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Aktion der Natur- und Landschaftsführer

Belebung des Tourismus: 70 neue Kleinenbremen-Experten

KLEINENBREMEN. Um ein ausgewiesener „Kleinenbremen-Experte“ zu sein, muss man nicht im Bergdorf leben. Mehrere Dutzend Menschen, viele von außerhalb, haben am Sonntag die gleichnamige Urkunde erworben.

veröffentlicht am 02.05.2019 um 14:53 Uhr
aktualisiert am 02.05.2019 um 19:30 Uhr

Verkleidet als Hermann Löns empfängt Natur- und Landschaftsführer Holger Hansing einige Gäste auf dem Parkplatz des Besucher-Bergwerks. Foto: ly

Autor:

Stefan Lyrath
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KLEINENBREMEN. Um ein ausgewiesener Kleinenbremen-Experte zu sein, muss man nicht im Bergdorf leben. Mehrere Dutzend Menschen, viele von außerhalb, haben am Sonntag die gleichnamige Urkunde erworben. Sie mussten dafür bei „Kleinenbremen entdecken“ drei Erlebnisbereiche (Bergwerk, Mühlen, Kirche) mit zusammen elf Stationen durchlaufen.

Dort wurden die Spaziergänger von insgesamt zehn Natur- und Landschaftsführern mit Infos versorgt, erfuhren Wissenswertes über die jeweils zwei Mühlen und Backhäuser, Trachten, biologische Vielfalt oder die geologische Wand im Steinbruch des Besucher-Bergwerks, um nur einige Themen zu nennen. Für Verstärkung sorgten Teams des Kleinenbremer Heimatvereins sowie von Besucher-Bergwerk und Museum, beide gemeinsam mit der Kirchengemeinde die Gastgeber.

„Rund 70 Gäste aus Kleinenbremen und umliegenden Orten haben die Aktion wahrgenommen“, bilanziert Angelika Heine, Schriftführerin des Heimatvereins. „Eines unserer Ziele ist es, den Tourismus im Dorf zu beleben.“ Mit „Kleinenbremen entdecken“ sei das gelungen.

Friedhelm Pape ist in die Rolle des früheren Kleinenbremer Pfarrers Peter Florens Weddigen geschlüpft. Foto: ly

„Es hätten natürlich mehr Besucher sein können, aber wir sind zufrieden“, sagt Portas Stadtheimatpfleger Herbert Wiese, der Besucher an einem kürzlich errichteten Gedenkstein vor der Kirche über Kleinenbremens Nazi-Vergangenheit informierte. Als „ausgesprochen positiv“ empfindet Wiese die Zusammenarbeit mit Heimatverein, Kirche und den Machern des Besucher-Bergwerks, darunter Geschäftsführer Mirko Ignatz. „Genau so stelle ich mir das im Idealfall vor“, lobt er.

„Kleinenbremen entdecken“ ist die dritte Aktion dieser Art. Zunächst waren die zertifizierten Portaner Natur- und Landschaftsführer 2017 auf dem Wittekindsberg mit Kaiser-Wilhelm-Denkmal und Wittekindsburg im Einsatz, 2018 dann auf dem Jakobsberg, wo der Fernsehturm steht.

Einige von ihnen hatten sich am Sonntag verkleidet. So begrüßte Holger Hansing die Gäste in Gestalt von Hermann Löns, bekannt als Schriftsteller, Journalist und Heidedichter. In einem Vortrag wies Hansing auf die literarische Bedeutung des Mannes hin, der zwei Jahre lang als Zeitungsredakteur in Bückeburg gelebt hat. Der große Durchbruch von Löns, gefallen 1914 im Ersten Weltkrieg, sei erst nach seinem Tod gekommen. Heute zähle er mit weit mehr als zehn Millionen verkauften Büchern zu den meistgelesen deutschsprachigen Autoren.

Die andere Seite belegte Hansing mit Zitaten: „Löns war Nationalist, Antisemit und und Sozialdarwinist.“ Seine Romane, besonders die Bauernchronik „Der Wehrwolf“, seien voller „archaischer Blut-und-Boden-Romantik und menschenverachtender Beschreibungen“.

Verkleidet hatte sich auch Friedhelm Pape. Er verkörperte Peter Florens Weddigen, von 1797 bis zu seinem Suizid im September 1809 Pfarrer in Kleinenbremen. „Er hat sich für Menschen eingesetzt und an Behörden geschrieben, um bessere Lebensumstände zu erreichen“, erzählt Pape. Darüber hinaus war der 1758 geborene Gottesmann als Publizist weit über die Grenzen des Bergdorfes hinaus bekannt. In etlichen Werken wandte sich Weddigen gegen den weitverbreiteten Aberglauben.

Er gab vor allem kurzlebige Zeitschriften und Kalender heraus, bevorzugt zur Geschichte Westfalens. Die meisten seiner Projekte hatten wenig Erfolg. Trotzdem wird Weddigen eine gewisse Bedeutung für die Lesekultur zugeschrieben, weil er als Herausgeber und Verleger in Kontakt zu den wichtigsten westfälischen Autoren stand.




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