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Martin Brandt wendet sich vor dem VfL Bückeburg gegen „Nutzungsentgelte auf Sportstätten“

„Ich kann die Politik nur warnen“

BÜCKEBURG. Viel Schatten und nur wenig Licht: So könnte man die Situation vieler Vereine wohl am besten beschreiben. Entsprechend genervt reagierte der Präsident des VfL Bückeburg, Martin Brandt, auf Überlegungen, ein Entgelt auf die Nutzung von Sportstätten zu erheben. Er könne die Politik nur warnen, mit „unsachgemäßen Forderungen die Arbeit der Vereine zu gefährden.“ Und: Hier werde von außen „ein weiteres Feld aufgemacht, welches die Probleme der Vereine schlagartig erhöht.“

veröffentlicht am 10.06.2016 um 13:45 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 13:41 Uhr

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Im Grunde geht es dem VfL Bückeburg ja ganz gut. Zwar hat es in Sachen Mitgliedern eine „kleine Delle“ gegeben (von 1923 auf 1872 Anfang dieses Jahres), aber sowohl finanziell, als auch konzeptionell ist der Verein gut aufgestellt. Es gibt zahlreiche interessante Aktionen wie den Sportabzeichen-Tag und eine Führung, die sich um eine „effiziente Organisation“ und um ein „modernes und zeitgemäßes Image“ bemüht. Also also „easy“ und ohne Probleme?

Im Gegenteil, sagt Martin Brandt bei der Jahresversammlung des VfL Bückeburg im Vereinsheim. Denn die Probleme, die am Horizont aufziehen, sind so vielfältig, dass ein Verein alleine sie kaum bewältigen kann.

Brandt nennt vor allem vier Punkte, die die Vereinslandschaft massiv bedrohen: den „demografischen Wandel“, ein „verändertes Freizeitverhalten“, den „Wunsch nach neuen Sportarten“ und „knapper werdende Haushaltsmitteln der Kommune, die neue Überlegungen zur Erhebung von Sportstättenbenutzungsgebühren und Energiekostenbeiträgen auf den Plan rufen“. Dazu kommt, laut Brandt, „dass ehemals von der Kommune übernommene Tätigkeiten auf die Vereine verlagert und von diesen geleistet beziehungsweise bezahlt werden müssen.“ Für Brandt folgt daraus, dass „wir mitten in einem grundlegenden Prozess dynamischer Veränderungen in den Umfeldbedingungen für Sportvereine stecken.“ Man könne regelmäßig in der Presse lesen, dass Vereine über große Probleme bei der Bewältigung ihrer Ausgaben klagten oder sich sogar grundsätzlich neu ausrichteten.

Und jetzt? Für Brandt gibt es nur eine Konsequenz: „Schaffung von vereinsübergreifenden Kooperationen“, „gemeinsame, effiziente Nutzung von Sportstätten“, „Verzahnung des sportlichen Angebots“ und ein „selbstbewusstes gemeinsames Auftreten gegenüber Politik und Verwaltung.“ Die meisten Vereine, so Brandt, hätten ohnehin schon realisiert, dass sie die Herausforderungen der Zukunft alleine nicht bewältigen können. Daraus folge, dass die örtlichen Vereine näher aneinander heranrücken müssten, um diese Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.

Verärgert berichtete Brandt dann von „der größten Herausforderung“, die nicht auf die Veränderung des Nutzerverhaltens der Mitglieder zurückzuführen sei. Gemeint ist „die seitens der Politik angedachte Einführung von Nutzungsentgelten für Sportstätten.“ Spätestens im nächsten Jahr müsse man damit rechnen, in irgendeiner Form für die Sportstättennutzung eine Gebühr zahlen zu müssen.

Brandt kopfschüttelnd: „Als wenn unsere Situation nicht schwer genug wäre, wird hier ohne Not eine weitere Baustelle aufgemacht.“ Für den Verein sei es jedenfalls nur schwer verständlich, „dass wir erst aus eigenen Mitteln und mit viel Eigenleistung in die städtischen Sportstätten investiert haben und nun für deren Nutzung zahlen sollen.“ Er könne die Politik nur warnen, die Arbeit der Vereine nicht mit unsachgemäßen Forderungen zu gefährden. Für Brandt steht deshalb fest: „Jeder einzelne Euro, der hier zusätzlich auf uns zukommt, wird sich zwingend in höheren Beiträgen für unsere Mitglieder niederschlagen.“ In der Konsequenz bedeutet das: „Dass es hier eine Auswirkung auf die Mitgliederzahlen geben wird. Ein Blick auf andere Kommunen zeigt, dass Beitragserhöhungen, die auf eine Sportstättenbenutzungsgebühr zurückgehen, besonders stark auf die Mitgliederzahlen durchschlagen.“

Ein anderes Beispiel – nämlich das der VTB – illustriert Brandts Befürchtungen noch eindringlicher. Hier seien sämtliche passiven Mitglieder und Förderer dem Vereinssport in Bückeburg verloren gegangen. Konkret: 800 Sportler hätten eine Heimat in anderen Vereinen gefunden, 1000 passive Mitglieder seien „einfach verschwunden“.

Laut Brandt wäre das bei einem „kontrollierten Zusammenschluss von Vereinen“ in der Form sicherlich nicht der Fall gewesen. Er könne deshalb nur eindringlich davor warnen, eine differenzierte Gebühr je nach Sportstätte zu berechnen. Denn das führe zu einem „enormen administrativen Aufwand“, sowohl bei der Verwaltung, als auch bei den Vereinen. Das wäre nur schwer zu leisten und laufe auch dem Solidargedanken des Vereinssports zuwider. „Nur wenn eine – wie auch immer geartete Gebühr – auf sämtliche Mitglieder umgelegt werden kann, ist dies für Vereine überhaupt vorstellbar“, gab Brandt zu verstehen. Das setze aber voraus, dass sich der Betrag in einer moderaten Größenordnung bewege.

Ein nutzungsabhängiges Entgelt beschädige den Solidargedanken und würde eines der Grundprinzipien eines Vereins infrage stellen. Brandts Fazit: „Wir müssen als großer Mehrspartenverein zusammenhalten. Nur so, in dieser Gesamtheit, sind wir stark genug, um die Herausforderungen zu bewältigen.

Beim letzten Punkt „Aussprache“ meldete sich dann Wolfhard Müller zu Wort. Müller, der für die Sozialdemokraten im Rat der Stadt Bückeburg sitzt, betonte, dass er die Gebühr auch nicht für „sinnvoll halte, weil dann viele passive Mitglieder austreten könnten.“

Das sei aber nur seine eigene Meinung. Er würde den Mitgliedern des Vereins raten, noch einmal auf die Fraktionen im Stadtrat zuzugehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, „wie man das besser hinkriegt“.




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