weather-image
×

Kleinenbremer Grundschüler lernen, wie man Grenzen setzt, stark und energisch wirkt

Ein „Gorilla“ für den Schulhof

Kleinenbremen. Vor drei Jahren hat die Grundschule Klei-nenbremen schon einmal beim Projekt „Gewaltfrei lernen“ mitgemacht, damals als erste Schule im Kreis Minden-Lübbecke. Die Teilnahme zahlt sich aus. „Bei der Qualitätsanalyse der Bezirksregierung hat uns das Pluspunkte gebracht“, berichtet Schulleiterin Ute Gösch. „Außerordentlich gut haben wir zum Beispiel beim sozialen Klima abgeschnitten. Und das hat viel mit diesem Projekt zu tun. Unsere Kinder leben das Konzept.“ Im Rahmen einer Projektwoche wird das Wissen jetzt aufgefrischt.

veröffentlicht am 07.04.2016 um 14:59 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 23:41 Uhr

07. April 2016 14:59 Uhr

Kleinenbremen. Vor drei Jahren hat die Grundschule Klei-nenbremen schon einmal beim Projekt „Gewaltfrei lernen“ mitgemacht, damals als erste Schule im Kreis Minden-Lübbecke. Die Teilnahme zahlt sich aus. „Bei der Qualitätsanalyse der Bezirksregierung hat uns das Pluspunkte gebracht“, berichtet Schulleiterin Ute Gösch. „Außerordentlich gut haben wir zum Beispiel beim sozialen Klima abgeschnitten. Und das hat viel mit diesem Projekt zu tun. Unsere Kinder leben das Konzept.“ Im Rahmen einer Projektwoche wird das Wissen jetzt aufgefrischt.

Anzeige

Oliver Henneke steht in der Kleinenbremer Turnhalle. Es könnte aber auch der Schulhof sein. Und da gibt es Ärger. „Woran müssen wir denken, damit man Respekt vor uns hat?“, fragt der Konflikttrainer in die Runde der Erstklässler, die einen Kreis um ihn bilden. „Mit Bohrerblick in die Augen gucken“, antwortet ein Junge. Richtig.

„Und groß dastehen“, fügt Henneke hinzu. „Reißverschluss zu, wir müssen stark aussehen.“ Zur Erklärung: Um sich aufzurichten, tun die Kinder so, als würden sie den Reißverschluss ihrer Jacke bis zum Kinn ziehen. Dann stimmt die Haltung, Selbstbehauptung durch Körpersprache.

Das könnte Sie auch interessieren...

Ein guter Trick sind auch die „Stopphände“: Beide Hände werden in Hüfthöhe vorm Körper gehalten, „als ob wir sie in die Matschepampe drücken“, die Fingerspitzen zeigen nach vorn. „Damit der aufhört, uns anzufassen“, erklärt Trainer Henneke das Ziel der Übung. „Der“ könnte ein anderer Junge sein, der Stress macht. Ganz wichtig ist auch, ernst zu bleiben. „Sonst denkt er, es macht uns Spaß.“

Manchmal bleibt es nicht bei Worten. Für solche Fälle gibt es den „Siegergriff“: Wer an einer Hand festgehalten wird, lernt an diesem Vormittag, wie man die andere einsetzt, um sich aus dem Griff zu befreien. „Und wenn man uns an beiden Armen festhält, können wir zum Glück auch den Gorilla“, erklärt Oliver Henneke und reißt ruckartig die Arme hoch. „Wisst Ihr, was der ganze Trick ist? Der Gorilla dreht einfach seine Fäuste. Aber Vorsicht, nicht nach hinten ziehen. Sonst landen die Gorilla-Fäuste auf der eigenen Nase. Sie müssen nach oben.“ Oliver Henneke begegnet Kindern auf Augenhöhe und spricht ihre Sprache. Fast wird er beim Training selbst zum Kind. Alle nennen ihn Olli. Vor allem geht es darum, die richtigen Worte zu finden, wenn es Streit gibt auf dem Schulhof, um Deeskalation also. „Du tust mir weh, hör auf damit!“, macht es Olli den Kindern vor. Klare Ansage.

Sich wehren ist erlaubt – aber ohne andere Schüler zu verletzten. „Auch nicht mit Worten“, wie der Trainer betont. „Und schon gar nicht am Körper.“ Gewalt kann zu Gegengewalt führen. Stattdessen lernen die Jungen und Mädchen, wie man Grenzen setzt, stark und energisch wirkt. Henneke und der von ihm mitgegründete Verein „Gewaltfrei lernen“ wollen eine Atmosphäre schaffen, in der Lernen Freude macht.

Das Anti-Konflikt-Training für alle Klassen ist ein Teil und zugleich der Höhepunkt einer Projektwoche „Fairplay – Gewaltfrei lernen“, die zurzeit in Kleinenbremen läuft. Als Sponsoren hat Tanja Vogt, Vorsitzende des Fördervereins, den Lions Club Porta Westfalica, Harting Mineralöle und die Portaner Stadtsparkasse gewonnen.

In der Projektwoche lernen die Grundschüler zum Beispiel den richtigen Umgang mit Ärger und Wut, sie üben das Theaterstück „Irgendwie anders“ ein, schweißen ihre Klassengemeinschaften noch enger zusammen. Polizisten und die Busschule der Mindener Kreisbahnen (MKB) zeigen ihnen, wie man sich im Schulbus richtig verhält. Oder sie spielen einfach nur zusammen.