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Abbruch hat Dienstag begonnen / Ostflügel folgt als Nächstes

Das „Haus Reiche“ ist Geschichte

BÜCKEBURG. Das 1875 gebaute Haus Reiche auf dem Krankenhaus-Areal, der Bethel-Stiftung 1946 von einer Enkelin des Konsistorialrats Reiche als Schenkung übereignet, ist so gut wie Geschichte: Am Dienstagvormittag hat ein Abrissbagger der Hamelner Firma Abbruch Otto nach etwa einwöchiger Verzögerung damit begonnen, zunächst den seitlichen Bereich des verschachtelten Gebäudes einzureißen; die klassizistische Fassade mit Front zur Herminenstraße blieb am Dienstag noch stehen.

veröffentlicht am 06.11.2018 um 15:48 Uhr
aktualisiert am 06.11.2018 um 18:16 Uhr

Ein Abrissbagger hat damit begonnen, Haus Reiche von der Seite her einzureißen. Foto: tw

Autor:

THOMAS WÜNSCHE
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Im Laufe des Mittwochs soll die Baggerschaufel dann den Rest des einstigen Baudenkmals dem Erdboden gleich machen.

Um die Frage „Erhalt oder Abriss“ von Haus Reiche war in Bückeburg lange gerungen worden. Eine „Interessengemeinschaft Historische Herminenstraße“ (IGHH) hatte sich formiert und um die 400 Unterschriften gegen den Abriss gesammelt. Noch vor etwa drei Wochen hatte IGHH-Mitglied Prof. Edith Schönbeck in einem – letzten – Appell an die Stiftung gefordert, von den Abbruch-Plänen Abstand zu nehmen. Die Fassade von Haus Reiche sei ein Zeugnis bürgerlicher Baukunst im Stile des Klassizismus – und das architektonische Gegengewicht zum fürstlichen Palais auf der anderen Seite der Straße.

Derweil hatten Fachleute wie der Bauingenieur Volker Wehmeyer immer wieder betont, dass im Haus Reiche nach mehrfachen Umbauten nichts mehr historisch sei. Die Decken bestünden aus Beton, selbst das Mauerwerk der Wände sei neueren Datums. Gleichwohl: „Ich habe immer gesagt: Wenn es jemanden gibt, der eine vernünftige Nachnutzung für Haus Reiche hat, werde ich ihn unterstützen“, so Wehmeyer noch am Dienstag auf Anfrage der Redaktion. Doch so jemanden habe es nicht gegeben.

Derweil geht auch nach dem Verschwinden von Haus Reiche der Abriss der einstigen Krankenhausbauten weiter. „Als Nächstes kommt der Ostflügel dran, gefolgt vom Haupthaus, dem Westflügel und dem Speisesaal sowie dem Nordflügel“, berichtet Uwe Panneke. „Mit Blick auf die für den Abriss veranschlagten Arbeitstunden haben wir jetzt quasi Halbzeit“, so der Leiter Kalkulation bei Abriss Otto. Der Stahlbeton bleibe vor Ort, werde dort aufbereitet und anschließend wieder verbaut. Gleiches gelte für einen Teil der Ziegel, die zum Auffüllen des Geländes gebraucht würden. „Was dann noch an Material übrig bleibt“, so Panneke, „muss abgefahren werden.“ Dafür sollen etwa 240 bis 250 Lkw-Touren zwischen Bückeburg und Hameln nötig sein.

Haus Reiche wird abgerissen




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