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Gekämpft wie ein Löwe

Er hat gekämpft wie ein Löwe, hat sich mit aller Kraft gegen die Krankheit gestemmt, nach Rückschlägen immer wieder aufgerappelt, neuen Mut gefasst und die Möglichkeit des Scheiterns für sich nicht akzeptiert. Den letzten Kampf hat er nun verloren. Bückeburg trauert um Jürgen Harmening.

veröffentlicht am 21.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 19:41 Uhr

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Vor knapp zwei Jahren schnitt die Diagnose der Leukämie in sein Leben. Bis dahin stand Jürgen Harmening im Mittelpunkt der Öffentlichkeit, blieb auch nach seinem Rückzug aus den politischen Ämtern eine der gefragtesten Persönlichkeiten der Stadt.

Harmening saß 25 Jahre, von 1981 bis 2006, für die CDU im Bückeburger Stadtrat, davon fast 15 Jahre als Vorsitzender der Fraktion. In dieser Zeit prägte er nicht nur das Gesicht der Bückeburger CDU, sondern die Stadtpolitik insgesamt maßgeblich mit. Seine Steckenpferde waren Finanzen und Wirtschaft, Harmening führte den entsprechenden Fachausschuss im Rat. Darüber hinaus bekleidete er das Amt des Bezirksvorsitzenden der CDU-Mittelstandsvereinigung.

Drei Mal trat Jürgen Harmening bei den Bürgermeisterwahlen an. In mehreren Amtsperioden war er stellvertretender Bürgermeister der Stadt. Seine Paraderolle indes war eine andere: die des Oppositionsführers. Dass die CDU meist keine Mehrheit im Rat besaß, fiel unter Harmening nicht auf.

Sein ehrenamtliches Engagement aber zielte über die Politik hinaus. Harmening setzte sich auch für das Hubschrauberzentrum ein, war für die Märchensänger, den Männergesangverein und das Evangelische Altersheim aktiv. Er war Vorsitzender des Fördervereins des VfL Bückeburg und unterstützte GWD Minden.

Der gebürtige Bückeburger, gelernte Maurer und studierte Bauingenieur machte sich 1975 mit einem Ingenieurbüro selbstständig und zog 1991 an die Neue Straße, wo Sohn Frank heute die Geschäfte führt.

Im Sommer 2007 begann der Kampf gegen die Krankheit – und veränderte sein Leben dramatisch. Harmening blieb über Wochen an Klinikbetten gefesselt, die Zukunft war ungewiss. Und das noch in optimistischer Betrachtung – aber so sah Harmening es selbst: Mit bewundernswerter Zuversicht und Stärke hat er an seine Chance geglaubt und versucht, die Krankheit zu besiegen. Es mutete wie ein Erfolg purer Willenskraft an, als Harmening, noch gezeichnet von den Anstrengungen, ins öffentliche Leben zurückkehrte. Als Initiator der Typisierungsaktion hat er seinen persönlichen Kampf als Engagement für alle fortgesetzt. Respekt ist dafür ein bescheidener Begriff.

Der Schock saß tief, als sich die Hoffnung auf ein gesundes Leben nach der Stammzellentransplantation als trügerisch erwies. Und dennoch, Harmening stellte sich erneut den niederschmetternden Diagnosen, er gab nicht auf. Bis zum Schluss.

Wer ihn kannte, schätzte nicht nur seinen politischen Sachverstand. Harmening war ein Mann der Geradlinigkeit, der Offenheit, des Humors. Seine Leidenschaft galt der Familie – und dem Fußball, „seinem HSV“. Stadionbesuche zählten auch in den schweren letzten Jahren zu seinen festen Vorlieben.

Die Bückeburger, wir alle, verlieren einen Menschen, der bleiben wird. Jürgen Harmening besitzt eine Dauerkarte im Gedächtnis.

Unsere Anteilnahme gilt seiner Ehefrau Ruth, seinen Söhnen Frank und Jörg und allen weiteren Angehörigen.




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