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„Das ist eigentlich ein Gerücht“

Israel-Experte zweifelt Zunahme des Antisemitismus an

BÜCKEBURG. Im „Schaumburger Gesprächsforum“ ist die gegenwärtig in zahlreichen Medien diskutierte Zunahme des Antisemitismus in Zweifel gezogen worden. „Das ist eigentlich ein Gerücht“, erklärte Fritz Winkelhake.

veröffentlicht am 06.02.2019 um 14:04 Uhr
aktualisiert am 07.02.2019 um 18:20 Uhr

Fritz Winkelhake referierte in der Begegnungsstätte Herderstraße über die Frage, ob der Antisemitismus zunimmt. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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BÜCKEBURG. Im „Schaumburger Gesprächsforum“ ist die gegenwärtig in zahlreichen Medien diskutierte angebliche Zunahme des Antisemitismus in Zweifel gezogen worden. „Das ist eigentlich ein Gerücht“, findet Fritz Winkelhake. Die Zahl der Antisemiten sei seit Beginn der 1960er- Jahre mehr oder weniger stabil geblieben.

Rund 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung verfügten über eine antisemitische Einstellung, bekräftigte er. „Und darin hat sich nicht viel getan.“

Die Feststellungen des früher an den Schulen Helpsen und Heeßen beschäftigten Pädagogen überraschten insofern, da in der Einladung des Forums vom Gegenteil die Rede war: „Zunehmender Antisemitismus beunruhigt uns! Was können wir tun?“

Winkelhake führte seine Erkenntnisse auf persönliche Aufzeichnungen zurück. „Ich protokolliere das Geschehen seit 1962“, gab der Referent zu verstehen. Der Eindruck der Zunahme rühre aus der Tatsache her, dass antisemitische Vorbehalte und Verschwörungstheorien durch die Neuen Medien heute stärker wahrgenommen würden als in der Vergangenheit. „Das ist ein besonderes Problem“, legte der Fachmann dar.

Winkelhake schlug in der Begegnungsstätte Herderstraße vor rund 30 Zuhörern einen weiten, von den Anfängen des Judentums bis in die Gegenwart reichenden Bogen. Er differenzierte zwischen Judenhass, Rassismus und Israelhass und schilderte immer wieder Eindrücke seiner zahlreichen Israel-Reisen. „Mir selbst wird mitunter unterstellt, ich sei ein Antisemit, weil ich Israel kritisiere, dabei liebe ich Israel so sehr“, erläuterte der Referent, der drei Jahre lang in dem vorderasiatischen Staat gelebt und mehr als 40 Reisen dorthin unternommen hat.

Rückblickend bedauerte Winkelhake, dass er erst 1961, im Alter von 26 Jahren, zum ersten Mal vom Holocaust gehört habe. Die Massenvernichtung menschlichen Lebens und besonders die der Juden während des Nationalsozialismus sei weder im Elternhaus, noch in der Schule oder in der heimischen Kirchengemeinde thematisiert worden.

Mit zahlreichen Zitaten belegte der Fachmann die Judenfeindlichkeit prominenter Personen. Unter den Zitierten befand sich auch der Reformator Martin Luther, der die Juden als „verworfenes, verdammtes Volk“ bezeichnet und sie als „mit allen Teufeln besessen“ charakterisiert hatte.

Das „Schaumburger Gesprächsforum“ kommt zu seiner nächsten Veranstaltung am Mittwoch, 20. März, im Alevitischen Kulturzentrum in Stadthagen, Herminenstraße 52, zusammen. Als Referent wurde Clemens Ronnefeld vom Internationalen Versöhnungsbund eingeladen.




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