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Fürstliche Hofreitschule sorgt sich um Gesundheit ihrer Pferde durch fütternde Spaziergänger

Bitte nicht füttern!

Bückeburg. Schon für Menschen sind sie alles andere als gesund, für Pferde können sie hingegen zur tödlichen Gefahr werden: Süßigkeiten, Chips, Weißbrot oder Gemüsereste. Aber auch Obst oder diverse Grünpflanzen können - wenn sie zur Fütterung nicht geeignet sind - bei Pferden zu schweren und häufig auch tödlichen Erkrankungen führen. Es sind bei weitem keine Einzelfälle mehr: Immer häufiger erkranken oder sterben in Deutschland Pferde, weil sie auf der Weide entweder bewusst und absichtlich oder aus Gedankenlosigkeit von Spaziergängern gefüttert werden. Auch die Pferde der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburger wurde bereits mehrmals das Opfer solcher Vergiftungen. „Bitte auf keinen Fall füttern!“ Mit diesem dringenden Appell gingen Hofreitmeister Wolfgang Krischke und seine Frau, Hofreitschul-Direktorin Christin Krischke, jetzt an die Öffentlichkeit.

veröffentlicht am 08.04.2016 um 11:30 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 23:41 Uhr

08. April 2016 11:30 Uhr

Bückeburg. Schon für Menschen sind sie alles andere als gesund, für Pferde können sie hingegen zur tödlichen Gefahr werden: Süßigkeiten, Chips, Weißbrot oder Gemüsereste. Aber auch Obst oder diverse Grünpflanzen können - wenn sie zur Fütterung nicht geeignet sind - bei Pferden zu schweren und häufig auch tödlichen Erkrankungen führen. Es sind bei weitem keine Einzelfälle mehr: Immer häufiger erkranken oder sterben in Deutschland Pferde, weil sie auf der Weide entweder bewusst und absichtlich oder aus Gedankenlosigkeit von Spaziergängern gefüttert werden. Auch die Pferde der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburger wurde bereits mehrmals das Opfer solcher Vergiftungen. „Bitte auf keinen Fall füttern!“ Mit diesem dringenden Appell gingen Hofreitmeister Wolfgang Krischke und seine Frau, Hofreitschul-Direktorin Christin Krischke, jetzt an die Öffentlichkeit.

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Begonnen hat das Problem bereits von dem Moment an, als die kostbaren Schulhengste der vor 13 Jahren gegründeten Fürstlichen Hofreitschule das erste Mal auf der Weide standen: „Immer wieder haben wir Reste von Brot, Obst und Gemüse an den Zäunen gefunden“, berichten die Hofbereiter. Alles Dinge, die im Ernährungsplan eines Pferde nicht das Geringste zu suchen haben.

Schlimme Folgen zeigten die Vergiftungen 2011 bei den Schulhengsten Piano und Amata, die dadurch bleibende Schäden an den Hufen davontrugen. Noch schrecklicher endete der Fall der Berberstute Chakra: Die tragende Stute starb im Jahr 2014, nachdem sie auf der Schimmelweide am Gymnasium Adolfinum mit irgend etwas gefüttert worden war, das sie nicht vertrug. „Es war einfach grauenhaft“, erinnert sich Wolfgang Krischke, „das Tier ist unter Qualen gestorben, und kein Tierarzt konnte ihr mehr helfen.“ Welches Gift der Stute verabreicht worden war, ließ sich bei der anschließenden Untersuchung nicht mehr feststellen, nur dass sie vergiftet worden war, stand für die behandelnden Tierärzte nach Untersuchung der Blut- und Leberwerte außer Frage. Dabei gehört nicht viel dazu, ein so empfindliches Tier wie ein Pferd zu vergiften, betont Wolfgang Krischke: „Ein Strauß mit den falschen Blumen auf die Weide geworfen kann bereits ausreichen.“ Was den Täter angetrieben haben mag, ist den heute noch trauenden Hofbereitern schleierhaft. War es am Ende einer der berüchtigten Pferderipper? Wolfgang Krischke kann es sich nicht vorstellen: „Wenn jemand ein Pferd wirklich umbringen wollte, würde er vermutlich anders vorgehen.“ Eher glaubt der Hofreitmeister daran, dass die Stute Chakra genauso wie die Hengste Piano und Amata das Opfer von purer Gedankenlosigkeit und vielleicht auch völlig irregeleiteter Tierliebe geworden sind. Schon häufig haben die Hofbereiter daher Zettel und Hinweisschilder an den Weidezäumen angebracht, auf denen auf das strikte Fütterungsverbot hingewiesen wurde. Erfolg: Zettel und Hinweisschilder wurden mutwillig abgerissen und zerstört, und es wurde fröhlich weitergefüttert.

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Schlimm traf es auch Komtelippe und Halcon auf der Junghengsteweide südlich der Kreissporthalle: Auf der Wiese gegenüber des Evangelischen Altersheimes wurde den Jungpferden im heißen Juli des vergangenen Jahres nicht nur das Trinkwasser entzogen, indem jemand mutwillig und vorsätzlich die Wasserkübel auskippte und umwarf, er verfütterte auch einen kompletten Eimer von rund 10 Kilogramm Mineralfutter an die Tiere. Dass die beiden Hengste mit dem Leben davonkamen, kann Wolfgang Krischke noch heute kaum glauben: „Ein ganzer Eimer Mineralfutter, das ist die Menge für mindestens zwei Monate. Dass keines der Tiere eine Kolik bekommen hat, ist ein glattes Wunder.“ Auch hier vermuten die Hofbereiter grotesk falsch verstandene Tierliebe, gepaart mit völliger Unkenntnis und fehlendem Sachverstand, als Ursache. Dafür spricht auch, dass die Hofbereiterinnen Patricia Schneider und Rebecca Güldenring genau zu der Zeit im Sommer letzten Jahres mehrmals auf äußerst aggressive Weise von einem älteren Spaziergänger verbal angegangen wurden, der ihnen vorwarf, die Pferde auf der Junghengsteweide nicht artgerecht zu versorgen.

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„Ich gehe davon aus, dass es sich bei den Tätern um Menschen handelt, die einfach nicht wissen, was sie damit anrichten“, meint Hofreitmeister Wolfgang Krischke. Im Ergebnis sei dies jedoch genauso schrecklich wie eine mutwillige und absichtliche Attacke auf die kostbaren Tiere. Auch dass sich überhaupt jemand um die Tiere sorge, ist für die Krischkes nicht nachvollziehbar: „Da sorgen sich die Leute um Pferde, die auf einer Weide stehen und dort wirklich ausreichend zu fressen haben und die von zehn Angestellten der Hofreitschule bestens versorgt werden. Aber wenn sie ein verwahrlostes Kind auf der Straße sehen, dem helfen sie nicht.“

Die Hofbereiterinnen Rebecca Güldenring und Patricia Schneider sorgen sich um die Sicherheit ihrer Pferde, die rund um das Bückeburger Schloss weiden.