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„Bückeburg Fünfer“ nimmt die bis in die 1930er Jahre zurückreichende Tradition des Regionalgeldes auf

„Bürgerblüte“ – so funktioniert das neue Zahlungsmittel

Bückeburg (bus). Von den fünf Projekten des Kreisjubiläums „900 Jahre Schaumburg“ verfügt die Einführung des „Fünfers“ über den geringsten geschichtlichen Hintergrund. Das Zahlungsmittel nimmt die lediglich bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückreichende Tradition des sogenannten Regionalgeldes auf, das vor allen Dingen dem Lebensstandard im jeweiligen Geltungsbereich auf Dauer zu einer positiven Entwicklung verhelfen sollte. Heute wird im Zusammenhang mit Komplementärwährungen gern der Begriff „Nachhaltigkeit“ bemüht.

veröffentlicht am 21.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 01:21 Uhr

Der „Schaumburg“ respektive „Bückeburg Fünfer“ basiert auf einem im Oktober 2007 in Rinteln etablierten Gutschein-System. Dort ist der Schein bislang 20 000 Mal verkauft worden. Dieses Konzept soll auf die Städte Bückeburg, Stadthagen und Obernkirchen ausgeweitet werden. Die flotten Fünfer sollen – in den Geschäften teilnehmender Händler – in allen vier Städten zum Einkauf berechtigen. Die Geschäfte erhalten Aufkleber zur Kennzeichnung ihres Mitwirkens. Teilnahmeberechtigt sind alle Handelsleute. Anmeldungen erfolgen über die Stadtmarketing-Organisationen.

Der Gegenwert des Fünfers entspricht fünf Euro. Verkaufsstellen sind die Tourismus-Einrichtungen, eventuell auch Sparkassen und Volksbanken. Jedes Exemplar erhält beim Verkauf einen Siegel-Aufkleber (Hologramm) und wird sowohl gestempelt als auch unterschrieben. In den Geschäften erfolgt die Verrechnung wie bei üblichen Gutscheinen. Rückgeld (maximal 20 Prozent) gibt’s in „harter“ Währung. Der Händler kann die Scheine bei den jeweils zuständigen Institutionen gegen den entsprechenden Betrag in Euro umtauschen. Es ist daran gedacht, Stadtmarketing-Mitgliedern den vollen Wert auszuzahlen und Nichtmitgliedern wegen des Verwaltungsaufwandes eine fünfprozentige Kostenbeteiligung abzuverlangen.

Hinter der „Währungsreform“ steht die City-Offensive „Ab in die Mitte!“. „Für die Zukunft Niedersachsens sind die nachhaltige Entwicklung der Ortszentren und der Erhalt ihrer Lebensfähigkeit eine dringende Herausforderung“, schildert die Initiative in einer Selbstdarstellung. Die Innenstädte seien Lebensraum, Wirtschaftsraum und Kulturgut zugleich, deren Erhalt und Förderung im Interesse aller gesellschaftlichen Gruppen liege. Und: „Der gegenwärtigen Entwicklung – Stichworte: zunehmende Uniformierung der Innenstädte, mangelnde kreative Freizeitangebote, Verödung durch Verlagerung von Handel, Handwerk und Dienstleistungen – muss entgegen gewirkt werden, um die Zentren als wichtige und lebendige Wirtschafts- und Lebensstandorte zu erhalten.“

Initiatoren der City-Offensive sind das Land Niedersachsen, vertreten durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Handelsverbände des Landes (Handelsverband LVMG Niedersachsen und Unternehmerverband Einzelhandel Niedersachsen) sowie kommunale Spitzenverbände und Vertreter der Wirtschaft. „Ab in die Mitte!“ zählt zu den wesentlichen Geldgebern der unter dem Oberbegriff „Schaumburg macht Ernst“ organisierten Jubiläumsveranstaltungen.

Zu den bekanntesten Freigeldexperimenten gehört eine 1932 im österreichischen Wörgl entfachte Unternehmung, die alsbald auf Druck der Nationalbank verboten wurde. Auch in den 1930er Jahren machten in vielen Orten Deutschlands umlaufgesicherte Tauschmittel als sogenannte Wära-Gutscheine die Runde – das Kunstwort „Wära“ leitete sich ab aus den Begriffen „Währung“ und „währen“ im Sinn von „dauerhaft“ und „stabil“. Die Zweitwährungen sollten zuvorderst die Regionalwirtschaft ankurbeln und die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise mildern.

Derzeit findet sich Regionalgeld in zahlreichen Gegenden und vielfachen Ausformungen. In Kassel gibt es die „Bürgerblüte“, bei den Bodelschwinghschen Anstalten Bethel in Bielefeld den „Bethel-Euro“, in Wittenberg das „Engelgeld“. In Schleswig-Holstein steckt der „Kannwas“ im Alternativ-Portemonnaie, im Ruhrgebiet der „Coinstatt“ und im Berchtesgadener Land der „Sterntaler“. Mit einer Umlaufmenge von mehr als 400 000 Stück gilt der in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein gültige „Chiemgauer“ als die bundesweit größte Regionalwährung. Aufgrund der hohen Akzeptanz wurde 2007 eigens eine Betriebgesellschaft gegründet, 2008 betrug deren Jahresumsatz rund drei Millionen – Euro, versteht sich.




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