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Altlasten aus der Gaserzeugung – Stadtwerke Schaumburg-Lippe sanieren Betriebsgelände

5000 Tonnen Boden verseucht

BÜCKEBURG. Auf dem Betriebsgelände der Stadtwerke Schaumburg-Lippe am Bahnhof läuft derzeit eine große Bodensanierung. Rund 5000 Tonnen verunreinigter, beziehungsweise angrenzender Boden müssen ausgekoffert und entsorgt werden. Der Boden ist mit Teeröl verseucht, Grenzwerte weit überschritten. Es besteht die Gefahr, dass Bestandteile des krebserregenden Teeröls in das Grundwasser und den Schlossbach gelangen können, der hinter dem Betriebsgelände entlang fließt.

veröffentlicht am 20.04.2018 um 13:49 Uhr

Altlastensanierung auf dem Betriebshof der Stadtwerke Schaumburg-Lippe am Bahnhof: Rund 5000 Tonnen mit Teer und Teeröl belasteter Boden müssen ausgekoffert werden. Foto: rc
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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Wie die Stadtwerke auf Anfrage unserer Zeitung mitteilten, wird die Sanierung mit dem Auskoffern, Wiederverfüllen und der Wiederherstellung des Oberflächenbereichs voraussichtlich bis Mitte Mai dauern. Für die Entsorgung des Aushubmaterials sowie die Anlieferung des Füllmaterials werden rund 400 Lkw-Fahrten erforderlich sein. Die Lkw werden mit Planen abgedeckt, um zu verhindern, dass Boden herunterfällt, außerdem werden die Lkw vor dem Verlassen des Geländes gereinigt.

Die Sanierungsarbeiten werden nach Angaben der Stadtwerke von einer auf Umwelttechnik spezialisierten Firma durchgeführt. Während der gesamten Dauer wird ein Ingenieurbüro die Maßnahme fachgutachterlich begleiten. Dabei werden laufend Schadstoffmessungen durchgeführt, um gegebenenfalls durch technische Maßnahmen sicher zu stellen, dass sich keine gefährlichen Gase wie zum Beispiel Benzol über den unmittelbaren Arbeitsbereich hinaus ausbreiten. Die Sanierung erfolgt in Abstimmung mit dem Umweltamt des Landkreises.

Die Anwohner sind informiert worden. Zeitweise sei mit Geruchsbelästigungen durch schwefelhaltige Verbindungen in dem Teeröl nicht auszuschließen. Diese Verbindungen seien gesundheitlich unbedenklich, heißt es seitens der Stadtwerke. Die Geruchsschwelle sei aber sehr niedrig und liege noch unter der analytischen Bestimmungsgrenze der Verbindungen.

Probenentnahme: Erst wenn das Labor sein Okay gibt, muss nicht tiefer ausgekoffert werden. Foto: rc
  • Probenentnahme: Erst wenn das Labor sein Okay gibt, muss nicht tiefer ausgekoffert werden. Foto: rc

Zu den Kosten machten die Stadtwerke nur die Angabe „sehr viel“. Es seien erhebliche Steigerungen zu befürchten, da sich erst während der laufenden Sanierung und Probenentnahmen herausgestellt hat, dass tiefer ausgekoffert werden muss.

Wie schon der Straßenname des heutigen Werksgeländes der Stadtwerke „An der Gasanstalt“ vermuten lässt, befand sich auf dem Gelände ehemals eine Gasanstalt beziehungsweise ein Gaswerk, wie die Stadtwerke erklärten. In dem Werk wurde durch die Verschwelung von Steinkohle ab Ende des 19. Jahrhunderts bis 1960 Stadtgas zur Versorgung Bückeburgs erzeugt. Bei der Herstellung von Stadtgas fielen auch verschiedene Nebenprodukte an, die größtenteils verwertet wurden. Hauptnebenprodukte seien Teeröl und Teer gewesen, die in Teergruben gesammelt wurden. Die Verwertung erfolgte unter anderem für die Herstellung von Teerpappen sowie als Holzschutzmittel (Carbolineum) zur Imprägnierung von Eisenbahnschwellen und Telegrafenmasten.

Beim Rückbau der Gaswerksgebäude zu Beginn der 1960er Jahre seien die Reste in einer großen Teergrube nicht entleert, sondern diese nur mit Bauschutt und Boden verfüllt worden. Diese Teergrube befindet sich unter dem gepflasterten Hof und sei bisher noch weitestgehend dicht gewesen. Das Teeröl und der Teer enthalten unter anderem krebserzeugende und wassergefährdende Bestandteile wie zum Beispiel Benzol und Benzo(a)pyren.

Bereits 2017 war Boden auf dem Betriebsgelände saniert worden. Damals wurden 650 Tonnen Boden und Bauschutt ausgekoffert und abtransportiert.




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