weather-image
18°
×

Hast Du Töne!

„Brass Band Berlin“ brilliert im Festsaal des Schlosses

veröffentlicht am 05.03.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:41 Uhr

Autor:

Bückeburg. Artistische Töne, tollkühne Solisten und ein bestens aufgelegter Bandleader waren im Festsaal des Schlosses zu erleben. Unter dem Motto „Be a Clown“ zelebrierte die „Brass Band Berlin“ Melodien von Glenn Miller und Henry Mancini, Dmitri Schostakowitsch und Richard Wagner.

Einen Artikel über das Konzert der „Brass Band Berlin“ auf Schloss Bückeburg schreiben zu wollen, kann eigentlich nur misslingen. Es passiert unglaublich viel. Kurzum: Was diese Musiker in zwei Stunden packen, davon zehren andere Bands eine ganze Saison. Von den roten Clownsnasen zu Beginn bis zum Einsatz einer Schreibmaschine blieb keine Minute unausgefüllt. Ein Slapstick jagte den Nächsten, der Funke zum Publikum sprang sofort über. Viel Arbeit also für die Lachmuskeln, die an diesem Nachmittag aufs Äußerste angespannt waren.

Für die kabarettistischen Einlagen verantwortlich war vor Bandleader (und Gründer) Thomas Hoffmann, der – wie weiland Paul Kuhn – mit „Peng, Knall und halblegalen Waffen“ für überraschende Geräuscheffekte sorgte. Mal rast er zum Xylophon, dann schießt er mit einer Schreckschuss-Pistole. Weitere „Lärmquellen“ sind eine Luftpumpe und ein gelbes Quietsche-Entchen. Ein bisschen erinnern die geräuschvollen Slapstick-Einlagen an den Soundtrack zum Film „Tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten“.

Wie in einem alten Stummfilm läuft alles etwas schneller, das ist rasante Hochleistungs-Artistik ohne Netz und doppelten Boden und auf ganz hohem musikalischen Niveau, wie beispielsweise der treibende „Second Waltz“ von Schostakowitsch oder der explosive „Säbeltanz“ zeigt. Und immer wieder Thomas Hoffmann, der sein Team wild gestikulierend leitet, es anfeuert und zu Höchstleistungen antreibt. Dabei ist sich der Gründer der Band auch nicht zu schade, die niedrigen Instinkte seines Publikums anzusprechen. Als ein Solist sein Instrument durch die Beine hindurch spielt, hält er sich die Nase und stänkert über den „Furz“ des Po-Saunisten. Witze über den angeblichen Alkoholkonsum von Musikern („Wann haben Musiker 0,5 Promille im Blut?“ Antwort: „Wenn sie eine Woche nichts getrunken haben“) oder über die Frage, wie man Dirigent wird („wenn man als Orchestermusiker nichts taugt, geben sie Dir zwei Stöcke in die Hand und Du wirst Schlagzeuger. Wenn Du das auch nicht kannst, wird Dir ein Stock weggenommen, und Du wirst Dirigent“) geben dem Programm einen Einschlag in Richtung Comedy. Höhepunkt des unterhaltsamen Nachmittags ist dann ein Solo Hoffmanns auf der Schreibmaschine, das so angekündigt wird: „Achten Sie auf den zart schmelzenden Anschlag der Privileg 72 in oranger Ausführung!“ Ebenfalls ein vergnüglicher Spaß ist das schön verjazzte Medley „Wagner in Dixieland“, das mehrere Wagner-Themen zusammenfasst.

„Wir machen aus 21 Stunden 4 Minuten 30“, beschreibt Hoffmann das Sound-Spektakel. So hat man „Tannhäuser“, „Parzival“ oder „Den Fliegenden Holländer“ noch nie gehört. Wer da nicht ins Mitwippen kommt, dem ist an Fasching nicht zu helfen.

Insgesamt also eine wirklich gelungene Mischung aus brillantem Jazz, Slapstick, Show und Comedy. Das war Musik mit Witz und Charme und ein musikalisches Feuerwerk voller solistischer Höhepunkte.




Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige