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Interview mit Thomas Rippke (BIGTAB)

Albtraumideen von Riesenbrücken und Tunneln nicht erledigt?

BÜCKEBURG/MINDEN. Das Bundesverkehrsministerium hat fünf politischen Abgeordneten gegenüber erstmals die Absicht einer neuen Schnellbahntrasse bestätigt, auf der Fernzüge mit 300 Stundenkilometern zwischen Hannover und Bielefeld verkehren sollen. Was bedeutet das für den in der Region favorisierten trassennahen Ausbau?

veröffentlicht am 01.02.2019 um 14:54 Uhr

Thomas Rippke, Sprecher der Bürgeriniitiative BIGTAB.
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BÜCKEBURG/MINDEN. Diese Zeitung sprach darüber mit Thomas Rippke, Sprecher der Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn in Bückeburg, Minden, Porta Westfalica (BIGTAB).

Herr Rippke, fast drei Jahre lang haben sich die Bigtab und die heimische Politik mit Händen und Füßen gegen eine Neubautrasse von Bückeburg nach Porta Westfalica gewehrt. Jetzt sieht vieles danach aus, als ließe das Bundesverkehrsministerium dieses Vorhaben zugunsten einer komplett neuen Schnellbahntrasse von Bielefeld nach Hannover fallen. Können Sie jetzt besser schlafen?

Keinesfalls. Die neue Schnellfahrstrecke ist ja – wie Herr Ferlemann in seinem Schreiben selbst zugibt – zunächst einmal nur ein Vorschlag als Diskussionsgrundlage und schützt daher keinesfalls davor, dass das Bundesverkehrsministerium nicht in ein oder zwei Jahren auf einmal doch wieder mit der Tunneltrasse oder einer noch absurderen Idee um die Ecke kommt. Diese leidvolle Erfahrung haben wir schließlich 2016 schon einmal machen müssen, nachdem wir zwölf Jahre lang geglaubt hatten, vor einem solchen Horror sicher zu sein.

Der Bahnausbau Minden-Hannover sorgt seit drei Jahren für Diskussionsstoff, erst recht, seit bekannt wurde, dass es neben der Idee einer Neubautrasse von Bückeburg nach Porta Westfalica die Möglichkeit einer neuen Schnellfahrstrecke von Bielefeld nach Hannover gibt. Fotos: JP

Was müsste Ihrer Meinung nach passieren?

Das, was wir seit Jahren fordern: Das Schienenwegeausbaugesetz muss durch den Deutschen Bundestag wieder auf den Stand von vor 2016 zurückgesetzt und damit der trassennahe Ausbau der vorhandenen Bahnstrecke Minden-Haste festgeschrieben werden. Nur dann ist die Region vor all diesen Albtraumideen von Schnellfahrtrassen, Riesenbrückenbauwerken und Tunneln wirklich sicher.

Würden Sie einer Schnellfahrstrecke längs der Autobahn A2 den Vorzug vor der Neubautrasse durch die Bückeburger Niederung und den Jakobsberg geben?

Beide Varianten sind für uns keine Option, da sie viel zu viel Landschaft und Natur zerstören, zu viel Geld kosten und zu lange für ihre Umsetzung benötigen. Es gibt eine machbare, allgemein akzeptierte und zeitnah umsetzbare Lösung, und die lautet: Trassennaher Ausbau.

Wären Bückeburg, Minden und Porta mit einer Schnellfahrstrecke südlich des Wesergebirges nicht aus dem Schneider?

Wir haben uns bereits 2016 ganz bewusst mit den anderen Bürgerinitiativen entlang der Bahnstrecke als IG Cosinus vernetzt, um nicht nur unseren eigenen Bereich isoliert zu betrachten, sondern gemeinsam unsere Interessen gegenüber dem Bundesverkehrsministerium zu formulieren. Wir werden auch weiterhin den Schulterschluss üben, auch wenn im Falle dieser neuen Schnellfahrstrecke sehr wahrscheinlich die Bereiche Rinteln, Auetal und Bad Nenndorf betroffen wären und weniger Bückeburg, Minden und Porta Westfalica.

Zeigt nicht die 2017 eröffnete Schnellfahrstrecke Nürnberg-Erfurt, dass die Bahn mit dem Konzept von Hochgeschwindigkeitstrassen erfolgreich fährt?

Diese Schnellfahrstrecke hat zwar fraglos dem Flugzeug zahlreiche Kunden abnehmen können. Volkswirtschaftlich ist sie jedoch eine gigantische Fehlinvestition, deren Kosten durch die Fahrpreise nie hereinzuholen sind. Zudem wurde ein ökologischer Flurschaden von aberwitzigem Ausmaß angerichtet. Und auch hier gab es wesentlich bessere, günstigere und umweltschonendere Alternativen. Die Bahn steckt schon jetzt tief in der Krise, wie wir aus den Medien und als leidgeprüfte Bahnkunden nahezu täglich erfahren müssen. Ein weiteres ökologisches und wirtschaftliches Desaster kann und darf sie sich schlicht nicht erlauben.

Was fordern Sie von der Bundespolitik und insbesondere vom Bundesverkehrsministerium?

Dass sie dem erklärten Willen der überwältigenden Bevölkerungsmehrheit in der Region Rechnung tragen. Wir brauchen die ökologische Verkehrswende durch die Bahn, und wir brauchen pünktliche und zuverlässige Zugverbindungen und daher schnellstmöglich die Engpassbeseitigung zwischen Minden und Hannover. Diese Strecke ist seit 2008 chronisch überlastet. Daher fordern wir den zeitnahen Zubau von zwei Gleisen an der bestehenden Strecke. Ein solcher trassennaher Ausbau ist der vernünftigste Kompromiss, da er die wirtschaftlichste Lösung mit dem geringst möglichen Flächenverbrauch darstellt, Natur und Landwirtschaft schont und keine historischen KZ-Gedenkstätten wie die Stollen im Jakobsberg zerstört. Und deshalb ist es ja auch die Option, die alle politischen Ebenen der Region, angefangen vom kleinsten Ortsrat bis zur niedersächsischen Landesregierung, parteiübergreifend favorisieren und fordern.

Interview: Johannes Pietsch




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