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Kammerchor „Acûstico“ überzeugt mit hoch konzentriert vorgetragenem Hörvergnügen

„Jauchzet dem Herrn“

BÜCKEBURG. „Jauchzet dem Herrn, alle Welt!“, hat der Chor „Acûstico“ seinem aktuellen Gastspiel in der Stadtkirche als Leitwort vorangestellt. Bei ihrem jetzt dritten Auftritt in Bückeburg standen Werke auf dem Programm, die eine Zeitspanne von rund 400 Jahren umfassten.

veröffentlicht am 31.05.2018 um 13:12 Uhr
aktualisiert am 31.05.2018 um 18:30 Uhr

Julian Hauptmann und der Chor „Acûstico“ freuen sich über den Applaus des Stadtkirchen-Publikums. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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Zum Auftakt erklang die von Heinrich Schütz (1585 bis 1672) in Anlehnung an einen Vers aus dem Johannes-Evangelium zu Papier gebrachte Komposition „Also hat Gott die Welt geliebt“. Johann Ludwig (1677 bis 1731) und Johann Bach (1604 bis 1673) – Vetter und Großonkel von Johann Sebastian Bach – steuerten „Unsere Trübsal“ und „Unser Leben ist ein Schatten“ bei. Motetten, die nicht die Schwere des Lebens besingen, sondern den Trost, der für Christen darin liegt, dass den zeitlichen Beschwernissen ein herrliches und ewiges Leben nachfolgt.

Aus der Feder von Felix Mendelsohn Bartholdy (1798 bis 1847) stammten zwei Psalmvertonungen (Psalm 100 und 43, „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ und „Richte mich, Gott“), die dem Urheber gleichermaßen als jüdische wie christliche Gebete vertraut waren. Im Anschluss an „Locus Iste“ (Anton Bruckner, 1824 bis 1896) und Gustav Gunsenheimers (geboren 1934) „Die Heilung des Blinden“ folgten mit Igor Strawinskys (1882 bis 1971) „Pater Noster“ und „Ave Maria“ zwei weitere Vertonungen biblischer Gebete: Das „Vaterunser“ und das „Gegrüßet seist du, Maria“.

Der Schluss- und Höhepunkt des Konzerts war Rudolf Mauersberger (1889 bis 1971) vorbehalten. Der Kreuzkirchenkantor komponierte die Motette „Wie liegt die Stadt so wüst“ unter den Eindrücken der Zerstörung Dresdens 1945 nach Texten aus den biblischen „Klageliedern Jeremias“ für den Dresdner Kreuzchor. Und erst im Anschluss an die letzten Töne dieses Liedes brauste erstmals lautstarker Applaus auf. Was aber nicht dem Missfallen des Publikums, sondern an einer deutlichen Geste des Dirigenten Julian Hauptmann geschuldet war. Der musikalische Leiter, der in der Vergangenheit auch drei Jahre lang für die Betreuung der Bückeburger Singgemeinschaft verantwortlich zeichnete, hatte gleich nach „Also hat Gott die Welt geliebt“ den Verzicht auf zwischenzeitlichen Beifall unmissverständlich angemahnt.

Das hatte zur Folge, dass das Auditorium in den Genuss eines ungemein dichten und von den ohne instrumentale Begleitung und elektrische Verstärkung agierenden Sängern hoch konzentriert vorgetragenen Hörvergnügens kam. Der mit bemerkenswert prägnanter Körpersprache dirigierende Hauptmann konzentrierte sich ausschließlich – und mit Erfolg – auf das Gelingen der Vorträge, nahm immer wieder direkten Blickkontakt mit seinen Schützlingen auf und sorgte für eine permanent anhaltende Spannung. Dass er dabei durchgehend den Zuhörern den Rücken zukehrte, tat dem Genuss keinerlei Abbruch.

Die Intensität des „aufgesparten“ Beifalls hatte eine Zugabe zur Folge, mit der „Acûstico“ sein Talent auch für die Interpretation beinahe lieblicher Weisen belegte. Das auf Verse des Heidedichters Hermann Löns vertonte „Auf Wiedersehn“ (Die Schneegans zieht, der Sommer geht) lieferte einen entspannenden Kontrast zu den geistlichen Werken und holte die Konzertbesucher behutsam zurück ins Hier und Jetzt.

Bei „Acûstico“ handelt sich um einen 2013 gegründeten und in Hannover beheimateten gemischten Kammerchor mit etwa 30 Stimmen. Für dieses Jahr ist eine erneute Aufführung von Mozarts „Requiem“ geplant. Hinter dem Chorprojekt steht die Liedertafel Concordia von 1872 Hannover-Badenstedt.




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