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Ein Tanklöschwagen von 1957 – zur Entstehung des Museums der Hilfsorganisationen in Bückeburg

Die Basis zur Gründung eines Museums

BÜCKEBURG. Im Jahr 1957 wurde das Flaggschiff des Museums der Hilfsorganisationen in Bückeburg, ein Mercedes Benz LG 315, im Auftrag der Bundeswehr zusammen mit einer ganzen Serie dieses Typs, in Untertürkheim in Baden-Württemberg gebaut. Den Kofferaufbau samt der Feuerlösch-Kreiselpumpe der Firma Bachert in Bad Friedrichshall setzte die Firma Metz in Karlsruhe auf das Fahrgestell. Das Konzept für diesen Fahrzeugtyp stammt aus dem Jahr 1942, wurde nach Ende des Krieges verbessert und fand zum Beispiel in der manchen Bückeburgern noch in Erinnerung befindlichen Firma Behrens Baugeschäft, im Zivilbereich Verwendung. Er ist das Prunkstück und die Basis des Museums der Hilfsorganisationen Bückeburg an der Scheier Straße, über dessen Entstehung wir einen kleinen Überblick geben.

veröffentlicht am 25.06.2020 um 13:36 Uhr
aktualisiert am 25.06.2020 um 18:20 Uhr

Bei der Bundeswehr erschien dieser Fahrzeugtyp, als Feuerwehrwagen, in der Erstausstattung des Heeresflugplatzes Achum nach Übernahme von der Royal Air Force. Es gab nicht nur in Achum, sondern auf allen Bundeswehrflugplätzen mehrere dieser Löschfahrzeuge, die sich dort als Flugplatzfeuerwehr bewährten. Nach einer Betriebsdauer von circa 30 Jahren wurden die Fahrzeuge vom Bund ausgesondert und durch moderne Typen ersetzt. Diese durchweg in sehr gutem, gepflegten Zustand befindlichen, einsatzbereiten Fahrzeuge fanden zu etlichen Freiwilligen Feuerwehren zur weiteren Verwendung den Weg.

So kam 1987, vermittelt durch den damaligen Kreisbrandmeister und Leiter der Flugplatzfeuerwehr Achum, Ernst Siekmeier, das heutige Museumsfahrzeug nach Bückeburg, wo es Basis zur Gründung eines zweiten Löschzuges wurde. Ein baugleicher Wagen leistete in Luhden weiter gute Dienste.

Annähernd zehn Jahre war der schwere, etwas träge wirkende, aber sehr zuverlässige Geländewagen ein wertvoller Begleiter seiner Besatzung. Er trug bereits in seiner aktiven Zeit als Oldtimer zur Werbung für die Stadt Bückeburg bei. Oldtimertreffen in der Nordheide in Dibbersen, Nienburg, Stadthagen, Preußisch Oldendorf, Ahlden und Verden/Aller, Großefehn-Burlage, Worpswede, Clausthal-Zellerfeld und nach der Grenzöffnung auch in Thale und Quedlinburg, in Benneckenstein und Ballenstedt im Harz, Bundesland Sachsen-Anhalt. Etliche Brautpaare wurden mit dem Veteran zur Hochzeit gefahren. Zu Jubiläen im näheren Umkreis wie Rinteln, Samtgemeinde Nienstädt, Samtgemeinde Eilsen, Evesen – neben Ernstfällen war der Wagen gut ausgebucht.

Impression von der Dauerausstellung Obergeschoss, Eröffnung am Tag des offenen Denkmals im Herbst 2015. Foto: pr.

Als die Aussonderung aus der Feuerwehr Bückeburg anstand, fanden sich einige Kameraden der Feuerwehr, die mit dem Oldtimer oft unterwegs waren, sei es der Ernstfall oder Veranstaltungen gewesen. Sie wollten auf jeden Fall die Fahrt zum Schrottplatz verhindern. Mit der Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Helmut Preul bekamen diese Personen die Möglichkeit, das immer noch einsatzbereite Fahrzeug zu erwerben. Dazu musste allerdings eine Körperschaft, ein eingetragener Verein, gegründet werden. Die notarielle Gründung erfolgte im Spätherbst 1996 in Bückeburg.

Der junge Verein musste nun eine möglichst preiswerte Bleibe für das Fahrzeug finden. Eine wahre Odyssee war die Folge. Zunächst gab es einen Standort in Kleinenbremen. Das Gebäude wurde verkauft, für das Auto musste eine neue Bleibe gefunden werden. Neuer Standort war die ehemalige Autowerkstatt Harre in der Wallstraße. Hier bekam das Fahrzeug erste ernsthafte Schäden durch Baumängel. Trotz vieler Mühen, erhebliche Schäden mit eigener Kraft abzustellen, ließ sich gegen die vielen Mängel nicht ankommen. Das Dach war defekt, das Fahrzeug war immer feucht und begann zu rosten. Nächster Umzug auf einen Bauernhof in Müsingen. Letztlich gab es hier diverse Differenzen. Miethöhe und immer neue Auflagen führten zum Umzug. In der Scheune eines Hofcafé in Petzen fand sich eine neue Unterkunft.

Inzwischen wurde für Oldtimerfahrten und Transporte von Gerät und Material für die wachsende Sammlung 2006 ein zum Auto passender, technisch einwandfreier Einachs-Anhänger aus Beständen Bundeswehr erworben. 2009 kam die Handdruckspritze der Stadt Bückeburg von 1897 nach deren Aufarbeitung durch den Verein dazu sowie eine Tragkraftspritze aus Wiedensahl.

In Petzen ergab es sich, dass die Interessen des Vereins und des Café nur begrenzt im Einklang waren. Es folgte ein Umzug in das finsterste Kapitel der Vereinsgeschichte: zu Gast in einem Feuerwehrmuseum in der Nähe von Kirchlengern.

Das Fazit dieser Odyssee ist, dass Vereinsmitglieder viele Arbeitsstunden aufbrachten, den Vermietern bei Aufräumaktionen und Reparaturen oder Pflegemaßnahmen am Gebäude zu unterstützen. In der Folge erlebte der Verein immer wieder, dass diese Hilfen kostenlos in Anspruch genommen wurden, aber letztlich ein großes Feuerwehrauto und gesammelte historische Technik nicht erwünscht war. Besonders störend – so wurde zu verstehen gegeben – war die Tatsache, dass im Sommer an Wochenenden in aller Frühe zu Veranstaltungen aufgebrochen wurde.

Im Herbst 2014 erfolgte der Umzug in eine ehemalige Unterkunft des Katastrophenschutz im Landkreis Schaumburg, ehemals Unterkunft von THW und DRK, letzter Vormieter die DLRG. Zusammen mit dem Verein zog hier ein Zug der Kreisbereitschaft des DRK mit ein, der personell vom DRK Bückeburg gestellt wird. Es entwickelte sich eine sehr angenehme Hausgemeinschaft. Die Konstellation der Vormieter brachte die Idee mit sich, in den nutzbaren Räumen ein kleines Museum aller in Bückeburg aktiven Hilfsorganisationen einzurichten, denn außer der Feuerwehr und dem ASB waren hier einmal alle zu Haus. Die Idee wurde von allen Organisationen gern aufgenommen und gefördert.

So wurde der „Verein zur Erhaltung historischer Feuerwehrfahrzeuge“ Trägerverein des jüngsten Museums in Bückeburg, das, gehemmt durch Corona, seinen Erweiterungsplänen lange Wochen nicht folgen konnte und nun erst zum Ende der Saison 2020 für kurze Zeit öffnen wird, um diese Erweiterung vorstellen zu können. Das Museum weist durch die Beteiligung von fünf Organisationen unter einem Dach eine gewisse Einmaligkeit auf. Es ist einerseits anerkannt als kulturelle Einrichtung in nicht öffentlichem Eigentum und wurde andererseits im vergangenen Herbst erneut vom Finanzamt als förderungswürdig anerkannt.

Besucher zahlen keinen Eintritt, sondern es wird um Spenden gebeten. Die fehlende Einnahme von Spenden, die neben den Mitgliedsbeiträgen mangels Besuchern ausbleiben, bringen nun Probleme für die Instandhaltung des Museumsinventares mit sich.

Die Maßnahmen zur Erweiterung sind finanziell abgesichert durch genehmigte Fördermittel, Spenden und der kräftigen Unterstützung durch die Schaumburger Landschaft, die Kontakte zu wichtigen Behörden und auch Förderern pflegt und bei Bedarf vermittelt. r