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Treffpunkt, Wochenmarkt und Dorfladen sind regional ein Alleinstellungsmerkmal

Eine starke Gemeinschaft

PORTA WESTFALICA-NAMMEN. Der damalige Dorfschullehrer Johann Friedrich Hedinger beschreibt die Nammerer 1830 in der Kapellenchronik so: „Die Ansässigen zeichneten sich von jeher als ein großer Menschenschlag aus. Bei der einfachen, gesunden Lebensweise waren sie gesund an Körper und Geist. Sie haben Durchsetzungsvermögen, und zum gemeinschaftlichen Besten wurde freiwillig und gern jedes Opfer gebracht.“

veröffentlicht am 01.01.2019 um 18:29 Uhr

Seit 2015 eine Erfolgsgeschichte: Dorftreffpunkt und Wochenmarkt am Freitagnachmittag auf dem früheren Nammer Schulkomplex.

Autor:

Kurt Römming
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Haben diese Eigenschaften im Ort Perioden und Weltkriege überdauert? Nimmt man die hiesige Dorfgemeinschaft in heutiger Zeit als Maßstab, trifft das eine oder andere Attribut zweifelsohne zu oder hat sich neu entwickelt. Der lose Zusammenschluss der Dorfgemeinschaft Nammen, die das Dach für die örtlichen Vereine, Institutionen und Gruppen bildet, ist intakt und funktioniert. Eine Satzung gibt es nicht. Seit Jahrzehnten ist eine wichtige praktizierte Voraussetzung: Wenn es um das Wohl des Bergdorfes geht, bleibt Parteipolitik außen vor.

Nammen wird um die eine oder andere Einrichtung beneidet, die unter dem Schirm „Dorfgemeinschaft“ mit ehrenamtlichem Engagement erfolgreich läuft. Beispielhaft bringt sich die hiesige rund 60-köpfige Erntejugend ein. Sie wirkt positiv an unterschiedlicher Stelle. Zurückliegend war sie wieder Träger des 145. Erntefestes, in dem Festumzug unterstützt von allein mehr als 40 Festwagen der Gruppen, Nachbarschaften und Vereine aus dem eigenen Dorf und durch einige Gastgespanne.

Große Traurigkeit herrschte im Ort, als 2013 die Grundschule aufgelöst wurde. Doch das, was danach – mehr oder weniger aus der Not geboren und mit einem heimischen Unternehmer als Gönner – vom Heimatverein aus der Situation gemacht wurde, macht die Beteiligten stolz. Helmuth Kahl als Käufer der Immobilie stellte einen großen Teil des Komplexes der Dorfgemeinschaft zur Nutzung zur Verfügung. Im Mai 2015 begann mit dem Dorftreffpunkt und dem Wochenmarkt mit einem Dutzend Anbietern an jedem Freitagnachmittag eine Veranstaltung, die längst zu einer Erfolgsgeschichte geworden ist und regional ein Alleinstellungsmerkmal ist.

2 Bilder
Ein starker Faktor in der Nammer Dorfgemeinschaft: die 60-köpfige Erntejugend, die sich an unterschiedlicher Stelle einbringt, hier mit Pastor Christian Havemann beim Erntedankfest vor dem alljährlichen Einzug in den Gottesdienst. Fotos: krö

Die Doppelveranstaltung erfreut sich eines starken Zuspruchs aus den Nachbarortschaften, auch über die Landesgrenze hinaus aus dem Bückeburger Raum. Ehrenamtliche des Heimatvereins bewirten die Besucher mit einem wechselnden, immer frisch zubereiteten Speisenangebot, die Erntejugend übernimmt den Getränkeservice.

Im ersten Quartal des neuen Jahres eröffnet gegenüber der Kapelle im Haus Hermening der rundherum erste Dorfladen, der von dem vor einigen Monaten gegründeten Verein „Laurentius-Lädchen“ ehrenamtlich betrieben wird. Der kleine Nahversorger mit etwa 1000 Angeboten hat dann dienstags, donnerstags und sonnabends seine Öffnungszeiten. Angeschlossen werden ein Dorfcafé und das Dorfbüro als Koordinator für Bürgerwünsche.

Dorfladen, Dorfcafé und Dorfbüro gehören zu den zehn Wunschprojekten, die 2016 aus dem von der Bezirksregierung genehmigten Dorfinnenentwicklungskonzept (Diek) hervorgegangen sind. Bereits erledigte Punkte des Programmes sind die Restaurierung des Gefallenenehrenmales durch die Feuerwehr-Oldies und den Kapellenverein sowie die Einrichtung der Dorfbücherei in der früheren Schule. Weitere Projekte sind auf den Weg gebracht worden.

Ein Problem bereitet den Bürgern von Nammen einer der Kernpunkte des Diek: die Verbannung des Schwerlastverkehrs aus dem Ortskern. Im Juli des vergangenen Jahres wurde die von der Stadt für 1,1 Millionen Euro als Ortsumgehung gebaute Straße Gerds Diek für den Verkehr freigegeben. Aber noch immer fehlt für eine Verkehrsumleitung jegliche Beschilderung. Scherzhaft spricht man von „Porta Westfalicas teuerstem Feldweg“.

Vor allem die genervten Anwohner am Tannenkamp und an der unteren Laurentiusstraße empfinden es als wenig hilfreich, wenn Bürgermeister Bernd Hedtmann immer wiederholt: „Die Stadt befindet sich mit Straßen NRW in noch nicht abgeschlossenen Gesprächen.“ Einzig erfreulich: Die Ansprachen von Vertretern der Dorfgemeinschaft an die im Gewerbegebiet angesiedelten Unternehmen haben dazu geführt, dass deren „Brummis“ zumindest ansatzweise den Ortskern meiden und ohne offizielle Lenkung Gerds Diek als Ortsumfahrung nutzen.




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