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Pastor Jan-Uwe Zapke ruft Schicksal Heimatvertriebener ins Gedächtnis

Gedenken an den „Todeszug“

BÜCKEBURG. Die evangelisch-lutherische Stadtkirchengemeinde hat am Totensonntag mit einer Andacht der Opfer des sogenannten Todeszugs gedacht, der im Dezember 1946 aus Schlesien kommend als Flüchtlingstransport in Bückeburg eintraf. Während der in der Jetenburger Kirche veranstalteten Gedenkfeier erinnerte Pastor Jan-Uwe Zapke in einer sehr persönlichen Ansprache an das Schicksal Heimatvertriebener.

veröffentlicht am 26.11.2018 um 11:34 Uhr
aktualisiert am 26.11.2018 um 18:30 Uhr

Die Teilnehmer der Erinnerungsandacht kommen zu einem gemeinsam gebeteten „Vater unser“ zusammen. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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Es komme einer absoluten Katastrophe gleich, die Heimat zu verlieren, führte der Geistliche aus. Für Vertriebe habe es nach dem Krieg eigentlich keinen Ort des Trauerns gegeben; viele hätten gedacht, in einem bösen Traum zu leben, der sich allerdings als Wahrheit entpuppen sollte. Das Erleben von Grauenhaftigkeit, wie es den Flüchtlingen aus den Ostgebieten widerfahren sei, sei für die jetzige junge Generation sehr weit weg.

„Daher glaube ich, dass es gut ist, wenn es Menschen gibt, die mit Begriffen wie Schlesien oder Ostpreußen etwas Autobiografisches verbinden“, sagte Zapke, dessen Großvater ebenfalls Heimatvertriebener war. Die Teilnehmer der musikalisch vom Posaunenchor der Petzer Kirchengemeinde begleiteten Erinnerungsfeier kamen anschließend zu einem gemeinsam gebeteten „Vater unser“ an den am Rande des Jetenburger Friedhofes errichteten Gedenkkreuzen zusammen.

Die schlichten, einheitlich gestalteten Kreuze halten ein Ereignis im Gedächtnis, dem zwischen Dezember 1946 und Juli 1949 vermutlich rund 90 Menschen zum Opfer fielen. Die genaue Zahl ist nicht bekannt. 31 der 89 Grabsteine tragen keine Inschrift. Die Toten starben an den Folgen eines unmenschlichen Massentransportes, der im Winter 1946 von Breslau nach Bückeburg führte. Der Zug verließ Breslau eine Woche vor Weihnachten mit 1543 Personen. Als der Transport bei eisiger Kälte von bis zu 20 Grad minus Bückeburg erreichte, befanden sich nur noch etwa 770 Menschen in den Waggons.

Auf dem Jetenburger Friedhof erinnern 89 Grabsteine an die Opfer des sogenannten Todeszugs. Foto: bus
  • Auf dem Jetenburger Friedhof erinnern 89 Grabsteine an die Opfer des sogenannten Todeszugs. Foto: bus



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