein Hausverbot bekommen hatten. „Ich habe die Frau dann nach Hause gebracht“, berichtet der Depotleiter. Der Sohn sei gegenüber dem Opfer „sehr aggressiv“ gewesen. Dem Vernehmen nach hat die Zeitarbeitsfirma unterdessen beiden Männern gekündigt.

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe von Staatsanwältin Neele Marleen Schlenker bis zuletzt bestritten und erklärt: „Meine Religion lässt es nicht zu, dass mir eine andere Frau gefällt.“

Auf die Frage Stumpes, warum das Opfer sich eine solche Geschichte ausgedacht haben sollte, antwortete der 42-Jährige sinngemäß, die Reinigungskraft und eine andere Mitarbeiterin hätten ein Komplott gegen ihn geschmiedet. Dabei kennen sich die beiden Frauen gar nicht. ly




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