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Edith Schönbeck appelliert an Bethel-Stiftung / Nichts unversucht lassen

„Abriss von Haus Reiche stoppen“

BÜCKEBURG. Quasi auf die allerletzte Minute, bevor der Abrissbagger auch die Fassade des innen bereits entkernten Haus Reiche dem Erdboden gleich macht, appelliert Prof. Edith Schönbeck über die Presse an die Stiftung Bethel, den Abbruch doch noch zu stoppen. „Ich will mir hinterher nicht vorwerfen müssen, wir hätten nicht alles versucht“, sagt Schönbeck mit Blick auf die „Interessengemeinschaft Historische Herminenstraße“ (IGHH), deren Mitglied sie sei.

veröffentlicht am 19.10.2018 um 14:03 Uhr
aktualisiert am 19.10.2018 um 16:50 Uhr

Das „Etikett“ von Abbruch-Otto hängt schon dran: In Kürze soll der Abriss von Haus Reiche beginnen. Foto: tw

Autor:

Thomas Wünsche
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Die IGHH habe inzwischen um die 400 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern, die sich gegen den Abbruch aussprächen.

Ihre Kritik an dem Abriss machte die Bückeburgerin am Freitag im Gespräch mit der Redaktion an drei Punkten fest. Erstens würden der Öffentlichkeit die Stellungnahmen vorenthalten, die bei der Stadt im Zuge der frühzeitigen Bürgerbeteiligung zum B-Plan „Bethel-Areal“ zwischen dem 5. und 22. Juni eingegangen waren. „Wir haben damit gerechnet, dass diese Stellungnahmen presseöffentlich gemacht werden“, so Schönbeck, die moniert: „Das wurden sie aber bis heute nicht.“ Für sie nimmt die Demokratie Schaden, wenn erst abgerissen und dann diskutiert werde.

Zweitens erinnert die Bückeburgerin daran, dass das etwa 1875 erbaute Haus Reiche der Bethel-Stiftung 1946 von einer Enkelin des Konsistorialrats Reiche in Form einer Schenkung übereignet worden sei. „72 Jahre später kommt dann der Abriss für das Gebäude. Geht man so mit dem Stein gewordenen Zeugnis einer guten Tat um?“, fragt die Seniorin kopfschüttelnd. Dass die Stiftung Bethel und damit letzten Endes die Kirche die Aufhebung des Denkmalschutzes für das Gebäude durchgesetzt habe und sich mit dem beabsichtigten Abriss nicht als Bewahrerin der Kultur in Bückeburg zeige, „das wird ihr auf Dauer sehr schaden“, ist die Seniorin überzeugt.

Drittens sei die immer noch zu rettende Fassade von Haus Reiche ein Zeugnis bürgerlicher Baukunst im Stile des Klassizismus – und das architektonische Gegengewicht zum fürstlichen Palais auf der anderen Seite der Herminenstraße (Ensembleschutz). „Aus dem Haus Reiche“, so Schönbeck, „ließe sich das machen, was die Bielefelder First Retail Gruppe mit dem historisch sanierten Badehotel in Bad Eilsen plant.“ Wie das Badehotel könne Haus Reiche eine Zukunft als Pflegeeinrichtung haben. „Dortige Pflegebetten könnten für den Betreiber finanziell sogar ganz besonders attraktiv sein, weil Haus Reiche etwas Besonderes ist“, wirbt die Bückeburgerin in Richtung des Erwerbers IMMAC AG.

Allerdings: Mit Blick auf den von der Seniorin gerügten Umgang der Stadt mit den Stellungnahmen, hat Bückeburgs Bürgermeister in einem Brief an Schönbeck bereits ausdrücklich betont, „dass die im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung eingegangenen Eingaben keinen Einfluss aus den Erhalt des Haus Reiche haben“. Der Eigentümer sei berechtigt, das Gebäude abzureißen; der Abriss sei seitens der Stadt rechtlich nicht zu beanstanden. Brombach in dem Schreiben weiter: „Etwaige im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung abgegebene Stellungnahmen, die den Erhalt des Haus Reiche zum Ziel haben, können nicht dahingehend berücksichtigt werden, dass die städtebauliche Planung geändert wird.“ Daher werde von der Stadt auch nicht darauf hingewirkt, dass die Stiftung Bethel die Abbrucharbeiten an Haus Reiche unterbricht.

Aber: Am Ende werde jeder Bürger, der sich in Sachen Haus Reiche zu Wort gemeldet hat, eine Antwort der Stadt erhalten, aus der hervorgehe, wie mit seiner Stellungnahme umgegangen wurde.




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