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Erfolgsschriftstellerin Elisabeth Zöller: Er hat die Verachtung als politisches Prinzip eingeführt

Hitler als Mensch hochminderwertig

Bückeburg. „Was hat Hitler eigentlich verändert?“ Die Beantwortung dieser Frage hat Elisabeth Zöller gestern ihrer Lesung in der Bückeburger Oberschule vorangestellt. „Er hat die Verachtung bestimmter Menschen als politisches Prinzip eingeführt. So etwas kann nur ein Mensch machen, der sich selbst hochminderwertig vorkommt und deswegen den anderen verachten muss, damit er über diesem steht.“

veröffentlicht am 19.04.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 00:21 Uhr

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„Das heißt, dass derjenige, der die Menschenverachtung einführt, sich selbst das Zeugnis ausstellt, eigentlich der zu sein, der unter dem anderen steht, weil er die Verachtung nötig hat“, führte die Erfolgsautorin weiter aus. Sonst fühle er sich nicht groß und stark. „Und als Zweites“, ergänzte Zöller, „führte er dann die Tötung dieser Menschen ein. Es ist unvorstellbar, dass ein Staat offiziell zu Tötung, Verachtung, Beschädigung und Verletzung bestimmter Menschen aufruft.“

Der Besuch der Kinder- und Jugendbuchautorin erfolgte vor dem Hintergrund der Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sowie den zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen vermeintlich Rechten und vermeintlich Linken in Bückeburg. Die Initiative ging von der Oberschullehrerin Angelika Dierking aus. Sowohl in der Oberschule als auch heute Morgen im Gymnasium Adolfinum stand Zöllers jüngste Veröffentlichung „Wir tanzen nicht nach Führers Pfeife“ im Mittelpunkt des Interesses.

Der Tatsachen-Thriller spielt im kriegszerstörten Köln der 1940er Jahre, wo die „Edelweißpiraten“ mit dem Drill der Hitlerjugend und der Gesinnung der Nationalsozialisten nichts zu tun haben wollen. Die Piraten kämpfen in den Wirren des Bombenkrieges gemeinsam ums Überleben und leisten Widerstand gegen die autoritäre und menschenverachtende NS-Herrschaft. Als sie in die Hände der Gestapo geraten, scheint ihr Tod besiegelt. „Der Triller mit seinen spannenden Actionszenen erreicht auch Leser, die nur wenig an Geschichtswissen interessiert sind“, schreiben Kritiker. Die Leser verstünden, was diese Jugendlichen dazu brachte, sich der NS-Ideologie zu verweigern. „Sie erleben aus der Perspektive der Romanfiguren, dass es möglich ist, die eigenen Überzeugungen gegen den Druck einer Übermacht aufrechtzuerhalten.“

Die gesamte Oberschule ist jetzt „Schule ohne Rassismus“: Schulleiter Herwig Henke (v.l.), die Schülervertreter Linda York, Josef Khodr und Frauke Terkatz sowie Irmela Mensah-Schramm präsentieren die „Courage“-Symboltafel. bus (2)

Zöller vertritt die Auffassung, dass junge Leser durch Romane erste Informationen zum Geschehen im „Dritten Reich“ bekommen und auch ältere Leser, über die geschichtlichen Daten hinaus, durch die Teilnahme an Erlebnissen und Emotionen in der Alltagswelt beteiligter Menschen ein tieferes Verstehen erfahren. Das emotionale Miterleben beim Lesen sensibilisiere und schaffe Bewusstsein für die gesellschaftlichen Bedingungen, die den Nationalsozialismus ermöglicht haben. Der Leser könne erkennen, wie stark soziale Entwicklungen in einer Gesellschaft durch die Kooperation der Bürger damals und auch heute bestimmt werden. Und: „Der emotionale Zugang fördert die Bereitschaft, sich im eigenen Umfeld für die Verhinderung von Unrecht und für Mitmenschlichkeit zu engagieren.“

Da passte es gut ins Bild, dass vor den Lesungen die Oberschule offiziell in den Kreis der „Courage“-Schulen aufgenommen wurde. Die Aktion hatte sich bislang nur auf die Graf-Wilhelm-Schule (aus der zusammen mit der früheren Realschule die Oberschule erwuchs) erstreckt. Während einer kleinen Feierstunde betonte Schulleiter Herwig Henke im Beisein der Schulpatin Irmela Mensah-Schramm, dass ihm das Mittun der gesamten Schule wichtig gewesen sei. Die Teilnahme an der Aktion bedeute: „Wir treten ein dafür, dass wir hier alle gemeinsam lernen und unsere Zeit verbringen dürfen, dass wir den anderen achten, egal wo und wie er sich verhält, dass wir jede andere Person ernst nehmen und auf sie eingehen und dass wir auf Gewalt jeglicher Art untereinander verzichten.“

In der beigefügten Urkunde heißt es: „Mit ihren Aktivitäten setzen die Schülerinnen und Schüler der Oberschule Bückeburg gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern ein deutliches Zeichen gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere gegen Rassismus. Sie schaffen ein respektvolles Schulklima und wirken damit über ihre Schule hinaus in die Stadt Bückeburg hinein.“ Mensah-Schramm gab den Anwesenden zu verstehen: „Ihr seid alle auf dem richtigen Weg.“ Sie habe sich sehr gefreut zu hören, dass es in der Schule und in deren Umfeld ruhiger geworden sei. Sie erneuerte ihr Unterstützungs- und Begleitungsangebot.bus




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