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Klage eines früheren Richters abgewiesen

Kein Fehler: „List“ lenkt Arzt von Gürtelrose ab

Bückeburg (ly). Im Zivilstreit zwischen einem Amtsrichter a.D. und einem Allgemeinmediziner, beide aus Bückeburg, hat das Landgericht dem beklagten Arzt Recht gegeben. Ein Fehlverhalten des Doktors könne nicht nachgewiesen werden, heißt es im Urteil. Der unterlegene Jurist, nach eigener Einschätzung Opfer eines „groben Behandlungsfehlers“, trägt die Kosten des Verfahrens.

veröffentlicht am 16.10.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 18:41 Uhr

Gefordert hatte der frühere Richter 5000 Euro Schmerzensgeld, außerdem Anwaltskosten sowie rund 1100 Euro Schadensersatz für die Stornierung einer Seereise, die der damals 80-Jährige wegen einer Gürtelrose absagen musste. Um diesen „Herpes Zoster“, den der Arzt seinerzeit nicht sofort diagnostiziert hatte, ging es im Prozess vor der 3. Zivilkammer. Im Rückblick ist der Kläger wohl nicht ganz unschuldig daran, dass die Gürtelrose mehrere Tage lang unbehandelt blieb und sich weiter verschlimmerte.

Vor knapp vier Jahren hatte der Bückeburger über Nacht Schmerzen in Unterbauch und Hüfte verspürt, die bis in den linken Oberschenkel ausstrahlten. Morgens rief er in der Praxis an. Ein Termin war jedoch weder an jenem 23. November 2006 noch am darauf folgenden Freitag frei.

Der Patient griff daher zu einer „List“, wie er es selbst nennt. Um sofort einen Termin zu bekommen, bat der Kranke unter Hinweis auf seinen erhöhten Blutdruck um ein EKG, das tatsächlich noch am selben Tag gemacht wurde. Bei der anschließenden Erörterung wollte er den Arzt auf die Schmerzen ansprechen.

Nach dem Ruhe-EKG stellte der Mediziner einen bedrohlich hohen Blutdruck fest. Die Gefahr eines Herzinfarktes sei nicht auszuschließen. Der Patient bekam Medikamente, verbunden mit dem Rat, zum Belastungs-EKG ins Krankenhaus zu gehen. Mit seiner „List“ hatte der Ex-Richter vor allem Verwirrung gestiftet. Festzuhalten sei, wie es im schriftlichen Urteil heißt, dass dieses Verhalten von den Unterbauchbeschwerden abgelenkt habe – sprich: der Gürtelrose.

Hinzu komme „ein fataler Umstand“, so das Gericht unter dem Vorsitz von Dr. Birgit Brüninghaus: Nach der Einnahme der Arznei kam es zu Hautrötungen. Und die hielt der Patient für Nebenwirkungen des Medikaments. Dass es dazu kommen könne, stand ja auf dem Beipackzettel.

Nach dem Wochenende wurde die Gürtelrose schließlich im Herzzentrum Bad Oeynhausen festgestellt, wohin der 80-Jährige überwiesen worden war. Noch am selben Tag bestätigte ein Bückeburger Facharzt die Diagnose. Mit Medikamenten war dem mehrere Tage alten „Herpes Zoster“ indes kaum noch beizukommen.

In der mündlichen Verhandlung (wir berichteten) hatten Kläger und Beklagter widersprüchlich ausgesagt: So beharrte der Richter darauf, sowohl einer Arzthelferin als auch dem Mediziner selbst die Schmerzen im Unterbauch und an der Hüfte geschildert zu haben. Der Doktor bestreitet dies vehement. Die Rede sei von Schmerzen in der linken Körperhälfte gewesen.

Das Gericht geht übrigens davon aus, dass keiner lügt, sondern beide Männer sich „ersichtlich bemüht“ hätten, „die Ereignisse wahrheitsgemäß zu schildern“. Nur lag der umstrittene Arztbesuch da eben auch schon dreieinhalb Jahre zurück. Mit der Zeit verblasst die Erinnerung.




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