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Bauerngut auf Expansionskurs / Stadt verhandelt über Grundstücksankauf – nach Absage der Bundeswehr

Es geht um die Wurst

BÜCKEBURG. Die gute Nachricht vorweg: Die Firma Bauerngut plant eine millionenschwere Expansion am Firmensitz Bückeburg. Das Unternehmen will seine Betriebsflächen mehr als verdoppeln. Bis zu 80 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Allerdings: Die Suche nach einem geeigneten Grundstück erweist sich schwieriger als erwartet. Stadt, Landkreis und Firmenvertreter zeigen sich trotzdem zuversichtlich, dass schon in Kürze ein Durchbruch gelingt.

veröffentlicht am 15.02.2019 um 19:02 Uhr

Das Bauerngut-Fleischwerk am Hasengarten: Das Unternehmen hat mit einer Erweiterung der Flächen in Richtung des heutigen Truppenübungsplatzes (oben links im Bild) geliebäugelt. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen lehnt einen Verkauf je

Autor:

MARC FÜGMANN
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BÜCKEBURG. Die intensiven Gespräche über eine Erweiterung laufen bereits seit Monaten. Ursprünglich hatte sich Bauerngut, ein Tochterunternehmen der Edeka Minden-Hannover, ein bis zu 80 000 Quadratmeter großes Areal in direkter Nachbarschaft des Fleischwerks ausgeguckt. Das Grundstück liegt jenseits der B 83 und gehört zum angrenzenden Bundeswehr-Truppenübungsplatz.

Um die zu erschließende Fläche, auf der Logistikhallen und -anlagen entstehen sollen, mit der Produktionsstätte am Hasengarten zu verbinden, hatte das Unternehmen einen kühnen Plan entwickelt: entweder eine Untertunnelung der Bundesstraße oder alternativ der Bau einer Brücke. Eine Idee, die zwar aufwändig und damit teuer, doch grundsätzlich machbar gewesen wäre, wie Bauerngut-Geschäftsführer Klaus Jeinsen im Gespräch mit dieser Zeitung sagt.

Einen Strich durch die Rechnung hat dem Unternehmen schließlich das Bundesverteidigungsministerium gemacht. In Berlin ist man nicht bereit, einen Teil des militärischen Übungsgeländes für die Ansiedlung herzugeben. Die Weigerung erfolgte derart strikt, dass selbst ein Interventionsversuch der drei heimischen Bundestagsabgeordneten erfolglos blieb. In einem Brief an Ministerin Ursula von der Leyen hatten sich Maik Beermann (CDU), Marja-Liisa Völlers (SPD) und Katja Keul (Grüne) gemeinsam für den Grundstücksdeal eingesetzt. Vergeblich.

Um die Erweiterungspläne nicht scheitern zu lassen, hat die Stadt in den vergangenen Monaten mit Hochdruck an einer Alternativ-Lösung gearbeitet. Bürgermeister Reiner Brombach ist sich sicher, nun ein Grundstück ausgemacht zu haben, „das noch besser geeignet ist als das ursprünglich ins Auge gefasste“. Dabei handelt es sich um eine südöstlich des Fleischwerks gelegene, landwirtschaftlich genutzte Fläche – nur wenige Autominuten entfernt. Bei Bauerngut hat man sich inzwischen damit abgefunden, die Transporte zwischen den Standorten mit Lastwagen abzuwickeln.

„Nach den bisherigen Verhandlungen mit dem Eigentümer bin ich sehr zuversichtlich“, sagt Brombach. Und betont: „Wir tun alles, um Bauerngut eine zukunftsfähige Lösung anbieten zu können.“ Schließlich gehe es nicht nur um 80 neue Jobs, sondern auch um den langfristigen Erhalt der derzeit schon rund 750 Arbeitsplätze bei der Edeka-Tochter.

Brombach weiß dabei auch die Kreisverwaltung hinter sich. Landrat Jörg Farr hat seine Unterstützung für eine zügige Bauleitplanung zugesichert. Nach seiner Einschätzung bietet das Ersatzgrundstück gegenüber dem Bundeswehr-Areal den Vorteil, dass bei Bedarf später nochmals Erweiterungen möglich sind.

Bauerngut-Chef Jeinsen weiß das „große Bemühen von Politik und Verwaltung“ zu schätzen, wie er ausdrücklich betont. Bückeburg sei für ihn der bevorzugte Standort für die Ansiedlung der neuen Logistikstätte. Jeinsen sagt aber auch: „Das Projekt muss für uns bezahlbar sein.“ Heißt: Bauerngut würde notfalls auch außerhalb der Region Ausschau nach geeigneten Flächen halten.

Die geplante Investitionssumme beläuft sich dem Vernehmen nach auf einen knapp dreistelligen Milllionenbetrag. Jeinsen geht davon aus, dass in den nächsten zwei bis drei Wochen eine Vorentscheidung für das Grundstück fällt.

Information

Die Bauerngut Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Bückeburg besteht seit 1990. Mit einer Produktionsfläche von gut 35 000 Quadratmeter (Grundstücksgröße 55 000 Quadratmeter) und etwa 750 Mitarbeitern ist das Werk in Bückeburg der größte von insgesamt vier Bauerngut-Standorten. Täglich verlassen durchschnittlich 130 Tonnen Wurst die Fertigungsstätte, hinzu kommen wöchentlich 150 Tonnen SB-Fleisch. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr 612 Millionen Euro Umsatz gemacht.

Nach einem verheerenden Brand im Jahr 2008 wurden weite Teile des Werks erneuert. Auch aufgrund fortlaufender Investitionen handele es sich heute um „eine der modernsten Produktionsstätten Europas“, sagt Chef Klaus Jeinsen nicht ohne Stolz.

Die Erweiterungspläne seien Ergebnis der guten Geschäftsentwicklung. So sei man in den vergangenen Jahren gegen den Trend gewachsen. Bauerngut produziert hauptsächlich für die Märkte der Konzernmutter Edeka Minden-Hannover. mf




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