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250 Menschen auf den Beinen / Stifter war Bückeburger Fabrikant und Erfinder des Hühneraugenpflasters

Königshütte: Gipfelsturm zum 100. Geburtstag

Bückeburg/Kleinenbremen (ly). Einen solchen Gipfelsturm hat die Königshütte schon ewig nicht mehr erlebt: 250 Menschen haben am Samstag den Papenbrink bestiegen, um den 100. Geburtstag des kleinen Schutzhauses für Wanderer zu feiern.

veröffentlicht am 26.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 07:41 Uhr

Die Hütte steht eindeutig auf Todenmanner Gebiet, während Bückeburger, Kleinenbremer und Rintelner im Papenbrink, wo die Grenze verläuft, gleichermaßen ihren Hausberg sehen. „Einigen wir uns auf die Formulierung: unsere Königshütte und unser Papenbrink“, schlug Friedrich Vogt vor, Chef des Bezirksausschusses für Kleinenbremen, Wülpke und Nammen.

König war sein Name, Georg König. Ohne den bekannten Bückeburger, zu Lebzeiten Fabrikant und Eigentümer der Fürstlichen Hofapotheke, hätte es keine Geburtstagsparty mit traumhafter Aussicht aus 303 Metern Höhe gegeben, denn er war Stifter der nach ihm benannten Hütte.

Schillernde Person

König muss eine schillernde Persönlichkeit gewesen sein. Er gilt als Erfinder des „Bückeburger Hühneraugenpflasters“, fuhr 1899 eines der ersten Automobile im Fürstentum Schaumburg-Lippe und residierte in einer prächtigen Villa an der Parkstraße. Sein Vorfahr Johann Andreas König hatte die Hofapotheke, errichtet 1607 von Graf Ernst zu Schaumburg-Lippe, im Jahr 1737 erworben.

Georg König funktionierte das Labor später zu einer Spezialfabrik für Kautschuk und Verbandspflaster um, nachdem er die Technik in Moskau erlernt hatte. Zu den herausragenden Neuheiten gehörte außer dem Hühneraugenpflaster Arznei in Tablettenform – und nicht als Pulver, wie es damals üblich war. „Später wurde dann aus der einst Fürstlichen Hofapotheke die Neschen AG“, wie Dr. Gerhard Franke (Porta Westfalica), Minden-Lübbecker Kreisheimatpfleger, beim Jubiläum der Königshütte weiter referierte.

Auf Initiative des Bückeburger Gebirgsvereins, dessen Mitglieder den Papenbrink zu ihrem Lieblingsplatz erkoren hatten, war 1892 auf dem Gipfel zunächst die „Melchershütte“ entstanden, eine hölzerne Baracke, die im Lauf der Zeit jedoch morsch wurde. Mit der Königshütte kam 1910 Ersatz, der von Dauer sein sollte. Dies schien aber auch nötig, weil damals eine Wanderbewegung eingesetzt hatte, während man heute auf dem Papenbrink nur vereinzelt Naturfreunde trifft. Um die Pflege der Hütte kümmerte sich seinerzeit der Rintelner Verschönerungsverein.

Gefeiert wurde jetzt auf einem Festplatz, den Bezirksausschuss, Dorfgemeinschaft und Heimatverein Kleinenbremen auf Vordermann gebracht hatten, unterstützt durch die Barbara Erzbergbau GmbH. Frisch gesplittet sind die Wege, herausgeputzt die Hütte. Und am Aussichtspunkt stehen drei neue Schautafeln der Barbara.

Davor stellten sich die Loccumer Alphornbläser auf, während die Tanz- und Trachtengruppe des TuS Kleinenbremen vor der Königshütte die Röcke fliegen ließ. Mit einer umfassenden Dokumenation zur Geschichte von Königshütte und Papenbrink beteiligte sich der Kleinenbremer Ortsheimatpfleger Wolfgang Karras.

An der Sternwanderung teilgenommen hatten auch der Schaumburg-Lippische Heimatverein sowie der Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein Todenmann. Als Ehrengäste konnte Friedrich Vogt unter anderem Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach begrüßen, den Portaner Bürgermeister-Vize Karl Erich Schmeding sowie Uwe Vogt, Ortsvorsteher in Todenmann.

„Geschichte wird greifbar“, stellte Schmeding in einer Rede fest und erinnerte an die „Wandervogelbewegung“ zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, die viele politische Umbrüche eingeleitet habe, heute aber Vergangenheit sei. „Trotzdem“, so Schmeding, „wandern viele wieder gern auf dem Kamm des Wesergebirges.“ Seitdem die Königshütte in neuem Glanz erstrahlt, wohl umso mehr.




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