weather-image
14°
×

Interhelp-Schirmherr Fürst Alexander mit 800 Brillen im Gepäck auf Sri Lanka

Endlich kann der Briefträger wieder lesen

Bückeburg/Trincomalee. Beim 125. Geburtstag der Landes-Zeitung war Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe nicht dabei. Konnte er auch nicht. Denn in seiner Funktion als Schirmherr der Hilfsorganisation Interhelp war er wenige Tage vorher nach Sri Lanka geflogen, um sich einen Überblick zu verschaffen, was in den vergangenen Monaten mit den Spendengeldern aus Bückeburg und dem Weserbergland passiert ist – gut zehn Jahre, nachdem der verheerende Tsunami auch große Teile der Küste Sri Lankas verwüstet hatte. Heute kehrt der Fürst aus Sri Lanka zurück.

veröffentlicht am 06.03.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:21 Uhr

Im Gepäck hatte der Fürst rund 800 Brillen aus Deutschland, die – nach entsprechenden Messungen der Sehstärke – an die Bedürftigen verteilt wurden. Fast 2500 Gebäude sind zudem seit 2004 auf Sri Lanka nach dem Konzept des Interhelp-Präsidenten Ulrich Behmann errichtet worden, mehr als hundert davon mit Spendenmitteln aus dem Weserbergland. Ein solches Einfamilienhaus lässt sich für 5000 Euro bezugsfertig herstellen.

Vor Ort konnte der Fürst der Übergabe weiterer Häuser beiwohnen. Außerdem kümmerte er sich aktiv um die Vergabe der Brillen. Ein älterer Herr konnte glücklich seine neue Brille in der Hand halten, berichtete der Fürst in einem Tagebuch. Nun könne er endlich wieder die Adressen auf Briefumschlägen lesen. Er trug ein Hemd mit der Aufschrift „Sri Lankan Post“ berichtete der Fürst. Wie sich herausstellte, war der Mann Briefträger. In einem anderen Fall konnte einer altersweitsichtigen Näherin geholfen werden, die nicht mehr in der Lage war, den Faden durch das Nadelöhr zu führen. Sie hätte beinahe ihren Job verloren, wenn nicht eine Brille aus Deutschland gepasst hätte. In einem dritten Beispiel ging es allerdings nur um Mode. Eine Frau klagte, dass ihr beim Tragen der Brille schwindlig werde. Die Untersuchung ergab, dass sie keine Sehschwäche hat, sondern die Frau lediglich eine schicke Brillenfassung wollte. Jetzt hat sie eine – mit Fensterglas.

Mehrere gespendete Häuser sind in den vergangenen Tagen an bedürftige Familien übergeben worden. Wie etwa an die sechsköpfige Familie von Suresh (40) und Kalamadi (40). Noch voriges Jahr habe er die Zustände mit eigenen Augen gesehen. Die Eltern und ihre vier Kinder wohnten, kochten, aßen dort, schliefen auf dem nackten Boden auf neun Quadratmetern, so groß wie eine deutsche Gefängniszelle“, so der Fürst. Jetzt hätte die Familie vor ihrem neuen Heim gestanden. Gemauert, 55 Quadratmeter, Dachziegel aus Ton. Die Augen des Vaters hätten geleuchtet: „Interhelp hat uns ein richtiges Haus geschenkt, einen Palast ...“

Die Familien sind bereits im Vorfeld ausgesucht worden. Es sind die Ärmsten der Armen, denen geholfen wird. Frauen, die ihre Männer und Kinder, die ihre Eltern im Bürgerkrieg verloren haben, aber auch Familien, die Alte und Kranke pflegen müssen, erhalten als Erste ein Dach über dem Kopf. „Aufbauarbeit für den Frieden“ heißt das Projekt, bei dem wir auf strengen Proporz achten, um Neid und Missgunst zu vermeiden“, erklärt Interhelp-Schirmherr Fürst Alexander: „Jeweils zur Hälfte werden tamilische und singhalesische Familien berücksichtigt. Nach Jahrzehnten der Feindschaft zwischen den Volksgruppen ist das ein echter Friedensbaustein.“

Die Hamelner Stadtwerke-Chefin Susanne Treptow ist begeistert von der Arbeit der Hilfsorganisation. „Das ist schnelle, unbürokratische, vor allem aber effektive und nachhaltige Hilfe“, sagt sie. Zum zweiten Mal ist sie auf eigene Kosten nach Sri Lanka gereist, um „ihre“ Häuser persönlich zu übergeben. „Es ist so schön, miterleben zu können, wie sich die Menschen freuen und wie dankbar sie sie sind.“ Schon bald will sie auf Sri Lanka ein drittes Haus bauen lassen.

Im Süden der Insel ist seit dem 21. Februar ein weiteres Interhelp-Team im Einsatz. Es kehrt ebenfalls heute zurück. Die Hamelner Notärztin Dr. Angela Tilgner-Brunotte, der Leiter der Medical Task Force Reinhold Klostermann, der Rettungsassistent Timo Baumeister und die Krankenschwester Alice Zsoldi versorgen in ihrer Freizeit kranke und verletzte Menschen in abgelegenen Urwald-Dörfern. „Wir werden überrannt, haben bereits mehr als 2000 Menschen behandelt“, sagt Klostermann. Zwei singhalesische Ärztinnen und zwei einheimische Krankenschwestern tragen inzwischen dazu bei, dass die Wartezeiten nicht allzu lang werden. Längst sind die aus dem Weserbergland mitgebrachten und die auf Sri Lanka gekauften Arzneimittel aufgebraucht.rc




Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige