weather-image
×

BürgerEnergieWende Schaumburg fordert Stadt zu zukunftsfähiger Immobiliensanierung auf

„Gas ist kein Klimaschutz“

BÜCKEBURG. Der Verein BürgerEnergieWende Schaumburg hat die Stadt aufgefordert, im Rahmen ihres Klimaschutzprogramms die bereitgestellten 100 000 Euro nicht für den Austausch einer Kohleheizung gegen eine Gasheizung in einem stadteigenen Mehrfamilienhaus zu verwenden. „Natürlich bedarf die genannte Immobilie einer Sanierung, aber nicht halbherzig, sondern zukunftsfähig“, schreibt das Vorstandsteam um Daniel Milbradt, Christiane Bork-Jürging und Hannes Kohlenberg in einem öffentlichen Brief. Nur: „Gas ist kein Klimaschutz.“

veröffentlicht am 09.04.2021 um 11:20 Uhr

Nach Kohle und Öl sei Gas der drittschädlichste fossile Energieträger. Im Zuge der Klimaneutralität wird bis spätestens 2050 die letzte Gasheizung aus den europäischen Immobilien entfernt sein, in den ersten Ländern gibt es daher bereits Verbotsdaten für den Einbau neuer Gasheizungen, führt der Verein aus. Jetzt Klimaschutzmittel für eine Investition zu verwenden, die für die nächsten 20 Jahre das Klima belastet und den CO2-Ausstoß auf einem Niveau zementiert, das das Erreichen der Klimaschutzziele unmöglich macht, entbehre nicht einer gewissen Ironie.

Natürlich müsse die Immobilie saniert werden. Mit einer Gasheizung würde man nicht nur dem Klimaschutz einen Bärendienst erweisen, sondern die Bewohner darüber hinaus auf Jahrzehnte der künftig stetig steigenden CO2-Steuer aussetzen. Das sei auch sozialpolitisch zweifelhaft und belastet mittelfristig die Wertentwicklung der Liegenschaft.

Vielmehr bedarf es jetzt eines fundierten Fahrplans, um sämtliche derzeit noch im kommunalen Bestand befindlichen Öl- und auch Gasheizungen systematisch durch 2050-taugliche Systeme zu ersetzen, fordert der Verein. Darüber hinaus sei die laufende Instandhaltung der städtischen Immobilien ureigenste kommunale Aufgabe. Es sei traurig genug, dass überhaupt noch kommunale Immobilien mit Kohle beheizt werden, sodass man den durchsichtigen Versuchen der Verwaltung widerstehen sollte, sich dafür am Klimaschutzbudget zu bereichern.

Zu guter Letzt: Die Kommunen sollten auch nicht dem Greenwashing der fossilen Öl- und Gaslobby erliegen, die momentan überall versucht, mit der angeblichen Perspektive auf klimaneutrale Brennstoffe wie E-Fuels oder Wasserstoff für das Beheizen von Einfamilienhäusern oder auch für Pkw ihr Geschäftsmodell zu konservieren. Der Verein: „Alle diese Lösungen sind strombasiert und verbrauchen im Vergleich zur direkt elektrifizierten Alternative die fünf bis zehnfache Menge des ohnehin zu knappen grünen Stroms.“ Damit würden sie für diese Anwendungen im laufenden Betrieb auch immer um ein Mehrfaches teurer sein. Der einzige Gewinner sei weder das Klima noch der Verbraucher, sondern allein die Öl- und Gasindustrie.r/rc




Anzeige
Anzeige
Anzeige