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Nach 30. Vorstellung Schluss mit lustig

Aus für plattdeutsches Theater in Kleinenbremen

KLEINENBREMEN. Der letzte Vorhang fällt: Mit der 30. Vorstellung enden am kommenden Sonntag die plattdeutschen Theaternachmittage auf Einladung der Feuerwehr. Seit 1990 ist die Laienspielgruppe aus Großenvörde jedes Jahr einmal im Bergdorf aufgetreten.

veröffentlicht am 04.02.2019 um 12:23 Uhr
aktualisiert am 04.02.2019 um 17:10 Uhr

Letzte Vorstellung: Gerhard Oberheide (links) und Sven Lüer vor dem Saal der früheren Gaststätte „Zur Schönen Aussicht“, wo gespielt wird. Foto: ly

Autor:

Stefan Lyrath
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Zum Feiern ist bei diesem Jubiläum keinem zumute. „Ein Stück Tradition fällt weg“, sagt Sven Lüer, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Kleinenbremen-Wülpke. „Wir wollen die Veranstaltung in guter Erinnerung behalten“, erklärt Vorsitzender Gerhard Oberheide. „Wenn wir noch fünf Jahre warten würden, wäre das vielleicht nicht mehr der Fall.“

Zum 25. Theaternachmittag im Jahr 2014 hatte es noch rund 190 Besucher in den Saal der Gaststätte „Zur Schönen Aussicht“ gezogen. Viel mehr hätten dort auch nicht Platz gefunden. Zuletzt waren es dann nur noch etwa 100 Zuschauer. Das ist bald Geschichte.

Zunächst schauen die gastgebenden Feuerwehrleute und ihre Gäste jetzt nach vorne: Am Sonntag, 10. Februar, ab 14.30 Uhr zeigt die Laienspielgruppe des SC Grün-Weiß Großenvörde das Stück „Kaviar dreppt Currywost“, eine Komödie in drei Akten. Erna Wutschke muss ihre heruntergekommene Eckkneipe innerhalb von 24 Stunden in ein piekfeines Lokal verwandeln, weil ihr neureicher Cousin, von dem sie sich Geld leihen möchte, seinen Besuch angekündigt hat.

Bessere Zeiten: 2015 trat die Theatergruppe aus Großenvörde vor rund 150 Zuschauern auf. In den letzten Jahren waren es dann eher um die 100. Foto: ly

Gespielt wird auch diesmal im Saal der früheren Gaststätte an der Rintelner Straße 368, obwohl die Wirtschaft zwischenzeitlich geschlossen ist. Für Kaffee und Kaltgetränke sorgt die Feuerwehr. Karten im Vorverkauf gibt es in Klei-nenbremen bei I. N. Kleinenbremen, Bückeburger Straße 5, sowie im Nammer Blumenstübchen, Lauren-tiusstraße 4.

Drei Gründe sehen Gerhard Oberheide und Sven Lüer für das Aus. „Erstens haben wir kein Alleinstellungsmerkmal mehr“, erklärt Oberheide. Durch ähnliche Veranstaltungen in der Nähe ist den Lütkenbremern zunehmend starke Konkurrenz erwachsen. Früher war das anders. Grund Nummer zwei: „Die Zuschauer sterben aus“, so Sven Lüer. Junge Leute sind für plattdeutsches Theater offenbar schwer zu begeistern. Drittens haben Zuschauer nach dem Aus für die „Schöne Aussicht“ nicht mehr wie früher die Möglichkeit, dort Kaffee zu trinken und ein Stück Kuchen zu essen.

Zurück ins Jahr 1990: Den Kontakt zur Theatergruppe aus Großenvörde hatte Friedrich Schwarze von der Löschgruppe Kleinenbremen hergestellt. Anfangs traten die Laienspieler noch vor bis zu 250 Besuchern im damaligen Dorfgemeinschaftshaus auf, das dann später dichtmachte, bevor die Veranstaltung 2002 in die Kneipe umzog. Dort begann die Erfolgsgeschichte von vorn. „In Spitzenzeiten hatten wir mehr als 200 Personen im Saal“, erinnert sich Sven Lüer. „Die Helfer mussten an der Wand lehnen, weil es keine Sitzplätze mehr gab.“

„In den letzten Jahren ist es dann weniger geworden“, berichtet Gerhard Oberheide. Zuletzt kamen nur noch etwa 100 Leute zu den Theaternachmittagen, Helfer und VIPs mitgerechnet. Die Akteure auf der Bühne hatten immer weniger das besondere Gefühl, mitten im Publikum zu sitzen.

Damit auch die letzte Vorstellung reibungslos über die Bühne geht, sind bei der Feuerwehr am Sonntag etwa 20 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Zum Abschied ist ein gemeinsames Essen mit den Schauspielern geplant. „Wir haben ein herzliches Verhältnis“, erzählt Gerhard Oberheide.




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