weather-image
Motorsägen-Kunstwerk erinnert an Namenspatronin der Lulu-von-Strauß-und-Torney-Straße

Aus einer Eiche wird eine Skulptur

BÜCKEBURG. 146 Jahre wäre sie in diesem Jahr alt geworden, die am 20. September 1873 in Bückeburg geborene und am 19. Juni in Jena gestorbene Dichterin und Schriftstellerin Lulu von Strauß und Torney. Die Enkelin des berühmten Diplomaten Victor von Strauß und Torney veröffentlichte zahlreiche Gedichte, Novellen, Sagen und Märchen sowie Werke der Kinderliteratur und unterhielt lange Freundschaften zu Agnes Miegel und Theodor Heuss. Jetzt erinnert ein Kunstwerk an der Lulu-von-Strauß-und Torney-Straße an die Künstlerin.

veröffentlicht am 10.01.2019 um 12:08 Uhr
aktualisiert am 10.01.2019 um 19:50 Uhr

Motorsägenkünstler Dominic Gerlach aus Vlotho/Uffeln bei der Arbeit. Foto: jp
jp01

Autor

Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

.BÜCKEBURG. 146 Jahre wäre sie in diesem Jahr alt geworden, die am 20. September 1873 in Bückeburg geborene und am 19. Juni in Jena gestorbene Dichterin und Schriftstellerin Lulu von Strauß und Torney. Die Enkelin des berühmten Diplomaten Victor von Strauß und Torney veröffentlichte zahlreiche Gedichte, Novellen, Sagen und Märchen sowie Werke der Kinderliteratur und unterhielt lange Freundschaften zu Agnes Miegel und Theodor Heuss.

Mindestens ebenso viele Jahre, wenn nicht sogar noch länger, erhob sich über der nach ihr benannten Lulu-von-Strauß-und-Torney-Straße die große Eiche auf dem Grundstück von Bernhard Fies. Sie musste jetzt gefällt werden, da ihre Wurzeln sonst mehrere Versorgungsleitungen zerstört hätten. Doch der markante Baum wird nicht völlig aus dem Stadtbild verschwinden: Aus seinem Stamm ist über den Jahreswechsel eine Skulptur entstanden, die an die Namenspatronin der Straße erinnert.

Nicht nur Rohre und Leitungen im Untergrund der Straße waren durch den über 150-jährigen Baum bedroht oder sogar beschädigt. Auch der Bürgersteig hob sich unter dem Druck des Wurzelwerkes immer mehr an, sodass für Fußgänger – insbesondere aus dem nahe gelegenen Evangelischen Altersheim – vermehrt Unfallgefahr bestand. Grundstücksbesitzer Bernhard Fies musste sich daher schweren Herzens zur Fällung des Baums entschließen. „Greise Eiche, weiche, du musst sterben: Deine Wurzeln, Rohre sprengend – dein Verderben!“ dichtete seinem Gehölz mehrere traurige Gedicht-Zeilen zum Abschied.

So sieht „Der Tulipan“ aus, nachdem Motorensägenkünstler Dominic Gerlach jetzt sein Werk vollendet hat. Foto: jp
  • So sieht „Der Tulipan“ aus, nachdem Motorensägenkünstler Dominic Gerlach jetzt sein Werk vollendet hat. Foto: jp

„Doch tief innen, von schützender Rinde umhegt sich balladeskes Leben regt.“ Gemeint ist mit dem „balladesken Leben“ die von Lulu von Strauß und Torney verfasste Ballade „Der Tulipan“. Das dramatisch-melancholische Gedicht-Werk erzählt von einem jungen Gärtnerburschen, der während seiner Wanderschaft auf dem Weg von Holland zu seiner Mutter von einem Schmiedegesellen ausgeraubt, mit dem Hammer erschlagen und mit einer Blumenzwiebel in der Hand verscharrt wird. Als jedoch aus der Zwiebel eine Tulpe wächst, kommt der Mord ans Tageslicht und wird gesühnt.

Zur Erstellung der Skulptur, die die Ballade „Der Tulipan“ darstellen wird, legte Dominic Gerlach die Kettensäge an. Der Motorsägenkünstler und zertifizierte Baumkletterer aus Vlotho-Uffeln wurde in der Neujahrswoche mit der Arbeit an der ehemals stadtbildprägenden Eiche fertig.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare