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Anekdoten und lobende Worte bei Kommers zum 90-jährigen Bestehen der Müsinger Feuerwehr

Die Geschichte vom „großen Knall“

Bückeburg. Was hat die Ortsfeuerwehr Müsingen in den vergangenen 90 Jahren nicht alles erlebt. Zwei Fahrzeuge gingen in Flammen auf, eine Gasexplosion zerstörte das Gerätehaus. Mit einem Blick in die Historie und einem gut besuchten Festkommers haben die Blauröcke am Sonntag einen „runden Geburtstag“ gefeiert.

veröffentlicht am 26.06.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 19:21 Uhr

26. Juni 2013 00:00 Uhr

Bückeburg. Was hat die Ortsfeuerwehr Müsingen in den vergangenen 90 Jahren nicht alles erlebt. Zwei Fahrzeuge gingen in Flammen auf, eine Gasexplosion zerstörte das Gerätehaus. Mit einem Blick in die Historie und einem gut besuchten Festkommers haben die Blauröcke am Sonntag einen „runden Geburtstag“ gefeiert.

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So eine Feier beginnt mit dem Blick in die eigene Geschichte. Das war auch beim Kommers der Freiwilligen Feuerwehr Müsingen nicht anders, der am Sonntag unter großer Beteiligung befreundeter Feuerwehren im Dorfgemeinschaftshaus stattfand. Ortsbrandmeister Sven Buchenau und seine Anekdoten versetzten die Gäste ein ums andere Mal in Staunen. Da war vom „großen Knall“ im Jahr 1993 die Rede und von gleich zwei in Flammen aufgegangenen Einsatzfahrzeugen. „Ihr habt Sachen erlebt, die nicht viele erlebt haben“, fasste Thomas Wimmer das Gehörte zusammen. Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote meinte kopfschüttelnd: „Das ist eine ziemlich bewegte Geschichte.“

Gegründet wurde die Freiwillige Feuerwehr Müsingen am 24. Juni 1923, fast auf den Tag genau vor 90 Jahren. Die Unterhaltungskosten mussten die Kameraden selber aufbringen. Der monatliche Beitrag lag – mitten in der Inflation – bei 500 Mark.

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1924 der erste Höhepunkt: der Bau des Spritzenhauses aus gespendeten Mitteln und in Eigenleistung. 1925 folgte die Anschaffung eines Schlauchwagens mit Feuerwehrhaken und Steigerleitung. Ab 1939 habe man „große Probleme“ gehabt, den Feuerschutz aufrechtzuerhalten, erzählte Buchenau. Viele Menschen seien nicht aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekommen. Das Schicksal anderer Feuerwehren habe die Müsinger aber nie ereilt, ließ Buchenau die Gäste wissen. „Sie musste, Gott sei Dank, nicht aufgelöst und nach dem Kriege neu gegründet werden“.

Dafür hatten die Müsinger im Jahr 1956 gleich zweimal ziemlich großes Pech. Sowohl ein alter Horch-Kübelwagen als auch der neu angeschaffte Opel Blitz mit Frontpumpe gingen in Flammen auf. Wie es dazu gekommen war? Buchenau ließ das Unglück Revue passieren: Nach der Abnahme in Celle hätten die Kameraden in Vehlen haltgemacht, „um das Fahrzeug zu begießen“. Der Maschinist habe den Wagen abgeschlossen und festgestellt, dass er zu brennen begann. „Er lief dann kurzerhand ins Gasthaus und rief: Das Auto brennt. All’ seine Kameraden lachten ihn aus und sagten: Verarschen können wir uns alleine“, erzählte Buchenau. Weil die Blamage des Kabelbrandes nicht bekannt werden durfte, wurde das Fahrzeug auf Meiers Diele versteckt und am nächsten Tag zur Reparatur gebracht.

Weitaus bekannter ist die Geschichte vom „großen Knall“, einer Gasexplosion, die am 26. Dezember 1993 im Gerätehaus stattgefunden hat. Das sei das dunkelste Kapitel der Feuerwehr Müsingen gewesen, befand Buchenau. „Die Eingangstür lag 40 Meter weit auf einer Wiese, das Gemeinschaftshaus hatte Risse bekommen, und sogar eine Kellerwand in der Feuerwehr hatte sich durch die Druckwelle um etwa 30 Zentimeter nach außen in die Erde verschoben.“ Durch diese Explosion und die völlige Zerstörung des Gerätehauses sei die Feuerwehr „mit einem Schlag“ bei null gewesen und habe zwei Jahre vom Einsatzdienst abgemeldet werden müssen. Der allgemeine Dienst wurde bis zur Einweihung des neuen Gebäudes im Jahr 1995 in Gartenhäuschen abgehalten. Einen Dank richtete Buchenau an Manfred Mistereck, der in Müsingen als „Wiederaufbau-Brandmeister“ bekannt geworden sei.

In einem Grußwort stattete Landrat Jörg Farr den Blauröcken seinen Dank ab. Dass beim Wählen der 112 Hilfe kommt, sei nur möglich, „weil Menschen bereit sind, sich in ihrer Freizeit und unter Einsatz des eigenen Lebens einzusetzen“, sagte der Landrat. Die Feuerwehr sei ein „ganz wichtiger Bestandteil unserer Gemeinschaft“. Es gelte, so Farr weiter, die nötigen Rahmenbedingungen bereitzustellen, „damit im Ernstfall das Retten sicher vor sich gehen kann“.

„Danke sagen für 90 Jahre Dienst am Nächsten“, wollte auch der Vertreter der Stadt, Horst Schwarze. 90 Jahre seien schon „eine Hausnummer“, sagte Schwarze. Ihm sei Müsingen vor allem wegen seiner starken Jugendfeuerwehr bekannt gewesen („die waren Seriensieger“). Ein Alleinstellungsmerkmal sei die Schießabteilung. Ohne die Feuerwehr in Müsingen wäre die Stadt Bückeburg ein bisschen ärmer, so Schwarze.

Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, den Blauröcken zu einem „besonderen Jubiläum und zu 90 Jahren Dienst am Nächsten“ zu gratulieren. Wie wichtig Feuerwehren sind, habe man beim letzten Hochwasser etwa in Magdeburg gesehen. Dort habe es eine große Unterstützung durch die Bevölkerung gegeben. Ob er das 100-jährige Jubiläum als Kreisbrandmeister erleben wird, ließ Grote offen. Das werde knapp mit der Altersgrenze, scherzte er (Versammlung: „Ehrenbrandmeister“).

Eine besondere Ehrung gab es für Sebastian Schramme, der für 25 Jahre aktiven Dienst mit dem niedersächsischen Ehrenzeichen ausgezeichnet wurde. Beim gemeinsamen Essen blieb Zeit für den Austausch von Anekdoten, etwa von Urgestein Ernst Schramme, der sich noch genau an den Brand des alten Horch-Kübelwagens („da ist Benzin auf den Auspuff getropft“) und an seinen ersten Einsatz im Gasthaus Niedersachsen („da hat der Gastwirt einen Tannenbaum im Schornstein verbrannt“) erinnern konnte. Später, so Schramme schmunzelnd, habe seine Frau ihm manchmal die Schuhe versteckt, „damit ich nicht zum Einsatz komme“. Sie habe immer Angst gehabt, dass ihm etwas passiert, sagte das langjährige aktive Mitglied.mig

Landrat Jörg Farr gratuliert Ortsbrandmeister Sven Buchenau zum 90-jährigen Bestehen der Feuerwehr Müsingen.mig (2)

Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote (l.) ehrt Sebastian Schramme für 25 Jahre aktiven Dienst.