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Planspiel „POL&IS“ bietet vielfältige Gelegenheiten zur Kompetenzsteigerung

Adolfiner machen Weltpolitik

Bückeburg/Torfhaus. Wenn Hendrik Buddensiek im Sitzungssaal des Freizeitheims der Region Hannover in Torfhaus spricht, dann ist mit allem zu rechnen – auch rhetorisch. Der Adolfiner nimmt im Planspiel „Politik und internationale Sicherheit“ (POL&IS) die Funktion eines russischen Staatsministers wahr und zieht alle Register. Recht und Unrecht, Anmaßung und Abwehr mischen sich auf brisante Weise. Eher verhalten, aber am Ende nicht weniger wirksam agiert Pokerface Barnaby Keuler als Mitglied der arabischen Regierung. Schon fragen Herren von der Weltpresse wie Leon Klaus: „Planen Russland und Arabien einen Weltkrieg?“

veröffentlicht am 15.03.2016 um 13:23 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 01:41 Uhr

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Autor:

Volkmar Heuer-Strathmann

Da hat Maik Lehmkühler als Generalsekretär der UN mit Stellvertreter Cornelius Büthe alle Hände voll zu tun, um den Weltfrieden zu bewahren, Entwicklung zu gewährleisten, Ressourcen zu erhalten und Risiken zu mindern. Die größte Realitätsnähe erhält das von der Bundeswehr aktualisierte Planspiel durch das Reizwort „Islamischer Staat“. Gegen den religiös verbrämten Terrorismus ist sich die Weltgemeinschaft schnell einig. Je drei Schüler sprechen für eine Region. Wirklichkeit soll abgebildet und zugleich reduziert werden.

Für die Politiker aus dem Adolfinum, allesamt Schüler im Fach Politik/Wirtschaft im 11. Jahrgang, ergeben Umweltschutz, Wirtschaftsentwicklung und gesellschaftliche Situation ein heterogenes Bild. Staaten wie China (Kübra Kisakol) und Indien (Dejan Radevicz) mit einer zu Spielzwecken homogen angelegten Staatengemeinschaft wie der EU (Philipp Köster) oder der Weltmacht USA (Sina Noll) zu vergleichen, ist auch in der Realität heikel.

Die Finanzexperten der Weltbank (Nils Schach und Jonne Grein) brauchten belastbare Daten und stellten belastende Bedingungen, die Menschen in Afrika (Florian Mühlke) und die nicht erst durch den IS auf den Plan gerufenen Flüchtlinge aus Syrien brauchen unbelastete Lebensmittel und stellen die lästige Frage nach Menschlichkeit. Sie wissen NGO-Vertreterinnen wie Lara Köhler auf ihrer Seite. Südamerika (Marie Kasseroler) hat und macht wiederum als „Amerika zweiter Klasse“ ganz andere Sorgen.

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Ex-Politiklehrer Jürgen Hockemeier, der als Beobachter der „Gesellschaft für Sicherheitspolitik“ an der Veranstaltung teilnimmt, ist beeindruckt von der Ernsthaftigkeit, mit der die Schüler von Björn Hasselmann und anderen Politiklehrern ans Werk gehen. Auch Paul Becker und Sebastian Leitsch, zwei Jugendoffiziere der Bundeswehr, sind voll des Lobes. Ein Impuls aus heiterem Himmel (Wetterwürfel), ein echter völkerrechtlicher Einwand (UN-Charta), eine Kurskorrektur durch Zielvorgaben oder Notlagen von „POL&IS“ – schon ging das Weltgeschehen in die nächste Jahresrunde.

Für die Politologen am Adolfinum war „POLI&IS 2016“ eine Premiere. Strukturelles Denken ist bei diesem Planspiel besonders gefragt, Interdependenzen aller Politikbereiche sind zu beachten, Risiken zu kalkulieren. „Ohne Kooperation und Kompromiss geht gar nichts“, war aus Brüssel zu hören. „Mehr Aktualität geht nicht“, meinten mehrere Teilnehmer. „Themen aus mehreren Semestern sind realitätsnah verknüpft – ein Glücksfall“, hieß es aus der Fachschaft. Fächergrenzen würden endlich überschritten, um mehr Klarheit zu gewinnen.

Dass Menschen nicht einfach Kalkulationsmasse in Konflikten sein dürften, betonte Hauptmann Becker mehrfach, um gerade als Soldat für den hohen „Preis“ eines Krieges zu sensibilisieren. Dass es am Ende trotz der Töne aus Moskau nicht leichtfertig zu einem Waffengang der Weltregionen kam, beruhigte den studierten Historiker – zumindest für diese Spielzeit.




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