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China: Menschenrechtsanwalt inhaftiert

Briefe gegen das Vergessen

BÜCKEBURG. Weltweit setzt sich die neutrale Menschenrechtsorganisation Amnesty International für Menschen ein, die wegen ihrer politischen und religiösen Überzeugung oder ihrer Rasse verfolgt werden, ohne Gewalt angewendet oder propagiert zu haben, oder die schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind. Solche Fälle stellt die Vereinigung regelmäßig der Öffentlichkeit vor und bittet jeden, sich mit sogenannten „Briefen gegen das Vergessen“ an die Machthaber des jeweilige Landes zu wenden und sich damit für diese Menschen einzusetzen. Die Schaumburger Gruppe von Amnesty International mit Sitz in Bückeburg möchte heute auf das Schicksal des bekannten 55-jähriger Pekinger Menschenrechtsanwalt Yu Wensheng aufmerksam machen.

veröffentlicht am 09.05.2021 um 10:17 Uhr

Die Gruppe setzt sich seit 2014 für Yu ein. Yu hat zahlreiche Angeklagte in öffentlichkeitswirksamen Menschenrechtsfällen vertreten, so auch verfolgte Anhänger der spirituellen Bewegung Falun Gong – bis er selbst wegen „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ verurteilt und inhaftiert wurde.

Das erste Mal wurde er 2014 für 99 Tage inhaftiert und in der Haft gefoltert. Im Oktober 2017 wurde er erneut kurzzeitig verhaftet. Seine Anwaltslizenz wurde ihm entzogen. Seine Frau und sein Rechtsanwalt versuchten damals, Näheres über sein Verschwinden herauszubekommen, ohne Erfolg.

Am 18. Januar 2018 veröffentlichte Yu einen offenen Brief mit der Forderung nach politischen Reformen und freien Wahlen in China. Einen Tag später wurde er in der nordwestlichen Stadt Xuzhou wegen des Verdachts der „Anstiftung zur Subversion der Staatsmacht“ und „Behinderung der Pflichten von Beamten“ verhaftet. Im Mai/Juni 2019 wurde Yu in einem Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu vier Jahen Gefängnis und weitere drei Jahre Entzug der politischen Rechte verurteilt. Dadurch wird ihm untersagt, während dieser Zeit öffentlich zu sprechen oder Stellungnahmen zu veröffentlichen. Weder seine Frau Xu Yan noch sein Anwalt wussten von dem Prozess. Am 17. Juni 2020 erhielt seine Frau einen Anruf von der Staatsanwaltschaft der Stadt Xuzhou, die sie über das Urteil gegen ihre Ehemann informierte. Yu Wenseheng würde aber gegen die Gefängnisstrafe Berufung einlegen, so die Staatsanwaltschaft.

Die Europäische Union verurteilte die Entscheidung des Gerichts und forderte die sofortige Freilassung von Yu.

Nachdem die von ihm eingelegten Rechtsmittel zurückgewiesen worden waren, wurde er am 26. Januar 2021 ohne vorherige Ankündigung in das Gefängnis von Nanjing überstellt – 1000 Kilometer vom Wohnort seiner Familie entfernt. Yu Wensheng wurde in der Haft gefoltert und anderweitig misshandelt.

Yu hat für seine Arbeit als Menschenrechtsanwalt internationale Auszeichnungen bekommen, so 2018 den deutsch-französichen Preis für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit, der von den französischen und deutschen Botschaftern in Peking verliehen wird. Im Februar 2021 gewann er den Martin Ennals Award.

Aktuell hat sich seine Gesundheit aufgrund der Haft massiv verschlechtert: Er hat bereits vier Zähne verloren, weist Zeichen von Unterernährung auf und kann seinen rechten Arm aufgrund eines Nervenschadens kaum noch bewegen. Wenn Yu Wensheng nicht umgehend medizinisch behandelt wird, steht zu befürchten, dass sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechtert und er sich davon nicht mehr erholen wird.

Wenn Sie sich für Yu Wensheng einsetzen wollen, können Sie über Internet-Suchmaschinen mithilfe der Schlagworte „amnesty international briefe gegen das Vergessen Yu Wensheng“ fertig formulierte Briefe an die zuständigen Behörden herunterladen und sie verschicken.

Sie können unter der gleichen Adresse alternativ auch vorformulierte E-Mails verschicken. In vielen Fällen hat ein solches Engagement Erfolg, wenn sich viele Menschen weltweit für ein Opfer von Menschenrechtsverletzungen einsetzen. r.




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