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230 Jahre nach ihrer gemeinsamen Zeit kommen der Gelehrte und der Komponist sich erneut nahe

Herder erhält stumme Gesellschaft von Bach

Bückeburg (bus). Mehr als 230 Jahre nachdem 1776 ihre gemeinsame Bückeburger Zeit ein Ende nahm, kommen sich jetzt auf dem Schloss der Gelehrte Johann Gottfried Herder und der Komponist Johann Christoph Friedrich Bach einander erneut nahe. Auch wenn die Wiederbegegnung nur durch Porträts vonstatten geht, kommt dem Vorgang einiger Symbolwert zu. „Für mich ist das wie die Rückkehr Bachs an seine ehemalige Wirkungsstätte“, erläuterte Werner Herrmann in einem Gespräch mit Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe.

veröffentlicht am 21.08.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 04:41 Uhr

Werner Herrmann und dessen Ehefrau Ingeborg schenken Alexander F

Anlass der Unterredung war ein Bildgeschenk Herrmanns an den Hausherrn, das eben diesen „Bückeburger Bach“ darstellt. Der dritte der vier komponierenden Söhne von Johann Sebastian Bach folgte um die Jahreswende 1749/50 als gerade mal Achtzehnjähriger dem Ruf, als „Hochgräflich Schaumburg-Lippischer Cammer-Musicus“ an den Hof von Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe. Dieser war sehr beeindruckt von der königlichen Hofmusik am Hofe Friedrichs II. in Potsdam und versuchte, diesem Vorbild in seiner Residenz nachzueifern.

Mit der Berufung Herders (1744 bis 1803) als Hofprediger und Konsistorialrat anno 1771 kam es zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem freundschaftlich verbundenen Dichter und dem Tonkünstler. Aus ihrem gemeinsamen Schaffen gingen die Oratorien „Die Kindheit Jesu“ und „Die Auferweckung des Lazarus“ (1773) sowie einige Kantaten und die dramatischen Werke „Brutus“ und „Philoktetes“ (beide 1774) hervor. Das gemeinsame Schaffen endete 1776 mit der Berufung Herders nach Weimar. Der Bückeburger Bach, der seinerzeit außerhalb Schaumburg-Lippes so wenig Aufsehen erregte wie seine Musik, galt lange Zeit als der unbedeutendste der vier komponierenden Bach-Söhne. Jüngere, von Hansdieter Wohlfahrth und Ulrich Leisinger unternommene Forschungen betrachten ihn als Brückenbauer zwischen dem ausklingenden Barock und der sich entwickelnden Klassik.

„Johann Christoph Friedrich ist hier auch ein bisschen versackt“, merkte der Hausherr im Gedankenaustausch mit dem früheren Rintelner Kantor an. Gleichwie sei dessen relative Unbekanntheit, betonte der 86-jährige Herrmann, „für ihn nicht wert und nicht gemäß“. Eine Erinnerung per Porträt an die 45-jährige Bückeburger Schaffenszeit des auf dem Jetenburger Friedhof beerdigten Cammer-Musicus könne seinen Bekanntheitsgrad durchaus erhöhen und Interesse für sein Werk wecken. Alexander zu Schaumburg-Lippe überlegte, das Bachbild auf einer Staffelei dem früheren Zeitgenossen zuzugesellen. Somit bliebe auch die kulturhistorische Einordnung der beiden Ausnahmepersönlichkeiten gewahrt. „Herder war schon ein wenig bedeutender“, meinte der Gastgeber.




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