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Beatbox-Workshopchef zieht Jugendliche mit außergewöhnlicher Gesangstechnik in den Bann

Alberto und der „rückwärts eingesogene KCH“

Bückeburg (bus). Ton- und Geräuschfolgen, die im Gehörgang eines gewöhnlichen Chormusikliebhabers eher selten anzutreffen sind, haben dieser Tage die Räumlichkeiten des Schaumburger Jugendchores gefüllt. Als hier der vom S-Club der Sparkasse angebotenen „Beatbox-Workshop mit Alberto“ anhob, tauchte nicht eine einzige Note aus dem bekannten Repertoire des Klangkörpers auf. Dabei hatte der nach kurzer Zeit ausverkaufte Kursus einen einigermaßen vertrauten Anfang genommen. „Moin Jungs“, begrüßte „Alberto“ die Teilnehmer.

veröffentlicht am 05.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 16:21 Uhr

Der legere Umgang zählt in der „Beatbox“-Szene sozusagen zum guten Ton. Vieles wird als „cool“, manches als „krass“ eingestuft. Häufig lautet die Devise „alles easy“, „locker bleiben“ oder „in der Ruhe liegt die Kraft“. Dennoch geht es anfangs ein wenig zaudernd voran. Als das Eis dann gebrochen war – Alberto: „Ey, ihr seid gut“ – wurde rasch deutlich, was die jungen Schaumburger in den Bann zog. Der Workshopchef gilt unter Beatboxern als angesagte Größe. Albert „Alberto“ Martin Bruhn imponierte bei Liveauftritten, im Fernsehen und im Internet. Zudem absolvierte der in den „USA geborene Hamburger“ eine Clubtour durch Los Angeles und Las Vegas sowie Gastspiele im Vorprogramm von Busta Rhymes und Timberland.

Bei dem im Hip-Hop verwurzelten Beatboxen (auch: Beatboxing) geht es darum, ohne technische Hilfsmittel mit Mund, Nase und Rachen gleichzeitig Perkussionsrhythmen, Harmonien, Gesang, Instrumente und Geräusche zu produzieren. Es kann mit der Zunge geschnalzt, gesummt, geschnarcht und gehustet werden. Im Unterschied zu herkömmlichen Gesangstechniken sind ebenso die klanglichen Möglichkeiten stimmloser Laute gefragt. Was Außenstehenden recht „easy“ anmutet, kann den Interpreten mitunter erhebliches (Kehl-) Kopfzerbrechen bereiten. Wenn Alberto beispielsweise die akustischen Finessen eines „rückwärts eingesogenen KCH“ andeutet, erweist sich die Umsetzung von der Theorie ins Praktische zunächst als kaum zu bewältigende Hürde.

Falls der gewöhnliche Chormusikliebhaber bis jetzt nur (Beat-)Bahnhof verstanden haben sollte, sei darauf verwiesen, dass vokale Perkussionselemente in der Musik über eine beträchtliche Tradition verfügen. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an Al Jarreau, über dessen Kehle ein Kritiker Mitte der 1970er Jahre schrieb, sie bringe „wirklich ein ganzes Orchester hervor: Schlagzeuge und Saxophone, Trompeten und Flöten, Congas und Bässe“. Oder an den Blödelbarden Otto Waalkes, der zu Beginn seiner Karriere das Publikum mit einer rhythmischen Collage über Dubcek, Mao Tse Tung, King Kong, Idi Amin und Honecker faszinierte. Und Albertos „KCH“ entstammt ebenfalls nicht der heutigen Zeit. Es findet bereits im 1991 aufgelegten „Lexikon der Onomatopöien“ Erwähnung. Die Buchstabenfolge stehe für das Geräusch einer „zu einem Folterinstrument umfunktionierten Reibmaschine“, erläutert das Standardwerk der Namensschaffer.

Auf die Gefahr hin, dass der „fröhliche Wandersmann“ mit den Ohren schlackern wird, kündigte Jörg Nitsche an, einen Beatboxer-Titel eventuell ins Repertoire des Jugendchores aufnehmen zu wollen. „Das ist eine spannende und interessante Geschichte“, so der Vorsitzende des Jugendchor-Trägervereins. Alberto hätte zu dem Vorhaben vermutlich gesagt: „Nur keine Hemmungen.“




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