weather-image
15°

„Wir sind das Volk – und darum müssen wir kämpfen“

BIGTAB debattiert über die nächsten Schritte gegen den Bahn-Neubau

BÜCKEBURG. Was braucht es noch, um die eigene Forderung durchzusetzen? Mit dieser Frage hat sich die Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn (Bigtab) bei ihrer Jahresversammlung beschäftigt.

veröffentlicht am 12.05.2019 um 14:55 Uhr
aktualisiert am 12.05.2019 um 19:20 Uhr

Der BIGTAB-Vorsitzende Thomas Rippke (li.) präsentierte eine schematische Darstellung der neu hinzugekommenen Bahnstrecken-Ausbauvariante, die durch Stadthagen führen würde. Foto: wk
Michael_Werk

Autor

Michael Werk Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

StadthagenBÜCKEBURG. Bei der Jahresversammlung der Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn (Bigtab) hat deren Vorsitzender Thomas Rippke über den aktuellen Sachstand hinsichtlich der vom Bundesverkehrsministerium geplanten Schnellfahrtstrecke informiert, die durch das Schaumburger Land führen soll. An seinen Vortrag im Restaurant Große Klus schloss sich eine engagierte Diskussion an. Im Rahmen derer wurde unter anderem darüber debattiert, was noch erforderlich ist, um die diversen im Raum stehenden trassenfernen Ausbauvarianten zu verhindern.

Anfang des Jahres habe der beim Bundesverkehrsministerium für den Bahnausbau zuständige Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) ein paar Aussagen getätigt, die „hü und hott“ gewesen seien, berichtete Rippke. So habe dieser auch noch einen möglichen Streckenverlauf entlang der A 2 oder alternativ entlang des Mittellandkanals ins Spiel gebracht.

Und vor Kurzem hat das Ministerium laut Rippke einen weiteren Plan vorgestellt, „der uns sehr überrascht hat“. Denn gemäß dieser Variante sei Stadthagen in die Hochgeschwindigkeitsstrecke eingebunden. Und dies bedeute, dass die Züge mit bis zu 300 Stundenkilometern durch die Kreisstadt donnern würden, betonte er. „Das heißt, wir haben Betroffenheiten an mehreren Stellen“, fasste der Bigtab-Vorsitzende die Lage zusammen.

Des Weiteren berichtete Rippke, dass seinen Informationen nach im kommenden Jahr eine vom Bundesverkehrsministerium angesetzte offizielle Bürgerbeteiligung stattfinden soll. Dabei solle für den von Hannover bis Bielefeld reichenden Verkehrsraum unter Beteiligung der Bürger ein möglicher Streckenverlauf gesucht werden. Ziel sei es, zwischen der Öffentlichkeit und etwa den Planern der Deutschen Bahn „einen Konsens herzustellen“.

Die Frage ist laut Rippke jedoch, inwieweit diese Bürgerbeteiligung noch sinnvoll ist. Oder anders gefragt: Inwieweit habe das Bundesministerium durch die Art des bisherigen Dialoges und durch die zu vielen, unnötigen Varianten des Streckenverlaufs schon Vertrauen zerstört?

Die Bahn werde von einer Höchstgeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern nicht abrücken, „also muss man sich auf einen Kampf einstellen“, meinte ein Versammlungsteilnehmer. Daraufhin erwiderte Rippke, dass ihm der Begriff „Kampf“ zu militärisch sei. Was man brauche, sei vielmehr Know-how, um nachweisen zu können, dass sich der geplante Deutschland-Takt auch mit dem von Bigtab favorisierten trassennahen Streckenausbau und nur 230 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit realisieren lasse; dies zudem unter Berücksichtigung der Themen Wirtschaftlichkeit, Umweltschutz und Lärmschutz.

Eine Überlegung ist nach Auskunft des Vereinsvorsitzenden zudem, die Bürgerinitiative auf eine breitere Basis zu stellen, indem sich diese noch weiter vernetzt und die „Betroffenheiten“ im Auetal und Rinteln mit einbezieht. Seines Erachtens wäre es nämlich „ein tolles Signal“ in Richtung Berlin, „wenn sich ganz Schaumburg wie ein kleines gallisches Dorf aufstellt“.

Im Übrigen könnte man auch fordern, dass die neue Trasse – sollte diese kommen – „komplett als Tunnel von Hannover bis Bielefeld durchgebaut wird“, ergänzte Rippke.

Die Themen Landschaftsverbrauch und Artenschutz sollten hinsichtlich des Widerstandes stärker in den Vordergrund gestellt werden, empfahl ein Versammlungsteilnehmer. Woraufhin ein anderer Mann mit Verweis auf die nachfolgenden Generationen beipflichtete: „Wir müssen darauf achten, dass wir nicht alles kaputt machen.“ Und überhaupt: „Wir sind das Volk – und darum müssen wir kämpfen“, befand er.

Die Bigtab benötige „Manpower“, die dem Verein helfe, das alles auf die Beine zu stellen. Was man aber auch brauche, seien die Jugendlichen, die sich mit Demonstrationen gegen die Natur- und Umweltzerstörung einsetzen. „Ich möchte, dass die jüngeren Leute alle zu uns kommen“, unterstrich Rippke, ergänzt um den Aufruf: „Macht mit!“

„Wir haben nicht mehr viele Ressourcen, und die müssen wir verteidigen“, sagte eine Diskutantin. Sie regte an, den Begriff „Heimat“ in die Kampagnen mit einzubinden, da man die Menschen damit erreichen könne. „Ausbremsen“ wolle sie indes die Idee bezüglich der „Fridays for future“-Demos. Denn von den Schülern könne man nicht erwarten, dass diese „unsere Aufgaben“ erledigen.

Gesine Frank, 2. stellvertretende Vorsitzende der Bigtab, warf dann eine Frage in den Raum, die letztlich von der Gesellschaft beantwortet werden muss: „Ist der Geschwindigkeitswahn die entscheidende Größe für die Zukunft?“

Stadthagen




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare