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Einsetzbar bei über 100 Krankheitsbildern

Cannabis-Vortrag stößt auf riesiges Interesse

BÜCKEBURG. Auf ein riesiges Interesse ist der Vortrag über die Cannabispflanze und den Wirkstoff CBD in der Buchhandlung Scheck gestoßen.

veröffentlicht am 28.01.2019 um 14:49 Uhr
aktualisiert am 28.01.2019 um 19:50 Uhr

Der Themenabend über Cannabis in der Buchhandlung Scheck stieß auf riesiges Interesse. Foto: JP
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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Auf sehr großes Interesse ist der Vortrag über die Cannabispflanze und den Wirkstoff CBD in der Buchhandlung Scheck gestoßen. Kein Platz blieb frei, als David Winkelhake, neben Landwirt Uwe Drinkuth Gründer und Geschäftsführer der Bückeburger Zackenblatt Manufaktur, über die Wirkstoffe und Einsatzmöglichkeiten der Cannabispflanze referierte. Das Start-up-Unternehmen verarbeitet als einziger Betrieb in ganz Deutschland Blüten und Samen von legal angebautem Cannabis zu Lebensmitteln, Nahrungsergänzung und Kosmetikartikeln (wir berichteten).

Aus Sicht von David Winkelhake steckt in der Verarbeitung von Cannabis „ein gigantisches wirtschaftliches Potenzial“. Die Pflanze könne nicht nur in der Medizin bei einer Vielzahl von Krankheiten erfolgreich eingesetzt werden, sondern biete auch im Bereich der Ernährung sowie der industriellen Herstellung zahlreicher Güter enorm viele Möglichkeiten.

Während die medizinische Erforschung von Cannabis noch in den Kinderschuhen stecke, seien dessen industrielle Verwertungsmöglichkeiten schon seit Jahrhunderten bekannt. So biete Hanf beispielsweise die stabilste und robusteste Naturfaser und könne damit – bei entsprechendem Mengenanbau – einen Großteil der Baumwolle ersetzen, und das ohne jegliche Pestizide. Zudem biete es das haltbarste Papiermaterial. So seien beispielsweise die Gutenberg-Bibel und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auf Hanfpapier gedruckt. Winkelhake: „Man stelle sich bitte vor, wie viele Wälder stehen bleiben könnten, wenn man bei der Papierproduktion auf Hanf umsteigen würde.“

Auch in der Klimadebatte könne die Cannabispflanze aufgrund ihres enormen Vermögens, Kohlendioxid in Sauerstoff umzuwandeln, eine zentrale Antwort bieten. Sogar kontaminierte Böden, beispielsweise durch Schwermetall, könnten mit Hanf entgiftet werden, was beispielsweise in der Region von Tschernobyl bereits geschehe.

Fazit für Winkelhake: „Cannabis bietet ein wirklich unglaubliches wirtschaftliches Potenzial.“ Während jedoch viele andere Länder, darunter auch die USA, den Anbau und die Verarbeitung von Nutzhanf inzwischen freigegeben hätten, sei dies in Deutschland bislang immer noch weitestgehend verboten. „Wir haben bezüglich Cannabis in Deutschland eine wirklich schreckliche Gesetzeslage“, so Winkelhake. Dies werde sich sicherlich in den nächsten zehn Jahren auch ändern. „Aber dann ist der wirtschaftliche Kuchen längst verteilt.“

Von den 113 bislang nachgewiesenen medizinischen Wirkstoffen der Cannabispflanze sei bislang höchstens ein Dutzend erforscht. Am bekanntesten seien das rauscherzeugende Tetrahydrocannabinol (THC) und das nicht psychoaktive Cannabidiol (CBD), deren Wirkung bei mehr als 100 Krankheitsbildern erwiesen sei.

Von entscheidender Bedeutung sei dabei deren Zusammenspiel mit dem Endocannabinoid-System des menschlichen Körpers. Behandelt werden könnten mit Cannabis die meisten Krankheiten, bei denen Krämpfe eine zentrale Symptomatik darstellten, aber auch viele psychische Erkrankungen, Autismus, ADHS, Epilepsie, Morbus Crohn oder Clusterkopfschmerzen. Bislang ständen Patienten in Deutschland jedoch extrem große Hürden im Weg, um Cannabis als Medikament zu erhalten. Viele Ärzte seien bis heute nicht über dessen medizinische Möglichkeiten im Bilde, weil sie nicht zu ihren Ausbildungsinhalten zählte, und selbst bei einer Verschreibung sei es oftmals nicht lieferbar.

Dennoch lautete die ausdrückliche Empfehlung von David Winkelhake an die Zuhörer: „Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Und wenn er nicht bereit ist, sich mit dem Thema zu befassen und sich zu informieren, dann wechseln Sie ihn.“




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