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Reportage „Lost Children“ informiert über Kindersoldaten in Afrika

Gräueltaten machen sprachlos

Petzen (wk). Betretene Gesichter statt lebhafter Diskussion – das ist das ungeplante Ergebnis eines Informationsabends gewesen, zu dem der Bückeburger Stadtverband der Grünen ins „Hofcafé Peetzen 10“ eingeladen hat. Ursächlich hierfür war am Freitag nicht etwa ein plötzlicher innerparteilicher Zwist, sondern ein schockierender Filmbeitrag über Kindersoldaten im afrikanischen Staat Uganda, den Klaus Suchland, Vorsitzender der Sektion Minden der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, mitgebracht hatte.

veröffentlicht am 19.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 04:21 Uhr

Ohne jede reißerische Aufmachung entfaltete die bereits 2005 in den Kinos gelaufene Reportage „Lost Children“ (zu Deutsch: verlorene Kinder) ihre nervenaufreibende Wirkung allein durch die traumatischen Erlebnisberichte der von ihren Familien verschleppten Kinder und die dazu gezeigten Bilder menschlicher Gräueltaten. So schilderte ein ehemaliger Kindersoldat in ruhigem, sachlichen Ton, wie ihm von gegnerischen Milizen erst die Ohren, dann die Nase, Lippen und die Finger abgeschnitten und ihm schließlich auch noch die beiden Hände abgehackt wurden. Berichtet wurde zudem von Kindern, die von den fanatisch-religiösen Kriegstruppen gezwungen wurden, sogar ihre eigenen Familienangehörigen zu töten.

„Wir dürfen nicht argumentieren, das geht uns nichts an, weil es weit weg ist“, durchbrach Suchland nach Ende des von ihm als „sehr hart“ eingestuften 90-minütigen Films die Stille. Zum einen müsse man sich auch in unseren Breitengraden mit dem Gedanken anfreunden, „dass die friedlichen Zeiten, die wir hier kennen, begrenzt sind“. Zum anderen müsse man der zunehmenden Gewalt und dem Unrecht in der Welt nicht zuletzt deshalb Widerstand leisten, da Kinder auch in anderem Regionen der Erde als „Kindersoldaten“ eingesetzt werden – man denke nur an als Selbstmordattentäter auserkorene Kinder in Afghanistan und Israel.

Was jeder Einzelne der rund zwei Dutzend Besucher der Veranstaltung leisten könnte, erläuterte Suchland ebenfalls: Durch Geldspenden an etablierte Hilfsorganisationen wie etwa UNICEF könne man die Nothilfe vor Ort unterstützen. Dabei sollte man sich vorab jedoch genau informieren, wie viel von dem gespendeten Geld tatsächlich bei den hilfsbedürftigen Menschen ankommt und wie viel möglicherweise auf irgendwelchen anderen Kanälen versickert.

„Ich denke, die Leute müssen das erst mal sacken lassen und verarbeiten“, kommentierte die Stadthägerin Michaela Mügge, die mit ihrem Ehemann zu dem Informationsabend gekommen war, auf Nachfrage unserer Zeitung die entfallene Diskussionsrunde. Sie selbst seien angesichts des Filmbeitrags ebenfalls „im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos“, bestätigte Jan Mügge. Betroffen zeigte er sich dabei auch von jenen Schilderungen in dem Film, dass viele Familien die heimkehrenden Kindersoldaten nicht mehr bei sich aufnehmen würden, weil sie Angst vor diesen Kindern haben.




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