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Waltraud Burgbacher als Nachfolgerin von Dagmar Behrens / Früher bei der Gefährdetenhilfe Bad Eilsen

Die Neue von der Opferhilfe

BÜCKEBURG. Verstärkung für die Opferhilfe: Waltraud Burgbacher (53), Sozialarbeiterin aus Bad Eilsen, hat im Büro an der Schulstraße die Nachfolge von Dagmar Behrens angetreten, die Mitte 2018 in den Ruhestand verabschiedet worden ist. „Ich glaube, mit meiner Persönlichkeit und meinen Fähigkeiten bin ich hier am richtigen Platz“, sagt die Neue, die allerdings schon seit mehr als einem Jahr dort arbeitet.

veröffentlicht am 04.01.2019 um 11:58 Uhr
aktualisiert am 04.01.2019 um 16:25 Uhr

Viel zu tun: Waltraud Burgbacher (links) und Juliane Frank im Büro der Bückeburger Opferhilfe. Foto: LY

Autor:

Stefan Lyrath
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Damit bleibt es bei zwei vollen Stellen. Diese Besetzung ist allein schon nötig, um psychosoziale Prozessbegleitung von Opferzeugen vor Gericht sicherzustellen, die seit 2017 Gesetz ist. Obwohl der Landgerichtsbezirk der kleinste in ganz Niedersachsen ist, rangiert die Opferhilfe Bückeburg bei den Fallzahlen unter elf Büros auf Platz sechs. Waltraud Burgbachers gleichberechtigte Kollegin, die Sozialpädagogin Juliane Frank, ist bereits seit 2014 in Bückeburg. Aufgebaut hatte Dagmar Behrens das 2002 eröffnete Büro.

Waltraud Burgbacher absolvierte zunächst von Oktober 2017 an ein Anerkennungsjahr. Gegen Ende dieses Praktikums bekam sie auch eigene Fälle in der Praxis zugewiesen. Bis heute sind es etwa 15. Ihr erster Eindruck, speziell bei Sexualdelikten: „Menschen können widerlich zueinander sein. Dies kann ein Leben zerstören.“

Waltraud Burgbacher wünscht sich, dass vor allem mehr Frauen von der Existenz der Stiftung Opferhilfe erfahren. Wichtig ist ihr auch die Stärkung des Netzwerkes, zu dem beispielsweise Wohlfahrtsverbände, kirchliche Einrichtungen oder Beratungsstellen für Frauen und Kinder gehören.

Vielen ist Waltraud Burgbacher bekannt, weil sie zusammen mit ihrem Mann elf Jahre lang als Leiter einer Wohngruppe der Gefährdetenhilfe Bad Eilsen gearbeitet hat. Der gemeinnützige Verein hat sich durch Einsätze im gartenbaulichen Bereich einen Namen gemacht. Dort wird Menschen geholfen, die durch Lebenskrisen, Suchtprobleme oder Kriminalität in eine Sackgasse geraten sind. „Ich habe mich zuvor also zum Teil auch mit der anderen Seite meiner heutigen Klientel befasst“, erklärt Burgbacher. „Es ist wichtig, solche Erfahrungen zu bearbeiten. Dann bringen sie uns weiter.“

Vor ihrer Arbeit für die Opferhilfe hat die Neue 2014 ein Studium (Soziale Arbeit in Bielefeld) begonnen und abgeschlossen. „Ich kann zuhören, bin empathisch und gucke ganz individuell, welche Hilfen wir Klienten anbieten können“, so die Sozialarbeiterin. „Es ist schön, wenn Menschen sagen, dass es ihnen besser geht, denn das ist auch eine Bestätigung unserer Arbeit.“ ,

Im April beginnt Waltraud Burgbacher eine Ausbildung zur psychosozialen Prozessbegleiterin und professionellen Opferhelferin. Prozessbegleitung von Opferzeugen ist kostenlos. Anspruch darauf haben Kinder, Jugendliche und besonders schutzbedürftige Erwachsene, die Opfer schwerer Straftaten geworden sind.

„Ich bin froh, dass Waltraud da ist, denn wir haben zurzeit sehr hohe Fallzahlen“, sagt Juliane Frank. Mitte Dezember lag die Zahl der neuen Fälle für 2018 bereits bei 146, meistens Opfer von sexueller Gewalt oder anderen körperlichen Übergriffen. Das sind rund 20 mehr als im ganzen Jahr 2017. Dazu kamen allein in dem Jahr 115 Altfälle (2017 waren es 76).

Allein 2018 hat das Büro fast 30 Opfer zu Gerichtsverhandlungen begleitet, wo diese aussagen mussten. Außerdem werden Opfer vor und nach Prozessen gegen die Täter betreut, bei Behördengängen begleitet, Therapien und Kurse vermittelt oder finanzielle Hilfen geleistet, zum Beispiel für Umzüge, fachliche Beratung oder Anwaltskosten.

Unterm Strich hat die Bückeburger Opferhilfe seit ihrer Gründung etwa 1500 Menschen geholfen. Zu erreichen ist das Büro unter der Telefonnummer (0 57 22) 290 264 oder 290 295.




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