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Nané Lénard veröffentlicht spannende und gruselige Kurzgeschichten

Blutrünstige Sammlung

Bückeburg. Noch ein wenig gedulden müssen sich die Leser von Nané Lénard, bis ihr Rintelner Kommissar Wolf Hetzer seinen fünften romanfüllenden Kriminalfall zu lösen bekommt. Wer bis dahin die schaurig-makaberen Einfälle der Bückeburger Autorin dennoch nicht missen möchte, hat dazu bestmögliche Gelegenheit bei ihren „KurzKrimis und andere Schattenseiten“: In ihrer jüngst im Verlag CW Niemeyer erschienenen Sammlung hat die Spezialistin für bizarre Todes- und Schadensfälle vor heimischen Kulissen zahlreiche Kurzgeschichten jüngeren und älteren Datums aus rund einem Jahrzehnt ihres Schaffens zusammengefasst.

veröffentlicht am 06.04.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:21 Uhr

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Autor:

Johannes Pietsch

Es sind nicht nur Kriminalgeschichten, Kurzkrimis und Mini-Thriller, die der Autorin in den vergangenen zehn Jahren aus der zumeist tiefrot getränkten Feder flossen. Makabere Momentaufnahmen von nur wenigen Seiten Länge sind dabei, in denen Nané Lénard mit dem literarischen Röntgenblick in die Abgründe hinter spießbürgerlicher Kleinstadtfassade schaut, kleine, feine und nicht selten abgrundtief gemeine Mini-Psychothriller, garniert mit bösen, unerwarteten Handlungswendungen und einigen bluttriefenden Anleihen beim Hardcore-Horror. Dazwischen finden sich aber auch historische Short-Stories, Geschichtchen mit Geschichte also, deren historischer Kontext stets absolut akribisch und detailgetreu recherchiert wurde. Orte der düsteren Geschehnisse sind stets heimische oder nahe gelegene Schauplätze, häufig in Bückeburg und Umgebung, aber auch am Steinhuder Meer oder in der Landeshauptstadt Hannover.

Wer die Lesungen der Bückeburger Autorin kennt, beispielsweise bei den zurückliegenden „Langen Nächten der Kultur“, der wird beim Aufschlagen von „KurzKrimis und andere Schattenseiten“ auf so manchen literarischen Bekannten treffen: Der „Totschläfer“ ist dabei, ebenso „Finitrio“, einer von Nané Lénards preisgekrönten Beiträgen zum 2010 veranstalteten Schreibwettbewerb „Bückeburg mordet“, der mit einem Leichenfund oberhalb des Hexenteichs im Harrl beginnt und einem noch schockierenderen Ausgang für den des Mordes verdächtigen Bückeburger endet.

Für die Fans von Lénards Kriminalromanen „SchattenHaut“, „SchattenWolf“, „SchattenGift“ und „SchattenTod“ stellt „Finitrio“ noch aus einem weiteren Grund eine Besonderheit dar: In der 2010 verfassten Kurzgeschichte erblickte ihr aus Bückeburg stammender Kommissar Wolf Hetzer, Hauptfigur aller vier „Schatten“-Krimis, das geschriebene Licht der Welt. Der, wie die Autorin immer wieder betont, zwar im Namen eine große und natürlich auch nicht zufällige phonetische Ähnlichkeit mit einem prominenten Bückeburger Vereinsvorsitzenden und ehemaligen Polizisten aufweist, ansonsten aber eine völlig andere Person darstellt.

Einem ganz anderen Genre, nämlich dem der historischen Fantasy, entstammen zwei weitere alte Bekannte aus Nané Lénards Feder: Zum einen „Hinnerk, der Moorbold“, ein dem Bückeburger Historiker Brage bei der Wieden gewidmetes Märchenwesen, welches den Leser den Bau der Insel Wilhelmstein und den frühen Tod der Gräfin Maria zur Lippe-Biesterfeld – Ehefrau des berühmten Grafen Wilhelm – miterleben lässt. Zum anderen das kleine Fürstengespenst Emma in der Geschichte „Fürstenblut“, welches sich nach dem Erwachen auf einem Bückeburger Dachboden auf die Suche nach seiner eigenen Geschichte macht und das 2007 und 2008 bereits im Hörbuch und in mehreren Aufführungen die Zuhörer verzauberte.

Um das schaumburg-lippische Fürstenhaus geht es auch in der sehr melancholischen Erzählung „Nachtmilch“, die vom ebenso tragischen wie mysteriösen Tod der Fürstin Juliane und ihrer unstandesgemäßen Beziehung zu dem Oberforstmeister Clemens August von Kaas erzählt. Wem das zu romantisch oder zu sentimental ist, der sollte einmal die wirklich bitterböse Schauermär „Abschiedsgedanken“ über den Besuch einer sehr eigenartigen Seniorin auf dem Friedhof an der Scheier Straße aufschlagen. Und richtig starke Nerven erfordert „Der Duft des Blutes“: Nach dem morbiden Genuss dieser Kurzgeschichte dürfte sich so mancher Leser es gründlich überlegen, ob er jemals wieder einen Sprung vom Sprungturm des Bückeburger Bergbads wagt.

Verlag: „KurzKrimis und andere Schattenseiten“ ist im Verlag CW Niemeyer in der Reihe „Weserbergland-Krimi“ erschienen und kostet 9,95 Euro. ISBN 978-3-8271-9419-0




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