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Keine Einigung über Bühnenzeiten / Bedeutsam auch für Standort Bückeburg

Aus für Spectaculum in Telgte

BÜCKEBURG / TELGTE. Eine Entscheidung im rund 100 Kilometer entfernten Münsterland dürfte die Mittelalterfans der Region aufhorchen lassen – und sollte es auch. Wegen eines offenbar unüberbrückbaren Disputs über die Genehmigung von Bühnenzeiten wird das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) in Telgte (Kreis Warendorf) ab dem Jahr 2020 komplett eingestellt.

veröffentlicht am 09.10.2018 um 11:51 Uhr
aktualisiert am 09.10.2018 um 17:10 Uhr

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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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BÜCKEBURG/TELGTE. Eine Entscheidung im rund 100 Kilometer entfernten Münsterland dürfte die Mittelalterfans der Region aufhorchen lassen. Wegen eines offenbar unüberbrückbaren Disputs über die Genehmigung von Bühnenzeiten wird das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) in Telgte (Kreis Warendorf) ab dem Jahr 2020 komplett eingestellt. Ausgerechnet direkt vor der eigenen Haustür, nur 20 Kilometer von seinem Heimatort Drensteinfurt entfernt, zieht Veranstalter Gisbert Hiller damit unter einen weiteren Standort seiner mittelalterlichen Großveranstaltungsreihe einen Schlussstrich. Der Fall ist auch für Bückeburg von Bedeutung, denn auch hier gab es – trotz einer insgesamt konstruktiven Zusammenarbeit mit den Behörden – vor allem in den letzten drei Jahren immer wieder Interessenkonflikte über Genehmigungszeiten und Lärmbeschwerden.

Schon immer hatte das MPS in Telgte mit den striktesten Auflagen der Genehmigungsbehörden zu leben. Während an anderen Standorten wie Bückeburg bis um Mitternacht, an einigen sogar bis ein Uhr früh Bühnenprogramm geboten werden darf, musste in Telgte grundsätzlich um Punkt 23 Uhr Schluss sein. Grund für die jetzt gefällte Entscheidung waren die Planungen für das 2019 anstehende 25-jährige Jubiläum am Standort Telgte, für das Veranstalter Gisbert Hiller eine einmalige Verlängerung der Bühnenzeiten um eine Stunde beantragte. Der Haupt- und Wirtschaftsförderungsausschuss der Stadt erteilten dem Ansinnen jedoch eine Absage. Konsequenz: Das MPS-Jubiläum in Telgte soll zwar am 10. und 11. August 2019 noch gefeiert werden, danach ist jedoch mit den Rittern, Gauklern und Vaganten auf der Planwiese für immer Schluss.

„Der Veranstalter hat sich nun dazu entschlossen, den Veranstaltungsort Telgte ab 2020 komplett aus der Tour zu nehmen und nur noch solche Städte zu bespielen, die dem MPS wenigstens ein geringes Mindestmaß an Vertrauen, Verständnis und Unterstützung entgegenbringen“, teilte MPS-Sprecher Wolfgang Fuck in einer Presseerklärung mit. All dies sei bei der Stadt Telgte „absolut nicht zu finden“, weshalb auch schon der langjährig auf der Planwiese durchgeführte Lichterweihnachtsmarkt abgezogen und nach Dortmund verlegt werden musste. Damit lässt MPS-Veranstalter Gisbert Hiller seiner Ankündigung aus dem August 2016 Taten folgen: „In Zukunft spiele ich nur noch dort, wo man mich auch wirklich will“, hatte er seinerzeit in einem Pressegespräch in Bückeburg formuliert. Besonders bitter ist der Fall Telgte für die Mittelalter-Fans aus dem Münsterland: Denn auch der nahe gelegene MPS-Veranstaltungsort Borken fiel bereits der Streichliste Hillers zum Opfer.

Auch wenn die Entscheidung für den Veranstaltungsort Bückeburg mit seinen jährlich mehreren Zehntausend Besuchern zunächst keine direkten Auswirkungen hat, dürfte sie bei den hiesigen Politikern und Behörden nicht ungehört verhallen. Denn auch hier gab es – insbesondere in den vergangenen drei Jahren – immer wieder Kontroversen über die Genehmigung von Bühnenzeiten und Musiklautstärken.




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