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Susanne Rennekamp übergibt 200 Sonderblätter aus dem ersten Jahr des Ersten Weltkriegs an die LZ

„Der Schatz“ kehrt heim

BÜCKEBURG. 40 Jahre war er „der Schatz“ von Susanne Rennekamp: Ein Schuber mit 200 Sonderblättern zum Verlauf des I. Weltkriegs; Sonderblätter, die die Schaumburg-.Lippsiche Landes-Zeitung im ersten Kriegsjahr 1914 gedruckt hat. Jetzt hat Susanne Rennekamp den Schuber zurück an uns gegeben. Bisher war von der Existenz dieser Blätter unserer Zeitung nichts bekannt. Jetzt wird der Schuber archiviert – wie alle unsere Ausgaben seit 1889.

veröffentlicht am 28.12.2018 um 12:15 Uhr

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Autor

Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. 40 Jahre war er „der Schatz“ von Susanne Rennekamp: Ein Schuber mit 200 Sonderblättern zum Verlauf des I. Weltkriegs; Sonderblätter, die die Schaumburg-.Lippsiche Landes-Zeitung im ersten Kriegsjahr 1914 gedruckt hat: beginnend mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares auf Blatt 1 über eine Statistik über die in Deutschland befindlichen Kriegsgefangenen am 12. September 1914 (220 000) auf Blatt 100 bis zu Blatt 200, als am 11. November um 5.15 Uhr nachmittags berichtet wird, dass der Kreuzer „Emden“ bei den Cocos-Inseln im Indischen Ozean in Brand geschossen worden und der Kreuzer „Königsberg“ in Ost-Afrika durch das Versenken eines Kohlefrachters in einer Flussmündung durch die Royal Navy blockiert ist und nicht mehr auslaufen kann.

Jetzt ist dieser Schuber dorthin zurückgekehrt, wo er dereinst gedruckt wurde: zur Landes-Zeitung. Dort war bisher nicht bekannt, dass es diese Sonderdrucke unter dem Titel „Der Weltkrieg“ in dem dunkelbraunen Schuber gegeben hat. Keiner der Kollegen, der sich mit der Geschichte der Zeitung beschäftigt hat, hatte je von solchen aufwendigen Sonderdrucken – zwar auf dünnem Papier aber mit farbigem Rahmen – gehört. Vermutet wird, dass es sich um Sondermeldungen handelt, die als Plakat im Schaufenster der Landes-Zeitung ausgehängt wurden, um die Leser schnellstmöglich über die neuesten Entwicklungen zu informieren. Der Schuber wird jetzt einen Platz im Archiv unserer Zeitung erhalten, dort, wo bereits sämtliche Ausgaben archiviert sind, die je gedruckt worden sind.

Der Schuber befand sich bereits seit „undenklichen“ Zeiten im Besitz der Familie Rennekamp aus Kleinenbremen. Sie betrieb bis vor einigen Jahren die Gastwirtschaft im Ortskern gleich gegenüber der Kirche. Susanne Rennekamp hatte dort die Sonderblätter von 40 Jahren gefunden, als sie den Keller aufgeräumt hatte, um sich Geld für die Finanzierung ihres Führerscheins zu verdienen. Versteckt hinter Einmachgläsern fand sie den Schuber, wie sie bei der Übergabe an unsere Zeitung berichtete: „Ich habe den Schuber aufgemacht und war gleich begeistert.“ Stunden- und tagelang habe sie sich durch die Blätter gelesen: „Ein spannendes Stück Zeitgeschichte.“ Von ihrem Vater habe sie erfahren, dass wahrscheinlich die Oma die Blätter gesammelt und aufbewahrt hat.

1974 wären die Sondermeldungen beinahe an der Wand ihres Zimmers gelandet. Als der Bruder auszog, habe sie die Wände damit tapezieren wollen. Sie sei aber von ihrer Mutter mit dem Argument davon abgehalten worden, man könne sich doch nicht den Krieg an die Wand hängen. Ein Blatt fehlt leider in dem Schuber, das Blatt 32. Es wurde dereinst von einem Verwandten verwendet, um die Familienchronik der Rennekamps zu illustrieren und fand danach nicht mehr den Weg zurück in die Sammlung. Die Rennekamps hatten immer einen engen Bezug zu Bückeburg. Susanne Rennekamp ging hier zum Adolfinum. Ihr Vater habe immer gesagt: „Hier ist Schaumburg, ich bin Schaumburger.“




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