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„Nicht vor den Kindern“ überzeugt mit Deutsch-Jazz im Hofcafé Peetzen

Augenzwinkernde Übersetzungen und instrumentensichere Solisten

Petzen (mig). Deutsch-Jazz vom Feinsten: Mit schnoddrigen deutschen Texte, dreistimmigen Beatgesängen und rockigen Bassläufen brillierte „Nicht vor den Kindern“ am Sonnabend im Hofcafe „Peetzen 10“.

veröffentlicht am 29.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 18:21 Uhr

Augenzwinkernde Übersetzungen, Texte zwischen Genie und Wahnsinn und instrumentensichere Solisten – das ist das Rezept, nach dem „Nicht vor den Kindern“ funktioniert. Gegründet wurde die Band 2005 von Hinrich Franck und Jörg Lehnardt. Beide kennen sich von unzähligen Film- und Theaterprojekten, sowie durch gemeinsames Musizieren. Inzwischen wirkt der Ex-Bückeburger vor allem in Köln und Berlin. Das Gastspiel in Petzen ist deshalb auch eine Reise in die Vergangenheit. „Ich habe hier vor 30 Jahren das letzte Mal gespielt, da waren einige von Ihnen vielleicht auch dabei“, begrüßte der Jazz-Avantgardist sein Publikum und erinnert sich: „Eines der Lieder habe ich sogar damals in meiner Pubertät in Bückeburg geschrieben.“

Mit Pennäler-Lyrik haben seine Ausflüge in Herzschmerz und Alltagsbeobachtung aber ganz bestimmt nichts zu tun. Sein verquerer Witz sitzt - ohne Respekt vor großen Namen und trotzdem mit Liebe zum Werk, beweist das Trio die Zeitlosigkeit des All-American-Songbooks. „Für dich gehe ich durchs Feuer und springe hinter den Zug“, heißt es in einem Lied (Original: „Come rain or come sunshine“), im „Sokrates-Blues“ (“Everything happens to me“) wird der Pop-Philosoph von Hundehaufen und anderem Unbill verfolgt. „Wer macht noch mit der Hand Musik , wer hat beim Partnertausch kein Glück? Na immer Ich, warum ausgerechnet Ich?“ deutscht Franck ein und wünscht sich: „Ich habe von Donald Duck genug, ich wär so gerne Gustav Gans.“ Jammern auf ganz hohem Niveau ist das, oft schleicht sich auch eine leise Melancholie in die – bissigen – Texte. Gesegnet ist der selbsternannte „Pechvogel“ dafür mit einer wunderbar nörgelnden Tenor-Stimme - und großartigen Bandkollegen. Peter Ehwald (Saxofon) und Florian Rynkowski (Bass) sind nicht nur Teil des Gesamtkunstwerks namens „Nicht vor den Kindern“, sondern auch kongeniale Musik-Partner mit Lust an der Improvisation.




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