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„Grüne Hausnummer“: Klimaschutzagentur zeichnet Mehrfamilienhaus des Ehepaars Kempf aus

Beifall für das Haus der Zukunft

BÜCKEBURG. Wenn ein Bauherr ein Mehrfamilienhaus errichtet, das mehr Energie erzeugt, als es selbst verbraucht, dann ist das vorbildlich. Lynn und Hermann Kempf haben an der Gartenstraße gleich zwei davon gebaut – und an der Scheier Straße entsteht ein drittes. Die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen fand das Projekt im Zuge ihres aktuellen Landeswettbewerbs so wegweisend, dass sie den Kempfs nicht nur eine „Grüne Hausnummer“ verliehen, sondern ihnen auch den mit 1500 Euro dotierten „Sonderpreis Zukunftshaus“ zugesprochen hat.

veröffentlicht am 22.11.2018 um 15:38 Uhr
aktualisiert am 22.11.2018 um 23:20 Uhr

Ausgezeichnet: eines der zwei „Zukunftshäuser“ der Kempfs an der Bückeburger Gartenstraße. Foto: pr.

Autor:

THOMAS WÜNSCHE
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Die Jury würdigte, dass durch die monolithische Bauweise mit dämmstoffgefüllten Tonziegeln ein hochgedämmtes Gebäude entstanden ist: „So konnte auf eine zusätzliche Außendämmschicht verzichtet werden. Die schlichte Bauweise reduziert mögliche Schwachstellen in Bauphysik und -technik. Sie ermöglicht zudem eine effiziente Flächenausnutzung und hohe Wohnqualität.“ Sie kürte das Projekt als Zukunftshaus, da es vorbildlich für das Erreichen höchster Energieeffizienz im Mietwohnungsbau in Verbindung mit barrierefreiem Wohnen sowie der Nutzung von Umweltwärme und erneuerbaren Energien sei – „und das zu erschwinglichen Mieten“.

„Wir haben die beiden Bauten mit ihren elf jeweils barrierefreien Mietwohnungen im Juli und im November 2017 im ,KfW-Effizienzhaus-Standard 40’ errichtet, berichtet das Ehepaar im Gespräch mit dieser Zeitung. Je kleiner die Kennzahl, desto geringer der Energiebedarf und desto höher die Förderung. Das Ziel dabei: moderne, energieeffiziente und komfortable Mietwohnungen zu erschwinglichen Konditionen zu schaffen. „Die Kaltmiete“, so die Kempfs, „liegt zwischen sieben und acht Euro je Quadratmeter.“ Und „warm“ kommt an Nebenkosten nicht mehr exorbitant viel obendrauf, denn: Die Gebäude werden über eine Erd-Wärmepumpe mit Tiefenbohrung beheizt. Für die Stromversorgung der Wärmepumpe und den Gemeinschaftsstrom sorgt eine Fotovoltaik-Anlage mit Speicher.

„Fast alle Wohnungen“, so das Ehepaar, „waren bereits weit vor Fertigstellung vermietet.“ Sie haben inklusive der Bäder den gleichen Ausbaustandard, zu dem eine Fußbodenheizung gehört, die im Sommer auch zur Kühlung dient; ein dezentrales Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung soll dabei für ein gesundes Wohnklima sorgen. „Die ganze Technik läuft so gut wie störungsfrei“, freuen sich die Bückeburger. Ein Grund, warum sie unter der Adresse Scheier Straße 47 im nächsten Jahr ein weiteres und fast identisches Gebäude hochziehen, das allerdings über eine Tiefgarage verfügen wird. Mit am Bau der Objekte beteiligt waren – und werden wieder sein – Bückeburger Firmen wie „akzent Bauelemente“ und „Ahrens Solartechnik“, die „prima Arbeit geleistet haben“, wie die Kempfs attestieren.

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„Als Vermieter denken wir in Kategorien von zehn, 20 oder 30 Jahren. Da stellt sich dann die Frage, ob sich Häuser, die mit Öl oder Gas befeuert werden, überhaupt noch vermieten lassen. Denn wo werden dann die Kosten für diese Energien liegen?“, so Hermann Kempf. Eben dieser Gedanke habe den Ausschlag gegeben, die zwei Bauten im KfW-Effizienzhaus-Standard 40 zu errichten.

Dazu kommt: „Bis nächstes Jahr erhalten alle Stellplätze unter dem Carport eine E-Ladesäule, die über eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach betrieben wird“, berichten die Bückeburger. Derzeit ist ihr weißer E-Golf zwar – noch – der einzige Wagen, der auf diese Weise betankt wird, „aber was in Sachen E-Mobilität jetzt noch nicht ist, wird sich in zehn Jahren durchgesetzt haben“, so Lynn Kempf. Spätestens dann würden Vermieter quasi verpflichtet sein, die Ladestruktur am Haus bereitszustellen.

Hintergrund: Die „Grüne Hausnummer“ ist eine Auszeichnung der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen. Sie zeichnet Hauseigentümer aus, deren Neubau mindestens dem Standard „KfW-Effizienzhaus 55“ entspricht.




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