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Kabarettist Rolf Linnemann im Alter von 71 Jahren nach langer Krankheit gestorben

Für ihn war die tiefe Provinz die beste Satire

Bückeburg (rc). Der Kabarettist Rolf Linnemann ist tot. Nach langer, schwerer Krankheit als Folge eines Unfalls starb er am Mittwoch in Bückeburg. Er wurde 71 Jahre alt. Knapp zehn Jahre ist es her, dass der Wortakrobat das letzte Mal auf der Bühne gestanden hatte. Schon damals ließ sein Gesundheitszustand keine weiteren Auftritte mehr zu.

veröffentlicht am 26.03.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 18:41 Uhr

Rolf Linnemann †

Zuvor hatte der gebürtige Niedernwöhrener insbesondere die Schaumburger mit seinen ganz besonderen Blickweisen auf Schaumburg und die beiden Fürstenstädte Bückeburg und Stadthagen zum Lächeln und Lachen gebracht, Bundesthemen waren nie so richtig seine Sache. Mit seiner ganz eigenen Blickweise nahm der studierte Sozialpädagoge die Besonderheiten der Schaumburg-Lipper aufs Korn. „Hier ist alles schon Tradition, was mehr als einmal stattfindet“, so ein Bonmot aus einem Programm vor 25 Jahren.

Spitzfindige Liebeserklärung an die Heimat lieferte er auf seinem „Satirischen Heimatabend aus der Tiefe der Provinz“: Der fürstliche Landkreis Schaumburg, der sich die Lippe habe nehmen lassen, zeichne sich durch eine wunderschöne Landschaft aus, die von den wackeren Bewohnern gehegt werde. Seien es die Schützenbrüder und -schwestern, die feinen Tänze aus der Residenzstadt mit der ersten und einzigen Dessous-Demonstration der Bundesrepublik, die berühmten schaumburg-lippischen Ernte-Tänze, „Männer-Bünde“ (Fußball, Feuerwehr, Schützenfest und andere) ebenso wie Frauenbünde (Schwarzwälder-Kirsch-Zirkel, Frauengesangsvereine, Landfrauen und andere).

Die „Falle“ war sein erklärter Auftrittsort, in der er auch so manche Kabarett-Reihe mit bekannten Kabarettisten organisierte. 1969 hatte er in Göttingen sein erstes abendfüllendes Programm „Nörgelbuff“ auf die Bühne gebracht. Weitere – insgesamt 26 – folgten bis 1998. Nach Stationen über Tübingen, Saarbrücken und Berlin – der Tucholsky-Liebhaber organisierte dort die Tucholsky-Tage – kehrte er 1988 nach Schaumburg zurück, gründete 1994 ein Tournee- und Kulturbüro.

Rolf Linnemann war ein guter Vertreter des politisch-literarischen Kabaretts, den Tendenzen in der Gesellschaft, die Macher und Verlierer, missbrauchte Gefühle, Empfindungen und Menschen interessierten. Nie böse, mit der Heiterkeit des Wissens. Bis seine Krankheit kam … Seine Auftritte haben immer Spaß gemacht.




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