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Info-Veranstaltung zum Sanierungsgebiet Windmühlenstraße macht einiges klarer

Keine Firma will umsiedeln

BÜCKEBURG. Die Handwerker und Firmen auf der nördlichen Seite der Windmühlenstraße haben kein Interesse, ihre Standorte aufzugeben und in andere Gewerbegebiete der Stadt umzusiedeln. Das ist auf einer Informationsveranstaltung zum Sanierungsgebiet Windmühlenstraße im Rathaus mehr als deutlich geworden, zu dem die Stadt am Mittwochabend eingeladen hatte. Für den Neubau der Postenbörse auf dem alten E-Center Gelände gibt es so gut wie keine Chancen, Penny will nicht an die Wilhelm-Raabe-Straße umsiedeln.

veröffentlicht am 09.05.2019 um 16:43 Uhr
aktualisiert am 09.05.2019 um 19:30 Uhr

Sanierungsgebiet Windmühlenstraße: Auf der Nordseite wird und will das Gewerbe dort bleiben können, auf der Südseite wird es wohl ein Wohngebiet – ohne Postenbörse. Foto: jp
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Die Handwerker und Firmen auf der nördlichen Seite der Windmühlenstraße haben kein Interesse, ihre Standorte aufzugeben und in andere Gewerbegebiete der Stadt umzusiedeln. Das ist auf einer Informationsveranstaltung zum Sanierungsgebiet Windmühlenstraße im Bückeburger Rathaus mehr als deutlich geworden, zu dem die Stadt am Mittwochabend eingeladen hatte. Rund 50 Betroffene, Anwohner und Interessenten sowie ein Handvoll Ratsfrauen und -herren waren der Einladung gefolgt. Erhebliche Kritik gab es – erneut – an der Informationspolitik der Stadt im vergangenen Jahrzehnt. Vieles habe man nur aus der Zeitung erfahren. Es sei Aufgabe der Stadt, für die Zukunft vertrauensbildende Maßnahmen zu ergreifen, lauteten die Forderung der Teilnehmer.

Und daran soll gearbeitet werden, wie Baubereichsleiter Björn Sassenberg, Stadtplaner Klaus Wolter und Bernd Caffier von der BauBeCon Sanierungsträger GmbH mehrfach betonten. Sassenberg: „Sprechen Sie uns an, reden Sie mit uns. Wir werden mit Ihnen reden. Wir werden nicht über die Betriebe hinwegplanen.“ Caffier: „Wo es im Sanierungsgebiet hingehen soll, ist offen. Unterbreiten Sie Vorschläge. Was gemacht wird, wird nur im Einvernehmen mit den Eigentümern gemacht.“

Als Erstes steht nun die Entwicklung eines Konzeptes für den städtebaulichen Rahmenplan auf der Agenda, mit dem die städtebauliche Neuordnung des Gebietes angeschoben wird. Die Beauftragung des Planers stehe kurz bevor, sagte Caffier. Der Planer brauche etwa ein halbes Jahr für diesen Plan. „Wir benötigen Ihren Input“, appellierte er an die Anwesenden, den Planer mit Vorschlägen zu füttern. Und er sagte später, nachdem es immer wieder Nachfragen gegeben hatte: „Wir haben kein Konzept, wir fangen quasi mit einem leeren Papier an.“

Der Baubereichsleiter verwies nach wiederholter Kritik an den Vorhaben des 2007 erstellten Gutachtens darauf, dass sich viele dieser Vorhaben bereits im Laufe der Jahre erledigt hätten. Die Stadt verfolge nicht mehr die Pläne, auch auf der nördlichen Seite – auf der Seite von Handwerkerhof, Maschinenbauer oder Umzugsunternehmen – ein reines Wohngebiet auszuweisen. Ob es ein Gewerbegebiet bleibe oder ein Mischgebiet werde, müsse die weitere Entwicklung zeigen. Die Ansiedlung eines Nahversorgers oder eines anderen Verbrauchermarktes an die Wilhelm-Raabe-Straße wie 2009 debattiert, sei höchst problematisch (siehe Infokasten).

Mehrere Firmeninhaber erklärten, ihre Standorte nicht aufgeben zu wollen. Der Geschäftsführer der KMB Maschinenbau GmbH, Martin Becker, sagte, dass er in der Vergangenheit einen siebenstelligen Betrag in den Standort investiert habe und mit zehn Prozent der bisherigen Energiekosten auskomme: „Ich werde mit Sicherheit nicht weggehen.“ Ähnlich äußerte sich Torsten Bolte, einer der vier Inhaber des Handwerkshofes, drei von ihnen unter 40 Jahre alt. Sie hätten die Immobilie gekauft und in Maschinen investiert. Auch im Hinblick auf aufgenommene Kredite und der Altersvorsorge gebe es große Sorgen. Susanne Errico von der gleichnamigen Kfz-Werkstatt und Autohändler sagte, dass man die angemieteten Hallen seit Langem kaufen und am Standort investieren wolle.

Über die Südseite der Windmühlenstraße, wo die Stadt vor Kurzem das Neschen-Werk erworben hat, wurde wenig diskutiert. Sassenberg bezeichnete diese Fläche als „Schlüsselfläche“, das Werk werde abgerissen. Auf die am Ende der Straße liegenden ehemalige, heute komplett vermietete Halle der Drahtfabrik wurde nicht weiter eingegangen, die Eigentümerin war anwesend. Wie weit dort Wohnbebauung entsteht, blieb offen, ob dort eine Kindertagesstätte entstehen kann, wie jüngst in der Politik mehrfach geäußert, ebenfalls. Dort die Multifunktionsanlage zu errichten – dieses Thema wurde nur am Rande gestreift.

Immer wieder diskutiert wurde das Thema Ausgleichszahlungen, die Eigentümer am Ende der Sanierung durch die Wertsteigerung ihrer Grundstücke in der Regel zu zahlen haben. Mehrere sagten, dazu nicht bereit zu sein, und verwiesen auf entsprechende Gerichtsurteile. Sassenberg und Caffier erinnerten daran, dass nach der Neuordnung des Gebietes und der Sanierung der Windmühlenstraße samt Gehweg und allem, was dazugehört, das Gebiet und damit auch die Grundstücke aufgewertet würden. „Eine andere Wertigkeit in einem funktionierenden Gebiet“, so Caffier. Falls es bei der Ausweisung bei einem Gewerbegebiet bleibe, werde der Wertigkeits-Sprung nicht so hoch.

Einen Rat gaben Verwaltung und Sanierungsträger noch mit auf den Weg: Bevor irgendetwas im Sanierungsgebiet angefangen wird, sollte zuvor mit ihnen gesprochen werden: „Sonst gibt es keine Sanierungsmittel.“




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