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Theatergruppe „Nightmare“ setzt Odyssee in Szene / Alle Schauspieler sind Schutzsuchende

„Albtraum“ Flucht

Bückeburg. In Rinteln ist das Tanztheater „Albtraum“ der in der Flüchtlingsunterkunft in der Prince Rupert School lebenden Menschen bereits mehrfach und mit großem Erfolg aufgeführt worden. Nun können auch die Bückeburger in den Genuss des Stücks kommen. Es wird am Samstag, 27. Februar, um 19.30 Uhr im Rathaussaal aufgeführt. Karten zum Preis von fünf Euro, ermäßigt für Schüler drei Euro, sind ab 18.30 ausschließlich an der Abendkasse erhältlich. Es ist freie Platzwahl. Die Einnahmen werden für die kulturellen Projekte in der Flüchtlingsunterkunft verwendet.

veröffentlicht am 23.02.2016 um 13:34 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 04:22 Uhr

„Albtraum“ hat die Theatergruppe „Nightmare“ mit ihren sieben Schauspielern auf die Beine gestellt. Es stellt das gleichnamige Stück des Autors, Regisseurs und Irak-Flüchtlings Rushdie al Fatlawi vor, das den leidvollen Weg der Flucht ins sichere Deutschland darstellt.

Krieg, Zerstörung und Terrorismus bestimmten das Leben vieler Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind. Ein Albtraum, der mit der Flucht noch nicht beendet war. In seinem Stück beschreibt Rushdie al Fatlawi die Gefahren der langen Reise, die viele nicht überlebt haben: die Flucht aus dem Irak nach Syrien und dem Libanon, tagelange Fußmärsche, bittere Kälte und die hochriskante Überquerung des Mittelmeers von der Türkei nach Griechenland und von dort der monatelange Marsch über die Balkanroute nach Deutschland. In der Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit.

Mit einer Gruppe junger Intellektueller aus Irak, Syrien und dem Libanon, die zurzeit in der Flüchtlingsunterkunft in Rinteln leben, hat Rushdie al Fatlawi das Stück inszeniert. Die Schauspieler, allesamt Laien, bringen ihre eigene Geschichte auf die Bühne, wodurch das Stück – das ohne Sprache auskommt – eine ergreifende Authentizität erhält.

Rushdie al Fatlawi – Schauspieler und Regisseur.

Wie Rushdie al Fatlawi sowie der Manager und Dolmetscher Feras Naeem mitteilten, ist in den vergangenen Wochen weiter am Stück gefeilt worden und eine neue Szene zu den zehn hinzugekommen: der Fluchtgrund Religion, ein Christ oder Moslem zu sein, nicht nur Bomben, Terror und Bürgerkrieg. Beide Religionen würden im gleichen Boot sitzen und müssten mit der Bedrohung durch den IS leben.

„Wir haben da etwas für Euch“

In Rinteln ist das rund einstündige Stück übrigens ohne Wissen der Betreuer und Ehrenamtlichen geprobt und inszeniert worden, wie Johann Hubrich erklärte, der sich als Ehrenamtlicher um die Kulturprojekte in der Prince Rupert School kümmert. Eines Tages seien sie eingeladen worden – „wir haben da etwas für Euch“. Und seien völlig überrascht gewesen, was ihnen gezeigt worden ist. „Tief beeindruckend und ergreifend.“ Hinter dem Tanztheater habe auch der Wunsch der Flüchtlinge gestanden, etwas an Deutschland zurückzugeben. Einem Wunsch, dem auch in Bückeburg entsprochen worden ist, wo Anwohner der als Notunterkunft genutzten Herderschule eingeladen wurden: „Wir möchten die Dankbarkeit weitergeben.“

Das Engagement in Bückeburg ist derzeit – trotz zahlreicher Anfragen – das Einzige, das die Theatergruppe angenommen hat. Denn angesichts der Situation auf dem Wohnungsmarkt in Rinteln und Schaumburg ist derzeit nicht absehbar, inwieweit die Truppe zusammenbleiben und weiter Theater machen kann. Auch, ob ein solches Engagement auf die Herderschule übertragen werden kann, ist offen. „Es muss sich ein Ehrenamtlicher finden“, antwortete Hubrich auf eine entsprechende Frage.

Rushdie al Fatlawi ist übrigens gelernter Schauspieler und Regisseur. 14 Jahre arbeitete er am National-Theater in Bagdad und für das irakische Fernsehen, war auch auf seinen Fluchtstationen in Syrien und im Libanon als Theatermann aktiv. Wie überhaupt seine ganze Familie im Film- und Theaterbetrieb aktiv ist.

In Bückeburg haben sich Johanna Woydt und der Vorsitzende des Kulturausschusses, Albert Brüggemann um die Inszenierung des Stücks gekümmert. Und trafen dabei auf sehr viel Entgegenkommen der Stadt, der Ratskellerpächterin Claudia Schurig, dem Bühnenmeister des Bauhofs, und Marinus Kienzl von BDT, der Ton- und Lichtanlage kostenlos zur Verfügung stellt. Einen weiteren großen Teil trug der Lions Club bei, der der Theatergruppe Laptop und Lautsprecher für ihre Proben und Aufführungen spendete. rc




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