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Fachvortrag bei Gesprächsreihe „Nachgefragt“

Imkerin Marion Peukert: Klimawandel macht Bienen-Männer steril

BÜCKEBURG. Mit viel Enthusiasmus hat die Vorsitzende des Imkervereins Obernkirchen und Umgebung, Marion Peukert, einen Vortrag über den dramatischen Rückgang der Insektenpopulation gehalten.

veröffentlicht am 15.03.2019 um 13:00 Uhr

Die Vorsitzende des Museumsvereins, Eike Höcker, (links) bedankt sich bei der Referentin Marion Peukert für deren Vortrag. Foto: gn

Autor:

Gabi Nachstedt
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BÜCKEBURG. Eingeladen dazu hatten der Museumsverein Bückeburg und die Gesellschaft für Sicherheitspolitik im Rahmen ihrer Gesprächsreihe „Nachgefragt“.

Die Imkerin berichtete ausführlich, wodurch unsere Bienen und Insekten bedroht sind. In der anschließenden Fragerunde ging es um den Honig, den Glyphosateinsatz auf den Feldern und darum, wie sich Imkerei und Nachbarschaft vertragen.

Im Museum war kein Platz mehr frei, als die Vorsitzende des Museumsvereins, Eike Höcker, die Referentin begrüßte. Die Vorsitzende des Imkervereins Obernkirchen und Umgebung hat erst 2014 mit ihrem Hobby begonnen. Inzwischen leben ihre neun Bienenvölker im eigenen Garten, bei Nachbarn oder Freunden. Während die Bienen im Winter in ihren Kästen eng beieinander sitzen, kommt mit den ersten warmen Frühlingssonnenstrahlen Leben in den Bienenstock. Die Waben werden geputzt und erste Blüten, wie die der Weide angeflogen.

Mit den ersten warmen Frühlingssonnenstrahlen kommt Leben in den Bienenstock. Foto: Archiv

Die Hobbyimkerin machte deutlich, dass die Biene in Deutschland das drittwichtigste Nutztier nach Schweinen und Rindern ist. Die landwirtschaftlichen Erträge seien in großem Maße von Bienen, Wildbienen, Hummeln oder Schmetterlingen abhängig. Doch habe die Population der Insekten drastisch abgenommen. Bei 80 Prozent Rückgang gebe es dann auch weniger Vögel, weil sie für ihre Jungen nicht mehr genügend Nahrung finden.

Als Bedrohung für die Insekten sieht Peukert neben der Varroamilbe viele andere Faktoren. Durch den fortschreitenden Klimawandel sei bei vielen männlichen Bienen eine Sterilität festgestellt worden. Ganz besonders schwer hätten es die Insekten jedoch durch die fehlende Blütenvielfalt, ausgelöst durch Monokulturen auf den Feldern, Abgase, pflegeleichte Steingärten, die Rodung von Hecken, eine zu frühe Mahd und den Einsatz von Spritzmitteln zur Unkrautvernichtung.

Inzwischen habe auch bei vielen Landwirten ein Umdenken zugunsten der Insekten eingesetzt. Regelmäßig treffe man sich im Raum Obernkirchen zu einem Stammtisch. Nicht jeder Bauer pflüge noch hart bis an die Feldgrenze, sondern lasse einen Blühstreifen stehen.

Im eigenen Garten könne jeder etwas für die Insekten tun. Es dürfe ruhig ein bisschen wilder aussehen, der Rasen müsse nicht jede Woche gemäht werden, so würden auch mal die Gänseblümchen eine Chance zum Blühen bekommen. Bienen würden, so die Hobbyimkerin Kräuter wie Lavendel, Oregano, Thymian, Rauke und Zitronenmelisse lieben. Obstbäume und die Kornelkirsche sowie Beerensträucher im Garten wären mit ihren Blüten ein hervorragendes Nahrungsangebot.

In der Diskussionsrunde wurde anschließend nach Rückständen im Honig gefragt. Hier konnte Peukert die Zuhörer beruhigen, dass regelmäßige Kontrollen bei den Imkern in Niedersachsen keine Überschreitung der Grenzwerte bei Glyphosat und Jakobskreuzkraut gezeigt hätten. Sie hob auch noch einmal den gesundheitlichen Aspekt beim Verzehr von Honig hervor. Seine Inhaltsstoffe könnten bei Haut- und Schlafproblemen helfen, aber auch die Wundheilung positiv beeinflussen.

Auf die Frage, ob man einfach mit der Imkerei anfangen könne, oder dann Ärger mit dem Nachbarn bekomme, riet die Referentin, einen gestandenen Imker hinzu zu holen, damit das Ausflugsloch des Bienenstocks nicht durch den Garten des Nachbarn verlaufe.




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