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Mehr als 100 Ehemalige folgen Einladung zum Treffen an der Landfrauenschule

Auf dem Friedhof das Rauchen gelernt

BÜCKEBURG. Fast täglich treffen wir im Fernsehen auf einen Koch. Johann Lafer, Horst Lichter, Tim Mälzer, Nelson Müller oder wie sie alle heißen, kochen im TV und bringen dem Bürger, neben Tipps für das perfekte Dinner, auch die eine oder andere Grundlage für die Alltagsküche bei. Man fragt sich manchmal: Wie konnten eigentlich unsere Mütter und Großmütter ohne Fernsehshows und Starköche so hervorragend „Essen machen“ lernen? Des Rätsels Lösung: Es gab Zeiten, da existierten Hausfrauenschulen. In Fächern wie Ernährungslehre, Haushaltstechnik, Textilkunde, Mathe, Chemie, Deutsch und Kochen bekamen junge Frauen vieles beigebracht, was etlichen heute fehlt: eine fundierte Ausbildung in Kochen und Haushaltsführung.

veröffentlicht am 10.06.2016 um 12:44 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 13:41 Uhr

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Auch Bückeburg hatte bis in die 1990er Jahre eine „Landfrauenschule“, die weit über die Grenzen Schaumburgs bekannt war. 1995, nachdem Schulleiterin Senta Taege in den Ruhestand versetzt wurde und der Zweig Hauswirtschaft an Attraktivität verlor, änderte sich Einiges in der Jetenburger Straße 11. Durch die Fusion mit der Kreishandelslehranstalt entstanden die Berufsbildenden Schulen Rinteln. Wenig später wurde der Ausbildungszweig „Hauswirtschaft“ eingestellt.

Seitdem organisiert der Vorstand des Vereins der ehemaligen Schülerinnen alle zwei Jahre ein Treffen in der alten Schule. Zurzeit besteht der Vorstand aus Ulrike Meyer, Elke Kracke, Kerstin Melfsen, Anette Siemering, Ingeborg Grimm, Martina Lohmann, Heidrun John und Birgit Gerking. Diesmal wurden die Ehemaligen von strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen empfangen. Im Innenhof der alten Schulgebäude waren Sitzgelegenheiten und Stehtische aufgebaut, sodass die zum Teil von weit her angereisten Frauen Gelegenheit hatten, sich bei Getränken an einem schattigen Plätzchen etwas abzukühlen.

Das Programm startete mit der Begrüßung durch Elke Kracke. Sabine Nolte richtete als Hausherrin ebenfalls Grußworte an die Gäste. Sie berichtete, dass die Gebäude immer noch als Lehrräume genutzt werden, zurzeit mit dem Schwerpunkt, Sozialassistenten auszubilden. Der Internatsbetrieb läuft ebenfalls gut. Zurzeit sind 42 Bewohner, vorwiegend Auszubildende Flugtechnischer Berufe, dort untergebracht. Die Verwaltung der Zimmer, Planung von Veranstaltungen sowie Schulsekretariat liegen in den Händen von Frau Anna Wilczewski.

„Wir freuen uns sehr, dass dieser wunderbare Ort immer noch als Lehranstalt genutzt werden kann. Das das Gelände so gepflegt und die Gebäude so gut erhalten sind, verdanken wir Hausmeister Manfred Strömmer und der hervorragenden Zusammenarbeit mit dem Landkreis. Von außen sieht fast alles so aus, wie vor 20 oder 30 Jahren. Aber von Innen geht die Schule mit der Zeit. So wird demnächst der ehemalige Putzmittelraum in eine Bibliothek mit frei zugänglichen PC für die Schüler umgewandelt“, so Frau Nolte, Abteilungsleiterin der Außenstelle der BBS Rinteln.

Nach den Grußworten folgte eine Pause. Versorgt wurden die ehemaligen Schülerinnen durch den Landfrauenservice Hameln-Pyrmont. Erstklassige Torten und Schnittchen fanden reißenden Absatz. Beim Essen und Trinken plauschten die Damen über alte Zeiten: „Auf dem Jetenburger Friedhof habe ich das Rauchen gelernt…“, „Weißt Du noch? Jeden Freitag in der ersten Stunde Singen bei Frau Taege – Wildgänse rauschen durch die Nacht“… So oder so ähnlich klang es in den Gesprächen. Dabei stieg der Geräuschpegel – bei 100 Frauen und drei Männern im Raum – erheblich. Eine der ältesten Gäste, Rosemarie Döring, aus dem Abschlussjahr 1954, konnte sich noch gut erinnern, wie die heutigen Räume früher ausgesehen hatten. Für alle war es schön, dass auch einige Lehrerinnen Zeit gefunden hatten, am Treffen teilzunehmen.

Weiterer Programmpunkt war ein Vortrag von Bärbel Otte-Kinast. Die ehemalige Schülerin erzählte aus ihrem Leben als Landfrau, Politikerin, Hausfrau und Mutter. Im weiteren Verlauf des Nachmittages hatten die Gäste Gelegenheit, sich an alten Fahrtenbücher zu erfreuen und handgewebte Bekleidung von Christa Gröschel, ebenfalls eine ehemalige Schülerin, zu bewundern. Für Veranstalter und Besucher ein sehr gelungener Tag.




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