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Premiere geglückt: Erste Barbarafeier der Kirchen in Besucher-Bergwerk und Museum

Gottesdienst mit Helmpflicht

KLEINENBREMEN. Helme sind Pflicht bei der ersten Barbarafeier in Kleinenbremen. Unter jedem Stuhl im historischen Kompressorraum des Bergbaumuseums liegt ein solcher Kopfschutz. Nach einem Gottesdienst mit dem evangelischen Pastor Ekkehard Karottki singen die Teilnehmer das „Steigerlied“, starten zu einer Prozession durch den teilweise beleuchteten Steinbruch und kommen schließlich unter Tage im Tscherperraum zusammen.

veröffentlicht am 06.12.2018 um 11:31 Uhr

Jungen und Mädchen des Kleinenbremer Kindergartens bereichern die Barbarafeier mit Liedern. Foto: ly

Autor:

Stefan Lyrath
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Dort segnet der katholische Pfarrer Manfred Pollmeier eine gusseiserne Statue der Heiligen Barbara und den Raum selbst. Jungen und Mädchen des Kleinenbremer Kindergartens singen Lieder, die sie extra einstudiert haben für dieses Pilotprojekt der Kirchengemeinden Kleinenbremen (evangelisch-lutherisch) und St. Walburga in Porta Westfalica (katholisch).

Dass es 2019 eine Wiederholung geben wird, hat Dr. Manfred Horter, Vorsitzender des Aufsichtsrates von Besucher-Bergwerk und Museum, bereits zugesagt. „Es ist unser Ziel, die Tradition des Bergbaus in der Region und das Bewusstsein dafür nach außen zu tragen“, betonte er.

Premiere geglückt: Etwa 120 Menschen, darunter als geladener Gast Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach, wird die ökumenische Veranstaltung zum Gedenken an die christliche Märtyrerin als bewegend und stimmungsvoll in Erinnerung bleiben. Nun hat die Schutzpatronin aller Bergleute auch in Kleinenbremen ganz offiziell den Platz, der ihr gebührt.

Der katholische Pfarrer Manfred Pollmeier segnet die Statue der Heiligen Barbara und den unterirdischen Tscherperraum, wo auch Trauungen stattfinden. Foto: ly
  • Der katholische Pfarrer Manfred Pollmeier segnet die Statue der Heiligen Barbara und den unterirdischen Tscherperraum, wo auch Trauungen stattfinden. Foto: ly
Bergführer begleiten die Teilnehmer während der Prozession durch den teilweise beleuchteten Steinbruch. Foto: ly
  • Bergführer begleiten die Teilnehmer während der Prozession durch den teilweise beleuchteten Steinbruch. Foto: ly

„Heilige gibt’s ja eigentlich nur in der katholischen Kirche“, erklärte Pfarrer Ekkehard Karottki. „Aber im evangelischen Namenskalender steht unter dem 4. Dezember der Todestag der Barbara von Nikomedien im Jahr 306. So haben wir geschickt die Brücke zur Ökumene geschlagen.“

Christen verehren Sankt Barbara als Heilige, „die für die christlichen Werte Glaube, Liebe und Hoffnung einstand“, erinnerte Karottki. Gegen den Willen ihres mächtigen Vaters, eines Kaufmanns in der heutigen Türkei oder dem Libanon, ließ sie sich taufen und hielt auch unter der Folter an ihren Glauben fest. Ihr Vater soll sie daraufhin mit dem Schwert geköpft haben.

Ob Barbara eine historische Figur war, ist fraglich. „Aber auch eine Legende enthält immer einen wahren Kern“, gibt Pfarrer Karottki zu bedenken. „Dass Anfang des vierten Jahrhunderts Christen verfolgt wurden, ist keine Legende.“

Bergleute sehen in der Märtyrerin eine von 14 Nothelfern. Die Kumpel vertrauen darauf, dass die Heilige Barbara sie zu reichen Bodenschätzen und wieder zurück ans Tageslicht führt. In der Hoffnung auf dieses Glück fühlen sich die Bergleute mit ihr verbunden, denn Gott selbst soll Barbara zu deren Lebzeiten einen tiefen Felsspalt gezeigt haben, in dem sie sich vor ihrem Vater verstecken konnte. Auch Barbara bietet Schutz. „Sie hat im Auftrag Gottes schon vielen Menschen geholfen - und das wird sie weiter tun“, glaubt Pfarrer Pollmeier.

Seit der Segnung am Gedenktag heißt der unterirdische Raum übrigens „Tscherperraum zur Heiligen Barbara“. Frischvermählte dürften dies künftig als gutes Omen sehen. Besucher-Bergwerk und Museum gehören nämlich zu den Außenstellen des Portaner Standesamtes. Im Tscherperraum, wo früher Bergleute ihre Mahlzeiten eingenommen haben, werden heute Ringe getauscht.




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