weather-image
°
×

Ermittler haben schon früh Zweifel an Glaubwürdigkeit der Unteroffizierin

Jägerkaserne: Vergewaltigung vorgetäuscht

Von Raimund Cremers

veröffentlicht am 06.12.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 12:21 Uhr

und Tobias Morchner

Bückeburg. Die angebliche Vergewaltigung einer 25-jährigen Soldatin in der Bückeburger Jägerkaserne im August dieses Jahres war vorgetäuscht. Nach Informationen unserer Zeitung kommen sowohl die Ermittler der Polizei als auch die Untersuchungen der Feldjäger zu diesem Schluss. Das Ergebnis der Recherchen sei „eindeutig“, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Die Staatsanwaltschaft Bückeburg wollte dies gestern auf Anfrage nicht bestätigen. Staatsanwalt André Lüth sagte lediglich, es gebe von seiner Seite nichts Neues. Die Staatsanwaltschaft ermittele weiterhin in alle Richtungen und bereite den DNA-Reihentest vor. 500 Soldaten der Schäfer-Kaserne sollen dazu aufgefordert werden, freiwillig eine DNA-Probe abzugeben.

Nach Informationen unserer Zeitung sollen Profiler des Landeskriminalamts bereits frühzeitig den Verdacht auf Vortäuschung geäußert und bezüglich der Soldatin von einer Persönlichkeitsstörung, dem sogenannten Borderline-Syndrom gesprochen haben. Auch aus Bundeswehrkreisen seien entsprechende Hinweise gekommen. Welche Rolle dabei persönliche Unterlagen der Soldatin gespielt haben und wie sie in die Hände der Ermittler gelangt sind, blieb gestern offen

Die junge Soldatin soll unter einer Persönlichkeitsstörung, dem sogenannten Borderline-Syndrom, leiden und die Geschichte von dem sexuellen Übergriff in der Kaserne frei erfunden haben. Trotz der vorliegenden Berichte will die Staatsanwaltschaft Bückeburg die Ermittlungen in dem Fall weiter voran treiben. Ein geplanter Massengentest bei 500 bis 600 Soldaten, der bereits vorbereitet wird, soll nach den Vorstellungen der Behörde trotz der Erkenntnisse vorgenommen werden. „Der Gentest wird umgesetzt, wir ermitteln weiter in alle Richtungen“, sagt André Lüth von der Staatsanwaltschaft.

Der angebliche Angriff auf die Soldatin hatte im Sommer hohe Wellen geschlagen. Die Unteroffizierin hatte ausgesagt, sie sei am 12. August im Block A der Kaserne in einer der Unterkünfte von einem Unbekannten auf einem Stuhl sitzend vergewaltigt worden. Anschließend soll der Täter sein Opfer gefesselt, geknebelt und in einen Spind gesperrt haben. Nach Aussagen der 25-Jährigen hatte ein Kamerad die junge Frau aus ihrem Gefängnis befreit.

Trotz dieses brutalen Angriffs und des gewaltsamen Einsperrens in den Schrank soll der Körper der Soldatin, wie zu erfahren war, keine Hämatome oder andere typischen Verletzungen aufgewiesen haben. Zudem nahmen die Ermittler eine sogenannte Tathergangs-Rekonstruktion vor, in der sie die Vergewaltigung exakt nach den Angaben der 25-Jährigen nachstellten. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass der Übergriff sich nicht so zugetragen haben kann, wie es die Unteroffizierin zu Protokoll gegeben hatte.

Die Soldatin wurde von den Ermittlern in einer Vernehmung mit diesen Feststellungen konfrontiert. Dabei soll sie sich in Widersprüche verstrickt haben. Zudem fanden die Ermittler heraus, dass ein angebliches Schreiben des Täters, das die 25-Jährige nach dem Übergriff erhalten haben will, aus der Feder der Soldatin stammt. Zweifel an der Glaubwürdigkeit des angeblichen Opfers sollen, so heißt es aus Ermittlerkreisen, bereits kurz nach der Tat aufgekommen sein.

Die 25-Jährige hatte unmittelbar nach dem angeblichen Übergriff gegenüber der Polizei erklärt, der Täter habe zwei auffällige Muttermale im Genitalbereich gehabt. Die Feldjäger ließen daraufhin noch am Abend alle Soldaten der Kaserne antreten, um den Hinweisen nachzugehen. Die Überprüfung führte jedoch nicht zum gewünschten Durchbruch bei den Ermittlungen.

Die Bundeswehr wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern und verwies auf das laufende Ermittlungsverfahren. Auch die zuständige Polizeiinspektion Nienburg gab keine Stellungnahme dazu ab und verwies an die Staatsanwaltschaft. Doch hinter vorgehaltener Hand bringen viele Beamte in diesen Tagen ihr Unverständnis über die Fortführung der Ermittlungen und den geplanten Massengentest zum Ausdruck. Dabei wird das Verhalten der Staatsanwaltschaft als „unverhältnismäßig“, ja sogar als „rechtlich schwierig“ eingestuft.




Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige