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Von den Leidenschaften der Seele

George Kochbeck & Ensemble brillieren in der Stadtkirche

BÜCKEBURG. Schon mit der symphonischen Suite „Erbauung erleben“ zum 400-jährigen Bestehen der Stadtkirche 2015 sowie der Komposition „Die Neuerfindung der Welt – Der Luther-Code“ zum Reformationsjubiläum 2017 setzte Komponist und Musikproduzent George Kochbeck Meilensteine großer kirchlicher Musik-Inszenierungen aus modernen und klassischen Klängen.

veröffentlicht am 03.06.2019 um 11:33 Uhr
aktualisiert am 03.06.2019 um 20:00 Uhr

In den Gesangsparts brillierten Felicitas Breest, Sera Eke und Axel Feige. Foto: jp
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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Schon mit der symphonischen Suite „Erbauung erleben“ zum 400-jährigen Bestehen der Stadtkirche 2015 sowie der Komposition „Die Neuerfindung der Welt – Der Luther-Code“ zum Reformationsjubiläum 2017 hat Komponist und Musikproduzent George Kochbeck Meilensteine großer kirchlicher Musik-Inszenierungen aus modernen und klassischen Klängen gesetzt.

Mit dem oratorischen Singspiel „Von den Leidenschaften der Seele – Die Geschichte der Tochter des Winterkönigs“ für Kammerorchester, Band und Solisten gastierten der aus Gütersloh stammende und heute in Wölpinghausen lebende Musiker und sein Ensemble jetzt zum dritten Mal mit einem Werk aus eigener Feder in dem Gotteshaus der Bückeburger Stadtkirchengemeinde.

Mit der Figur der Herforder Äbtissin Elisabeth von der Pfalz hat sich George Kochbeck damit auch wieder eines historisch-religiösen Stoffes angenommen, der erstaunlich viele Parallelen zur Gegenwart aufzeigt, denn in den politischen und kriegerischen Wirren des 17. Jahrhunderts, in die das Leben und Wirken der Tochter des als „Winterkönig“ von Böhmen verspotteten Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz fällt, ging es ebenso wie heute um die Konflikte zwischen Religionen und Weltanschauungen, um Fanatismus, Toleranz und Aufklärung, um Ausgrenzung, Verfolgung und den Schutz von Flüchtlingen.

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Der Komponist und musikalische Leiter George Kochbeck. Foto: jp

Elisabeth von der Pfalz, die im Jahr des Ausbruchs des Dreißigjährigen Krieges zur Welt kam und mit 13 Jahren ihren Vater Friedrich V. verlor, erwarb bereits in frühen Jahren hohe Bildung. Mit 43 Jahren wurde sie Koadjutorin der Reichsabtei Herford, von 1667 bis zu ihrem Tod 1680 war sie dort Äbtissin.

Zentrales Thema des oratorischen Singspiels, dessen historische Erläuterungen und Anmerkungen, wie schon bei den vorangegangenen beiden Kochbeck-Werken, Radio-Moderator und Autor Ecki Stieg mit seiner seit 30 Jahren unverwechselbar charismatischen Stimme lieferte, war neben dem Leben der Äbtissin vor dem Hintergrund des blutigen 17 Jahrhunderts ihr Briefwechsel mit dem französischen Denker René Descartes. Aus ihm entstand das titelgebende Traktat des Naturforschers und Philosophen, Schöpfer des berühmten philosophischen Ausspruchs „Ich denke, also bin ich“ und Begründer des neuzeitlichen Rationalismus, „Les Passions de l’âme“ („Die Leidenschaften der Seele“), das Descartes 1649 für Elisabeth verfasste.

In den Sprechrollen des Singspiels eröffneten Hannah Brunkhorst als Elisabeth und Axel Feige als René Descartes den Zuhörern die faszinierende Gedankenwelt dieser beiden ungewöhnlichen Briefpartner in einem Zeitalter der erbitterten Religionskriege und der ganz langsam am Horizont heraufdämmernden Aufklärung. Der 13 Jahre jungen Elisabeth verlieh Ennie Kochbeck Gesicht und Ausdruck, als Sänger brillierten Felicitas Breest, Sera Eke und Axel Feige. Verantwortlich für die Texte zeichnete dabei neben Erzähler Ecki Stieg Publizist Michael Girke, der bereits als Kurator einer Ausstellung über Elisabeth tätig war. Zum Gesamtkunstwerk wurde die Aufführung, die von einem rund 20-köpfigen Ensemble gestaltet wurde, durch aufwendige, düster-melancholische Lichtinstallationen und Filmeinspielungen auf einer großen Leinwand vor dem Altarbereich der Stadtkirche.




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