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Dieter Ahrens baut in der Kreuzbreite das völlig energieautarke Technologie-Zentrum-Schaumburg

Ein bundesweit einzigartiges Projekt

BÜCKEBURG. In Bückeburg, dem Landkreis Schaumburg und der Umgebung fehlt eine Plattform für den Austausch, Erschaffung und Umsetzung von zukunftsweisenden Produkten und Dienstleistungen. Der das sagt ist Dieter Ahrens, Chef der gleichnamigen Dachdeckerei und Solartechnik GmbH & Co KG sowie Kreishandwerksmeister. Und er will Abhilfe schaffen. Für rund drei Millionen Euro wird er hinter seinem Firmensitz in der Bückeburger Kreuzbreite das völlig energieautarke Technologie-Zentrum-Schaumburg Bückeburg (TZS) bauen und Gründer, „Start-ups“ oder etablierte Firmen zu einem Think-Tank und zur Umsetzung technikaffinen Klimaschutzes und digitalem Umweltdesigns zusammenbringen. Seine Vision: Dass eines Tages das gesamte Gewerbegebiet Kreuzbreite energieautark ist.

veröffentlicht am 22.03.2019 um 15:27 Uhr
aktualisiert am 22.03.2019 um 18:50 Uhr

In Sachen Fotovoltaik ist Dieter Ahrens mit seiner Firma Vorreiter im Landkreis und organisiert seit Jahren die Solartage. Jetzt setzt er noch einen drauf und baut mit dem Technologie-Zentrum-Schaumburg ein völlig energieautarkes Bürogebäude für Grün
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. In Bückeburg, dem Landkreis Schaumburg und der Umgebung fehlt eine Plattform für den Austausch, Erschaffung und Umsetzung von zukunftsweisenden Produkten und Dienstleistungen. Der das sagt ist Dieter Ahrens, Chef der gleichnamigen Dachdeckerei und Solartechnik GmbH & Co KG sowie Kreishandwerksmeister.

Und er will Abhilfe schaffen. Für rund drei Millionen Euro wird er hinter seinem Firmensitz in der Bückeburger Kreuzbreite das Technologie-Zentrum-Schaumburg Bückeburg (TZS) bauen. Eine Bauvoranfrage ist auf dem Weg, Baubeginn für das Bürogebäude mit einer Grundfläche von 700 Quadratmetern und einer Bürofläche von 1130 Quadratmetern sowie einem Veranstaltungsraum für bis zu 100 Menschen wird im Herbst dieses Jahres sein, das Gebäude im Spätsommer 2020 fertig sein. Gebaut wird in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Wehmeyer aus dem Bückeburger Ortsteil Meinsen. Ahrens: „Ich bin froh, dass das Büro und insbesondere Erik Meyer diesen Weg mit mir geht.“

Dieter Ahrens, dessen Firma nach eigenen Angaben rund 75 Prozent der Fotovoltaikanlagen im Landkreis Schaumburg auf die Dächer gebracht hat, wäre nicht der Vorreiter in Fotovoltaik, wenn das TZS in Zeiten von Klimawandel und regenerativer Energien nicht auf neueste Technologien setzt. Denn das Bürogebäude wird 100 Prozent energieautark sein. „Kein Strom, keine herkömmliche Heizung, kein Gasanschluss, nur Wasser, Kanalisation und Breitbandanschluss“, umreißt Ahrens seinen Plan: „So etwas gibt es deutschlandweit noch nicht.“ Und mit 100 Prozent meint er 100 Prozent, denn nach den derzeit geltenden Regeln kann ein Gebäude schon als energieautark bezeichnet werden, wenn es weniger als 50 Prozent externe Energie benötigt. Nach den noch vorläufigen Berechnungen wird das Objekt und die in ihm eingesetzte Technologie rund 180 000 Kilowattstunden pro Jahr produzieren, verbrauchen werden es aber nur 80 000 Kilowatt.

Der Überschuss., der immerhin die komplette Energieversorgung von 30 Einfamilienhäusern für ein Jahr sichern würde, soll dafür genutzt werden, um über eine Vernetzung zunächst angrenzende Gebäude wie seine Firma oder weiterer Betriebe im östlichen Bereich der Kreuzbreite mit Energie zu versorgen. Wenn alles so klappt, wie es Ahrens mit diversen Experten ausgetüftelt und berechnet hat, kann es eines Tages sein, dass sich das gesamte Gewerbegebiet Kreuzbreite nach dem Aufbau weiterer Fotovoltaik- und Speicheranlagen völlig unabhängig von anderen Energieversorgern selbst versorgen kann – und noch so viel Energie übrig bleibt, dass auch noch die Innenstadt mit bedient werden könnte. „Noch eine Vision“, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung einräumt: „Aber in Zeiten des Klimawandels dringend erforderlich.“

Das neue energieautarke Bürogebäude soll ein Anziehungspunkt für Start-ups werden, mit einer soliden Grundausstattung für Gründer und einem „Alles-vor-Ort“-Service auch für etablierte Unternehmen. Geplant ist ein Ort zwischen technikaffinen Klimaschützern und digitalen Umweltdesignern. Es wird keine Komforteinschränkungen geben, eine Harmonie zwischen neuester Technik und Gemütlichkeit soll entstehen. In Co-Working-Büros soll die Möglichkeit für enge Zusammenarbeit geschaffen werden: „Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen.“

Um die Energieautarkie zu erreichen, setzt Dieter Ahrens auf bereits vorhandene Technologien. Stichworte: Fotovoltaik auf Dach und an Fassade, Erdsonden, Brennstoffzelle, Wand-Bodenheizung, Lüftungsanlage, Haus- und Benutzersteuerung oder E-Mobilität- Ladesysteme. „Alles ist bereits vorhanden. Es muss nur entsprechend eingesetzt und vernetzt werden, Steuerungen vorhandener Programme optimiert werden.“ Das Speicherproblem will er mit Wasserstoffspeichern lösen: Die im Sommer von der Solaranlage erzeugte und nicht verbrauchte Energie wird darin gespeichert, um im Winter, wenn der Energiebedarf hoch, die Sonnenwirkung aber geringer ist, abgerufen und genutzt zu werden.

Dass das alles klappt, hat Ahrens mit einer Reihe von Experten und Professoren abgeklopft. Sie hätten sich zu Beginn skeptisch gezeigt, sich dann aber überzeugen lassen – auch wenn natürlich noch einige Fragen offengeblieben sind. Auch die Fachhochschule Bielefeld mit ihrem Campus in Minden prüft die Möglichkeit, das Projekt zu begleiten, um entsprechende Projekterfahrung zu sammeln. Ahrens: „Alle Gesprächspartner haben mir eine Zusammenarbeit angeboten, da das Ziel eines energieautarken Bürogebäudes von allen als erreichbar eingestuft wurde, jedoch noch nie umgesetzt wurde.“ Lediglich bei einem Gesprächspartner sei er auf taube Ohren gestoßen – dem zuständigen Bundesministerium, das voraussichtlich keine Fördergelder geben wird.

Derzeit ist Ahrens auf der Suche nach weiteren Partnern und Mietern, die übrigens keine Miete im herkömmlichen Sinne mit Kalt- und Warmmiete zahlen müssen, sondern eine Flatrate. Erste Interessenten gibt es. Finden sich keine Mitstreiter, wird der Kreishandwerksmeister das Projekt allein durchziehen. „Die Kostenhöhe ist mir egal“, wie er bei seinem Vortrag bei der Bückeburger Unternehmer-Matinee festgestellt hat. „Aber natürlich bin ich auch Kaufmann“, wie er betont. „Aber es rechnet sich.“




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