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Seelsorge im Chatroom

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde geht online

BÜCKEBURG. Seit fast zwei Wochen ist das Gemeindezentrum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde für die Gemeindeglieder geschlossen. Es gibt keine Gottesdienste, keine Gebetstreffen, keine Arbeitsgruppen, die zusammenkommen. Selbst die zahlreichen Kleingruppen, die sich größtenteils in privaten Räumen treffen, sind abgesagt.

veröffentlicht am 30.03.2020 um 14:40 Uhr

BÜCKEBURG. Aktuell kommen hier nur noch die drei hauptamtlich Angestellten der Gemeinde zusammen, wie die Gemeinde mitteilt. Pastor Lothar Kranzkowski, Jugenddiakon Matthias Rohde und Diakon Andreas Lötzer sitzen häufiger in einem großen Seminarraum zusammen, um die gebotenen Abstandsregeln einzuhalten.

Was machen Hauptamtliche in einer Gemeinde, wenn es kein Gemeindeleben mehr gibt? „Wir wollen auch in diesen Zeiten, oder vielleicht gerade in diesen Zeiten, versuchen zu verhindern, dass es kein Gemeindeleben mehr gibt“, sagt Kranzkowski. „Für unsere Mitglieder ist die Gemeinschaft untereinander ein ganz wichtiger Faktor im Alltagsleben. Wir sind keine Gottesdienstgemeinde, sondern eine lebendige Gemeinschaft, die auch unter der Woche diese Gemeinschaft pflegt.“ Das zeige sich auch darin, „dass wir zwölf Kleingruppen haben, in der mehr als die Hälfte unserer Mitglieder auch unter der Woche zusammenkommen“.

Aktuell sieht das „Programm“ der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Bückeburg so aus: Sonntags wird um 10 Uhr ein Gottesdienst per Livestream gefeiert. In der Woche gibt es von Dienstag bis Samstag um 19 Uhr „Impulse der Hoffnung“, eine Andacht und eine gemeinsame Gebetszeit, etwa 30 Minuten, ebenfalls per Livestream. Teilnehmen kann man ganz einfach über die Homepage der Gemeinde unter www.efg-bueckeburg.de.

Die Bühne wurde leer geräumt, damit Sicherheitsabstände eingehalten werden können. Die Musiker stehen weit auseinander.

„Für uns ist das natürlich auch alles ganz neu“ sagt Diakon Lötzer. „Statt in einem Saal mit 100 Gottesdienstbesuchern und auf einer Bühne zu stehen, sprechen wir jetzt in eine Kamera. Man ist sich bewusst, alle sehen mich und ich sehe niemanden.“ Man versuche, so viele Gemeinschaftsaspekte wie möglich in den Onlinegottesdienst zu integrieren. „So feiern wir zum Beispiel gemeinsam das Abendmahl. Wir informieren unsere Gemeindeglieder im Vorfeld, dass sie Brot und Wein oder Traubensaft zuhause bereithalten sollen, und sagen das auch zu Beginn des Livestreams noch einmal an“, so Lötzer. „Wir beten gemeinsam, wir singen gemeinsam. Unsere ,Impulse der Hoffnung‘ sind für viele, gerade auch für Ältere der Höhepunkt des Tages, wie wir aus dem Feedback, was wir an den Abenden dann bekommen entnehmen können.“

„Wir nehmen die Ausgangsbeschränkungen und Abstandsregeln auch bei unseren Livestreams sehr ernst“ sagt Kranzkowski. „Wir wollen auch Vorbilder sein, darum achten wir peinlichst genau auf Abstandsregeln. Bei der Größe unseres Saals von 180 Quadratmetern ist das aber auch gut zu bewerkstelligen.“ Außerdem werde sowohl bei den Gottesdiensten als auch bei den „Impulsen der Hoffnung“ die Zahl der beteiligten Personen auf ein absolutes Minimum reduziert.

„Wir haben schon in der Woche vor den verschärften Ausgangsbeschränkungen unseren Saal im Grunde in ein Fernsehstudio verwandelt“, sagt Jugenddiakon Matthias Rohde. Mit drei bis vier hoch engagierten Jugendlichen wurde so eine Talk-Ecke eingerichtet, in der die Impulse der Hoffnung gestreamt werden. Die Bühne wurde für die Gottesdienste leer geräumt, damit Abstände eingehalten werden können. „Eigentlich beste Voraussetzungen für unsere ursprünglich für die Kar-Woche geplante Jugendfreizeit im Gemeindezentrum. Die fällt jetzt allerdings auch der Corona-Krise zum Opfer“, sagt Rohde. In Krisenzeiten sei es bisher immer so gewesen, dass die Kirchen die Zufluchtsorte für die Menschen waren. Gerade in Zeiten der Angst, der Verunsicherung suchten Menschen Halt und Orientierung im Glauben.

„Wenn sich alles um mich herum verändert, brauche ich irgendeinen Anker. Irgendetwas das bleibt, stabil und verlässlich ist“, so Kranzkowski. „Diese Funktion haben in solchen Zeiten immer auch die Kirchen geboten. Jetzt sind sie geschlossen.“

Die Herausforderung sei, wie man trotzdem mit Menschen in Kontakt bleiben kann, ihnen Hilfe – ganz praktisch aber auch seelsorgerlich – bieten kann, ohne die Möglichkeit, zusammen zu kommen. „Dies versuchen wir durch Telefonate, verschiedene Chatrooms und Videokonferenzen. Hier können wir Älteren auch viel von der jungen Generation lernen.“r




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